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Textilindustrie fordert verlässliche Forschungsförderung für Mittelstand

Das Forschungskuratorium Textil (FKT) warnt vor Kürzungen bei den zentralen Förderprogrammen Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) und Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM). Gerade für kleine und mittlere Unternehmen der Textilindustrie seien beide Instrumente von hoher Bedeutung, weil sie Forschung ermöglichen, die einzelne Betriebe allein kaum finanzieren könnten.

Nach Angaben des FKT arbeiten in Deutschland mehr als 2.000 kleine und mittlere Textilunternehmen mit 15 textilen Forschungsinstituten im Umfeld der Industriellen Gemeinschaftsforschung zusammen. Zu den Forschungsfeldern gehören neue Materialien, Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung und energieeffiziente Produktionsverfahren.

VAUDE lässt Green Shape erstmals unabhängig zertifizieren

VAUDE hat als erste Marke die unabhängige Zertifizierung nach dem neuen Green-Shape-System abgeschlossen. Damit vollzieht das Unternehmen einen grundlegenden Wechsel: Aus dem ursprünglich von VAUDE selbst entwickelten Nachhaltigkeitsstandard wird ein unabhängiges Zertifizierungssystem, das künftig auch anderen Unternehmen der Textil- und Outdoorbranche offensteht.

Green Shape wurde 2010 von VAUDE entwickelt. Anfang 2026 übertrug das Unternehmen den Standard an den unabhängigen, gemeinnützigen Green Shape e.V. Der Verein fungiert seither als Programmeigner. Green Shape ist zudem als EU-Gewährleistungsmarke angelegt.

Die Kriterien betrachten nicht nur einzelne Materialien, sondern den Lebenszyklus eines Produktes von Design und Rohstoffauswahl über Herstellung und Nutzung bis zu Reparierbarkeit und End-of-Life. Die Einhaltung wird durch unabhängige Stellen geprüft. Nach Angaben von VAUDE werden zahlreiche Produkte der Herbst-/Winterkollektion 2026 bereits mit dem neuen zertifizierten Green-Shape-Label in den Handel kommen.

CHT erweitert Färbe-App um Salt Advisor für Reaktivfärbungen

Die CHT Group hat ihre Textile Dyes App um einen Salt Advisor für Reaktivfärbungen mit BEZAKTIV-Farbstoffen erweitert. Das digitale Werkzeug soll Färbereien dabei unterstützen, die Salzkonzentration nicht mehr ausschließlich nach allgemeinen Standardtabellen festzulegen, sondern auf Basis der jeweiligen Rezeptur und Kostenstruktur zu optimieren.

Bei der Reaktivfärbung von Baumwolle beeinflusst die Salzkonzentration die Substantivität der Farbstoffe und damit sowohl die Farbstoffausbeute als auch die Prozesskosten. Nach Angaben von CHT berücksichtigt das hinterlegte mathematische Modell die unterschiedlichen BEZAKTIV-Farbstoffe sowie variierende Färbebedingungen. In die Berechnung fließen unter anderem Farbstofftyp, Farbstoff- und Salzpreis, Flottenverhältnis sowie die verwendeten Salz- und Alkalikomponenten ein.

Rohrkolben aus wiedervernässten Mooren soll zur Textilfaser werden

Rohrkolben aus Paludikultur soll künftig als Rohstoff für hochwertige Textilfasern nutzbar werden. Ein von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe vorgestelltes Projekt der Hochschule Niederrhein untersucht, wie sich Fasern aus Typha latifolia so gewinnen und aufbereiten lassen, dass eine industrielle Verarbeitung möglich wird.

Im Mittelpunkt stehen skalierbare mechanische und chemisch-physikalische Aufschlussverfahren. Die gewonnenen Fasern werden auf Reißfestigkeit, Feinheit, Dehnbarkeit und Spinnfähigkeit untersucht. Anschließend sollen die bislang im Labormaßstab entwickelten Prozessschritte in Richtung industrieller Anwendung weiterentwickelt und dafür Prozessparameter sowie Qualitätsstandards definiert werden.

Der Ansatz verbindet Textiltechnik und Moorbodenschutz. Wiedervernässte Moore binden große Kohlenstoffmengen, bislang fehlen jedoch vielerorts wirtschaftlich tragfähige Absatzmärkte für die Biomasse aus Paludikultur. Eine textile Nutzung könnte landwirtschaftlichen Betrieben zusätzliche Erlösmöglichkeiten eröffnen und zugleich eine regionale Alternative zu fossilen Synthetikfasern schaffen.

