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Lignin senkt PAN-Anteil in Carbonfasern

Forschende der Washington University in St. Louis haben einen Ansatz entwickelt, bei dem Lignin einen erheblichen Teil des üblicherweise eingesetzten Polyacrylnitrils (PAN) in Carbonfasern ersetzt. Lignin fällt in großen Mengen als Nebenprodukt der Zellstoff- und Bioraffinerieindustrie an. Nach Angaben der Universität lässt sich der PAN-Anteil damit halbieren; zugleich werden geringere Produktionskosten und Emissionen erwartet.

Die eigentliche technische Hürde liegt in der mechanischen Leistungsfähigkeit. Das Team funktionalisiert einwandige Kohlenstoffnanoröhren und bringt sie in die Lignin-PAN-Matrix ein. Die Nanoröhren wirken als nanoskalige Verstärkung und unterstützen eine stärkere kristalline Orientierung während Spinnen und Wärmebehandlung.

Die Vorläuferlösung wird nassgesponnen, anschließend unter Zug wärmebehandelt und carbonisiert. Die Forschenden berichten, dass die so erzeugte erneuerbare Carbonfaser Qualitätsanforderungen für Automobilanwendungen erreichen kann. Als weitere Einsatzfelder werden Luftfahrt, Energieinfrastruktur, Sportgeräte und Windkraft genannt.

Intertextile Apparel meldet mehr als 100.000 Besucher

Mehr als 3.500 Aussteller aus 30 Ländern und Regionen und über 100.000 Besucher: Mit diesen Zahlen bilanziert Messe Frankfurt die Autumn Edition der Intertextile Shanghai Apparel Fabrics 2026. Die Messe belegte 240.000 Quadratmeter im National Exhibition and Convention Center in Shanghai.

Das Angebot war entlang der Themen Fashion Forward, Performance Textiles, Sustainability und Textile Future strukturiert. Neben klassischen Bekleidungsstoffen standen funktionale Materialien, nachhaltigere Lösungen und digitale Werkzeuge im Mittelpunkt.

Die Messegesellschaft berichtet von einer starken internationalen Beteiligung und einem hohen Bedarf an direkt einsetzbaren Lösungen. Für die Beschaffung bedeutet dies, dass Design, Funktion, Nachhaltigkeitsanforderungen und Prozesseffizienz zunehmend gemeinsam bewertet werden.

Die nächste Entwicklungsetappe wird sich daran messen lassen, welche der auf den Messen gezeigten Material- und Prozessinnovationen in kommerzielle Kollektionen und größere Beschaffungsvolumina überführt werden.

Wenn das Gestrick selbst zum Roboter wird

Vanessa Sanchez von der Rice University entwickelt gestrickte Textilien, bei denen Sensorik, Bewegung und mechanisches Verhalten nicht nachträglich ergänzt, sondern direkt in die textile Struktur programmiert werden. Für das Projekt „Programmable 3D-Knitted Soft Robotic Textiles for Human-Centered Mobility“ erhielt die Maschinenbauingenieurin ein Toyota Programmable System Innovation Fellowship. 

Als mögliche Anwendungen nennt Rice University Autositze, die sich an die sitzende Person anpassen, Kleidung mit unterstützender Wirkung beim Gehen und weiche Sicherheitssysteme, die auf bevorstehende Belastungen reagieren können.

Die Forschung baut auf industriellen Strickverfahren auf. Unterschiedliche Maschengeometrien, Garnmaterialien und lokale Struktureigenschaften sollen Funktionen erzeugen, für die in klassischen Soft-Robotics-Systemen separate Aktoren, Sensoren oder starre Bauteile benötigt werden. Dadurch können textile Systeme weich und körpernah bleiben.

