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ITVP: 25 Jahre Transfer von textiler Medizintechnik in die Produktion
Die ITV Denkendorf Produktservice GmbH (ITVP) blickt auf 25 Jahre industrielle Medizintechnik zurück. Die Tochtergesellschaft der Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung Denkendorf wurde am 1. Oktober 2001 gegründet, nachdem Entwicklungs- und Produktionsaufträge aus der damaligen DITF-Abteilung Biomedizintechnik den Rahmen eines Forschungsinstituts zunehmend überschritten hatten.
Heute beschäftigt die ITVP 40 Mitarbeitende und produziert auf rund 1.200 Quadratmetern Reinraumfläche. Das Spektrum reicht von resorbierbaren Polymeren über mono- und multifile Garne bis zu textilen Implantatstrukturen. Dazu zählen Herniennetze, resorbierbare chirurgische Netze und Bänder sowie gewirkte und gewebte Gefäßprothesen.
Bemerkenswert ist die vertikale Tiefe der Entwicklung: Nach Angaben der DITF reichen die Arbeiten von der molekularen Ebene bis zu nahezu fertigen Medizinprodukten, die vom Kunden nach Verpackung, Sterilisation und Zulassung in Verkehr gebracht werden können. Die ITVP fertigt dabei überwiegend für Medizinproduktehersteller, unter deren Namen die Produkte zugelassen werden.
Smart Textiles lernen den Tastsinn
Am Wearable Intelligence Lab der University of Washington werden textile Strukturen zu taktilen Sensorsystemen für Medizin, Robotik und Mensch-Maschine-Interaktion weiterentwickelt. Im Mittelpunkt der aktuellen Universitätsmeldung steht die Arbeit von Yiyue Luo, die digitale Fertigung, leitfähige Garne, Sensorik und KI verbindet.
Ein Beispiel ist MultiSensKnit, ein mit Sensoren ausgestatteter gestrickter Ärmel zur Rehabilitationsbewertung. Weitere Projekte reichen von smarten Handschuhen für taktile Erfassung und robotisches Lernen bis zu maschinengestrickten magnetoaktiven Textilien mit Sensor- und Haptikfunktion.
Der textile Formfaktor ist dabei funktional und nicht dekorativ: Gestricke können großflächig körpernah getragen werden, sich an Bewegungen anpassen und Informationen dort erfassen, wo Kameras oder klassische starre Elektronik an Grenzen stoßen. Luo nutzt digitale Strickmaschinen, um leitfähige Garne und funktionale Strukturen reproduzierbar in Textilien zu integrieren.
Blade2Poly recycelt Rotorblätter für Spritzguss
Die HTWK Leipzig entwickelt im Projekt Blade2Poly gemeinsam mit KomRec-ReCond und Schmaus Kunststoffaufbereitung eine Prozesskette für ausgediente Windkraft-Rotorblätter. Ziel ist, glasfaserverstärkte Kunststoffe energieeffizient aufzubereiten und als hochwertige Sekundärrohstoffe für neue Spritzgussanwendungen nutzbar zu machen.
Der Ansatz beginnt bei Materialcharakterisierung und Kategorisierung. Darauf folgen mechanische Aufbereitung, intelligente Stoffstromsteuerung und die Weiterverarbeitung der zurückgewonnenen Glasfasern mit Recyclingkunststoffen zu Post-Consumer-Rezyklaten.
Gerade Rotorblätter sind für die Kreislaufwirtschaft anspruchsvoll, weil große, langlebige Verbundbauteile nach Ende ihrer Nutzungsdauer in heterogene Materialströme überführt werden müssen. Blade2Poly adressiert deshalb nicht nur die Zerkleinerung, sondern die Qualität des zurückgewonnenen Materials und dessen Anschlussfähigkeit an einen neuen industriellen Prozess.
Das ZIM-geförderte Verbundprojekt läuft von Juni 2026 bis Januar 2029
Lignin senkt PAN-Anteil in Carbonfasern
Forschende der Washington University in St. Louis haben einen Ansatz entwickelt, bei dem Lignin einen erheblichen Teil des üblicherweise eingesetzten Polyacrylnitrils (PAN) in Carbonfasern ersetzt. Lignin fällt in großen Mengen als Nebenprodukt der Zellstoff- und Bioraffinerieindustrie an. Nach Angaben der Universität lässt sich der PAN-Anteil damit halbieren; zugleich werden geringere Produktionskosten und Emissionen erwartet.
Die eigentliche technische Hürde liegt in der mechanischen Leistungsfähigkeit. Das Team funktionalisiert einwandige Kohlenstoffnanoröhren und bringt sie in die Lignin-PAN-Matrix ein. Die Nanoröhren wirken als nanoskalige Verstärkung und unterstützen eine stärkere kristalline Orientierung während Spinnen und Wärmebehandlung.
Die Vorläuferlösung wird nassgesponnen, anschließend unter Zug wärmebehandelt und carbonisiert. Die Forschenden berichten, dass die so erzeugte erneuerbare Carbonfaser Qualitätsanforderungen für Automobilanwendungen erreichen kann. Als weitere Einsatzfelder werden Luftfahrt, Energieinfrastruktur, Sportgeräte und Windkraft genannt.