Talbot-Runhof-Ausstellung im tim erhält Bayerischen Kunstpreis 2026

Die Ausstellung „Celebrating Fashion – Talbot Runhof in Paris“ im Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg erhält den Bayerischen Kunstpreis 2026 in der Kategorie „Ausstellung des Jahres“. Ausgezeichnet werden Dr. Michaela Breil und Prof. Dr. Karl Borromäus Murr vom tim.

Die Schau zeichnet rund zwei Jahrzehnte Modegeschichte des Münchner Designerduos Johnny Talbot und Adrian Runhof nach und konzentriert sich auf dessen Auftritte bei der Paris Fashion Week. Im Mittelpunkt stehen drapierte Stoffe, Silhouetten, Farben und die handwerkliche Umsetzung der Couture-Entwürfe.

Das tim hatte bereits Anfang 2026 Couture-Modelle von Talbot Runhof für seine Sammlung angekündigt. Die aktuelle Auszeichnung stärkt damit zugleich die museale Dokumentation jüngerer deutscher Mode- und Textilgeschichte. Die Ausstellung läuft noch bis 25. Oktober 2026

Mammut stellt mit „Unwellness Retreat“ klassische Wellness-Kommunikation auf den Kopf

Mammut startet mit „Unwellness Retreat“ eine globale Kampagne, die die verbreitete Wellness- und Selbstoptimierungslogik bewusst umkehrt. Statt kontrollierter Routinen und Komfort stellt die Bergsportmarke Kälte, Höhe, Unsicherheit und das Erlernen neuer Fähigkeiten in den Mittelpunkt.

Ein erster Retreat wurde in Chile mit Content Creators umgesetzt. Die Kampagne wird mit Filmformaten fortgeführt und in mehreren Märkten durch Aktivierungen ergänzt. In der Schweiz plant Mammut gemeinsam mit Handelspartnern unter anderem eine Übernachtung auf einem Portaledge an der Verzasca-Staumauer sowie Trainingseinheiten mit Bergführern.

Für die Outdoorbranche ist weniger der einzelne Event als die Positionierungsstrategie interessant: Mammut verknüpft Bekleidung und Ausrüstung mit einem anspruchsorientierten Markenerlebnis und grenzt sich damit bewusst von der stark gewachsenen Wellness-Kommunikation im Lifestyle- und Activewear-Markt ab.

WSTDA diskutiert in Deutschland Standards für textile Hebe- und Ladungssicherung

Die Web Sling & Tie Down Association (WSTDA) hat ihre jährliche Herbsttagung erstmals außerhalb Nordamerikas in Deutschland durchgeführt. Auf Einladung von Dolezych und Doleco USA trafen sich Fachleute aus den USA mit europäischen Experten, um technische Anforderungen an Ladungssicherung und textile Hebetechnik zu vergleichen.

Ein Schwerpunkt war ein Praxistag im Forschungs- und Technologiezentrum Ladungssicherung in Selm. Dort wurden Unterschiede zwischen europäischen und nordamerikanischen Regelwerken erläutert und Sicherungsmethoden unter realitätsnahen Bedingungen demonstriert. Die WSTDA entwickelt technische Richtlinien und Standards für Hebe- und Ladungssicherungssysteme; Dolezych arbeitet seit rund drei Jahrzehnten im Verband mit.

Für Hersteller textiler Hebebänder, Rundschlingen und Zurrsysteme ist der Austausch relevant, weil sich Normen, Berechnungsmodelle und Prüfanforderungen unmittelbar auf Konstruktion, Materialwahl und internationale Vermarktung auswirken.

Lenzing und Kaihara erweitern TENCEL™-Lyocell-Spektrum für Denim

Die Lenzing Gruppe und der japanische Denimhersteller Kaihara Corporation bringen zur Kingpins Amsterdam eine neue „REMOD-Kollektion“ auf den Markt. Sie kombiniert TENCEL™ Lyocell Standard, TENCEL™ Lyocell – HV100 und TENCEL™ Lyocell dtex 2.2 in unterschiedlichen Denim-Konstruktionen. Gezeigt werden unter anderem schwere Jacken, Stretch-Jeans, weit geschnittene Modelle und baumwollfreie Freizeithemden.