Ravel holt 8,2 Millionen Dollar für Mischgewebe-Recycling

Das US-Unternehmen Ravel hat eine überzeichnete Seed-Finanzierungsrunde über 8,2 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von One Small Planet; beteiligt sind unter anderem AP Ventures, Overlay Capital, Lichen Ventures sowie bestehende Investoren. Das Kapital soll den Übergang von der Pilotanlage in Seattle in Richtung kommerzieller Produktionsreife beschleunigen.

Im Zentrum steht Ravels „Purification Recycling“-Verfahren für textile Mischungen. Elastan ist in Sportbekleidung, Denim, Unterwäsche und zahlreichen Stretchartikeln weit verbreitet, erschwert jedoch etablierte Recyclingrouten bereits bei vergleichsweise kleinen Anteilen. Ravel setzt deshalb nicht auf eine vollständige Auflösung des Textils, sondern auf eine gezielte Trennung und Aufbereitung problematischer Komponenten.

Tyvek bekommt biozirkuläre Zuordnung

DuPont führt Tyvek mit „Renewable Attribution“ weltweit für Consumer- und Industrieanwendungen ein. Das Material bleibt technisch Tyvek, die Rohstoffbilanz verändert sich jedoch: Je nach Variante werden 30 bis 100 Prozent erneuerbare Zuordnung mit ISCC-PLUS-zertifizierten biozirkulären Ausgangsstoffen verknüpft.

Der Ansatz basiert auf Massenbilanz. Biozirkuläre Rohstoffe aus Abfällen und Reststoffen der zweiten Generation werden in die vorgelagerte Lieferkette eingebracht und bilanziell den gekauften HDPE-Mengen zugeordnet. DuPont nennt für eine 30-prozentige Renewable Attribution eine Verringerung des Product Carbon Footprint um rund 30 Prozent gegenüber Standard-Tyvek, einschließlich CO2-Aufnahme und auf Basis peer-reviewter, ISO-konformer LCA-Daten.

Für bestehende Anwender ist die Drop-in-Logik zentral. Spezifikation und Gebrauchseigenschaften sollen unverändert bleiben, sodass keine erneute Produktqualifizierung erforderlich ist. Das betrifft unter anderem aktive Verpackungen, Tags und Labels, Startnummern, Armbänder sowie industrielle Verpackungen und Schutzlösungen.

WHZ tritt Kompetenzzentrum für Luft- und Raumfahrttechnik bei

Die Westsächsische Hochschule Zwickau (WHZ) ist neues Mitglied im Kompetenzzentrum für Luft- und Raumfahrttechnik Sachsen/Thüringen (LRT). Die Hochschule will das Netzwerk nutzen, um neue Forschungsprojekte zu akquirieren und Entwicklungen schneller in den Markt zu überführen.  

Weniger Druckluft beim Texturieren

Heberlein Technology baut sein Geschäft mit Luftverwirbelungs- und Texturierdüsen für synthetische Filamentgarne in China aus. Im Fokus stehen die APh- und APe-Serien für DTY-Anwendungen und insbesondere Air Covering. Nach Angaben des Unternehmens sollen die Düsen die Druckluftkosten senken, ohne die Garnqualität zu beeinträchtigen.

Druckluft ist in Filamentprozessen ein relevanter Kosten- und Energieposten. Heberlein beziffert für Investitionen in die neue Advanced-Performance-Generation eine mögliche Amortisationszeit von rund 18 Monaten, abhängig von der jeweiligen Anlage und Nutzung. Solche Angaben sollten im konkreten Kundenfall überprüft werden.

Parallel hat das Schweizer Unternehmen in Shengze City einen Service-Hub eingerichtet. Mobile Luftversorgung, Ultraschallreinigung, Durchflussmessung und Spleißtechnik sollen Versuche, Wartung und Fehlerbehebung näher an chinesische Produktionsstandorte bringen.

CiCLO zieht tiefer in Bettwaren ein

Intrinsic Advanced Materials erweitert CiCLO in Home- und Hospitality-Textilien. ADVANSA integriert die Technologie in Suprelle-Faserfüllungen für Kissen, Bettdecken und weitere Bettwaren. Parallel untersucht HeiQ Kombinationen mit funktionalen Technologien für Kühlung, Feuchtigkeitsmanagement, Frische, schnelleres Trocknen und Allergenreduktion.