Parallel baut Lenzing das Netzwerk für TENCEL™ Lyocell – HV100 weiter aus. Ein Jahr nach der Markteinführung umfasst es nahezu 50 Webereien in 13 Ländern; Indien ist erstmals vertreten. Die HV100-Faser wird mit variierenden Stapellängen erzeugt, um eine matte, baumwollähnliche Optik zu ermöglichen, und kann laut Lenzing ohne zusätzliche Investitionen in bestehende Produktionsabläufe integriert werden.

Für Denimmarken entsteht damit ein breiteres Beschaffungsnetz für unterschiedliche Lyocell-Charakteristika. Lenzing nennt für HV100 und dtex 2.2 zudem einen gegenüber konventionellem Lyocell um mindestens 50 Prozent geringeren CO₂-Fußabdruck und Wasserverbrauch; diese Angaben beruhen auf den vom Unternehmen ausgewiesenen Vergleichsgrundlagen.

Lenzing will mit 300 Millionen Euro Kapitalerhöhung „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ stützen

Die Lenzing AG hat eine vollständig garantierte Barkapitalerhöhung mit Bezugsrechten angekündigt, die einen Bruttoerlös von rund 300 Millionen Euro bringen soll. Der Mittelzufluss soll zusätzliche finanzielle Flexibilität schaffen, die Kapitalstruktur stärken und ausdrücklich die Umsetzung der Strategie „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ unterstützen.

Geplant ist die Ausgabe von 34.756.362 neuen Aktien zu 8,65 Euro je Aktie. Das Bezugsverhältnis beträgt 10 zu 9. Die Bezugsfrist läuft nach der Mitteilung voraussichtlich vom 6. bis 20. Oktober 2026. Das Syndikat aus B&C-Gruppe und Suzano sowie die Oberbank haben sich zur Ausübung ihrer Bezugsrechte verpflichtet.

Für die Faserbranche ist vor allem die Mittelverwendung interessant: Lenzing koppelt die Kapitalmaßnahme direkt an eine Strategie, die Wachstum im Vliesstoffgeschäft und eine Neuausrichtung des Textilsegments vorsieht. 
Damit erhält die operative Transformation einen erheblichen zusätzlichen Finanzierungsspielraum.

Hochschule Niederrhein bringt Strick, Space-Age und Nachwuchsdesign ins Historische Klärwerk

Die Hochschule Niederrhein präsentiert am 15. Oktober 2026 im Historischen Klärwerk Krefeld-Uerdingen aktuelle Kollektionen und Abschlussarbeiten aus dem Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik. 
Gemeinsam mit angehenden Bekleidungstechnischen Assistentinnen und Assistenten des Berufskollegs Vera Beckers entsteht ein Programm zwischen experimenteller Gestaltung, Popkultur und gesellschaftlichen Themen.

In Sophie Steffens Bachelor-Kollektion „Raum für mich“ werden Space-Age-Einflüsse und kreisförmige Elemente in sechs Silhouetten übersetzt. Julia Segschneider nutzt in ihrer Masterarbeit „zu viel oder zu wenig“ Strick als zentrales Gestaltungsmittel und arbeitet bewusst mit Gegensätzen zwischen weichen Materialien und kontrollierenden Formen.

Weitere Positionen reichen von einer künstlerisch geprägten Capsule Collection für Bühne und Alltag bis zu „Future Fashion“ mit ungewöhnlichen Materialien.
Die Schau macht damit sichtbar, wie breit sich Ausbildung heute zwischen Material, Konstruktion, kultureller Referenz und persönlicher Designsprache bewegt.

Business

Normen & Standards

Fraunhofer: Positionspapier Normen & Standards

Agieren deutsche Unternehmen zu zögerlich, wenn es darum geht, sich an Prozessen zur Standardisierung und Normung innovativer Technologien zu beteiligen?
 
Mehr zum Positionspapier in unserem Newsbereich.

Studie - Lieferkettengesetz

HypoVereinsbank: Wettbewerbsnachteile durch Lieferkettengesetz

Fast drei Viertel der Befragten (70%) befürchtet, dass die Überwachung der gesamten Lieferkette den Mittelstand – insbesondere kleine Unternehmen – überfordern könnte.

Infos zum Download der Studie in unserem Newsbereich.

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Zahlen & Statistik

Konjunkturdaten Textil & Bekleidung

Monatlich aktualisiert erhalten Sie hier die Konjunkturdaten zur deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie:

  • Auftragseingangsindex
  • Umsatzindex
  • ifo-Konjunkturklimaindex
  • Kennziffern

Industrie-Statistiken finden Sie in unserer Datenbank zum Download.