CiCLO wird während der Herstellung in Polyester- oder Nylonfasern eingebracht. Die Technologie soll die Persistenz freigesetzter synthetischer Mikrofasern reduzieren, wenn diese in feuchte, mikrobiell aktive Umgebungen gelangen. Der Anbieter verweist auf Prüfungen durch unabhängige Labore nach ASTM- und ISO-Methoden.

Interessant ist die zunehmende kommerzielle Tiefe: Aus einer Materialtechnologie wird ein Baustein etablierter Füllstoff- und Funktionssysteme. Gerade für Bettwaren und Hospitality ist dabei entscheidend, dass Komfort- und Gebrauchseigenschaften nicht hinter der Umweltargumentation zurücktreten.

Funktionsfasern für den Arbeitsalltag

The LYCRA Company stellt ihr Portfolio „FIBERS THAT WORK“ erstmals in Nordamerika vor. Die Lösungen richten sich an Workwear, Uniformen und Schutzbekleidung und kombinieren Stretch, Feuchtigkeitsmanagement, thermischen Komfort, Sichtbarkeit, antistatische Eigenschaften und Beständigkeit gegen industrielle Pflegeprozesse.

Zu den gezeigten Technologien gehören LYCRA ANTISTATIC sowie LYCRA T400- und COOLMAX/THERMOLITE-Lösungen. Entscheidend ist der Systemgedanke: Schutzbekleidung wird nicht allein über Normerfüllung betrachtet, sondern über das Zusammenspiel von Sicherheit, Bewegungsfreiheit, Klimakomfort und Lebensdauer.

Für Hersteller von Berufs- und Schutzkleidung ist diese Entwicklung relevant, weil Tragekomfort unmittelbar beeinflusst, ob Schutzkleidung im Arbeitsalltag korrekt und dauerhaft getragen wird. Gleichzeitig steigen Anforderungen an Waschbeständigkeit und Ressourcenverbrauch über die Nutzungsdauer.

Spinnenseide sucht den Maßstab

Kraig Biocraft Laboratories rückt seine rekombinante Spinnenseide gezielt in den Kontext von Mode und Performance-Textilien. Das Unternehmen nutzt gentechnisch veränderte Seidenraupen, die Spinnenseidenproteine direkt in der Seidenfaser erzeugen. Anders als Verfahren, bei denen Proteine zunächst fermentativ hergestellt und anschließend zu Fasern verarbeitet werden, soll damit vorhandene Infrastruktur der Seidenindustrie genutzt werden können.

Für die textile Industrie ist vor allem die Skalierungsfrage relevant. Kraig Labs verweist auf rund 3,2 Tonnen rekombinante Spinnenseidenkokons aus einem einzelnen Produktionszyklus. Damit verschiebt sich die Diskussion von Laborproben hin zu reproduzierbarer Produktion in industriell interessanter Größenordnung. Als mögliche Einsatzfelder nennt das Unternehmen Luxus- und Modetextilien, Performance Apparel sowie Schutzmaterialien.

Business

Normen & Standards

Fraunhofer: Positionspapier Normen & Standards

Agieren deutsche Unternehmen zu zögerlich, wenn es darum geht, sich an Prozessen zur Standardisierung und Normung innovativer Technologien zu beteiligen?
 
Mehr zum Positionspapier in unserem Newsbereich.

Studie - Lieferkettengesetz

HypoVereinsbank: Wettbewerbsnachteile durch Lieferkettengesetz

Fast drei Viertel der Befragten (70%) befürchtet, dass die Überwachung der gesamten Lieferkette den Mittelstand – insbesondere kleine Unternehmen – überfordern könnte.

Infos zum Download der Studie in unserem Newsbereich.

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