Raspberry AI verbindet Modeprozesse mit KI-Agenten
Raspberry AI erweitert seine Plattform von der Designunterstützung zu einem agentischen Workflow, der Design, Merchandising, Wholesale, Marketing und E-Commerce verbinden soll. Zu den vom Unternehmen genannten Nutzern gehören unter anderem SKIMS, ALO, Beyond Yoga, Walmart, Steve Madden und Oscar de la Renta.
Die Plattform soll Informationen und Aufgaben über mehrere Funktionsbereiche hinweg weiterreichen, statt einzelne KI-Werkzeuge isoliert einzusetzen. Damit verschiebt sich der Einsatz generativer KI von der Bild- und Ideenproduktion in Richtung Prozesssteuerung.
Für Modeunternehmen betrifft das insbesondere Übergaben zwischen Kollektionserstellung, Sortimentsplanung, Vertriebsmaterial und digitalem Handel. Datenkonsistenz und die Kontrolle automatisierter Entscheidungen werden dadurch zu zentralen Implementierungsfragen.
Raspberry AI positioniert die Erweiterung als durchgängigen Weg vom ersten Konzept bis zum kommerziellen Einsatz. Entscheidend für die Praxis wird sein, wie gut sich die Agenten in vorhandene PLM-, ERP-, Commerce- und Freigabeprozesse integrieren lassen.
Kind + Jugend zieht 15.000 Fachbesucher an
Rund 15.000 Fachbesuchende aus 114 Ländern kamen nach Angaben der Koelnmesse zur Kind + Jugend 2026. Auf Ausstellerseite lag der internationale Anteil bei 92 Prozent.
Das Leitthema „Growing with AI“ prägte Produktpräsentationen und Fachprogramm. Für textile Anbieter umfasst das Umfeld unter anderem Baby- und Kleinkindtextilien, Schlafprodukte, Ausstattung und angrenzende Sortimente.
Die hohe Internationalisierung bleibt ein wesentliches Merkmal der Kölner Veranstaltung. Ordergeschäft und Gespräche zwischen Herstellern, Marken und Handel standen während der drei Messetage im Mittelpunkt.
Vom Labor an den Webstuhl
Die UK Fashion & Textile Association richtet einen Teil ihrer Weaving Conference 2026 gezielt auf den Transfer von Forschung in die industrielle Weberei aus. Die Session „From Labs to Looms“ bringt Fachleute des Manufacturing Technology Centre, des National Manufacturing Institute Scotland und des Advanced Manufacturing Research Centre mit Herstellern zusammen.
Im Mittelpunkt stehen nicht einzelne Laborergebnisse, sondern die Schritte zwischen Forschung und industrieller Nutzung: Versuche, Investitionsentscheidungen, Zusammenarbeit und die Qualifikation der Beschäftigten. Die Konferenz adressiert damit eine praktische Hürde vieler mittelständischer Textilunternehmen, die Zugang zu Forschungsinfrastruktur und neuen Fertigungsmethoden benötigen, ohne eigene große F&E-Abteilungen aufzubauen.
UKFT verknüpft die technische Diskussion mit dem Thema Skills. Neue Webtechnologien werden erst produktiv, wenn Unternehmen Verfahren sicher bewerten, einführen und im laufenden Betrieb beherrschen können.
Intertextile Apparel meldet mehr als 100.000 Besucher
Mehr als 3.500 Aussteller aus 30 Ländern und Regionen und über 100.000 Besucher: Mit diesen Zahlen bilanziert Messe Frankfurt die Autumn Edition der Intertextile Shanghai Apparel Fabrics 2026. Die Messe belegte 240.000 Quadratmeter im National Exhibition and Convention Center in Shanghai.
Das Angebot war entlang der Themen Fashion Forward, Performance Textiles, Sustainability und Textile Future strukturiert. Neben klassischen Bekleidungsstoffen standen funktionale Materialien, nachhaltigere Lösungen und digitale Werkzeuge im Mittelpunkt.
Die Messegesellschaft berichtet von einer starken internationalen Beteiligung und einem hohen Bedarf an direkt einsetzbaren Lösungen. Für die Beschaffung bedeutet dies, dass Design, Funktion, Nachhaltigkeitsanforderungen und Prozesseffizienz zunehmend gemeinsam bewertet werden.
Die nächste Entwicklungsetappe wird sich daran messen lassen, welche der auf den Messen gezeigten Material- und Prozessinnovationen in kommerzielle Kollektionen und größere Beschaffungsvolumina überführt werden.
Wenn das Gestrick selbst zum Roboter wird
Vanessa Sanchez von der Rice University entwickelt gestrickte Textilien, bei denen Sensorik, Bewegung und mechanisches Verhalten nicht nachträglich ergänzt, sondern direkt in die textile Struktur programmiert werden. Für das Projekt „Programmable 3D-Knitted Soft Robotic Textiles for Human-Centered Mobility“ erhielt die Maschinenbauingenieurin ein Toyota Programmable System Innovation Fellowship.
Als mögliche Anwendungen nennt Rice University Autositze, die sich an die sitzende Person anpassen, Kleidung mit unterstützender Wirkung beim Gehen und weiche Sicherheitssysteme, die auf bevorstehende Belastungen reagieren können.
Die Forschung baut auf industriellen Strickverfahren auf. Unterschiedliche Maschengeometrien, Garnmaterialien und lokale Struktureigenschaften sollen Funktionen erzeugen, für die in klassischen Soft-Robotics-Systemen separate Aktoren, Sensoren oder starre Bauteile benötigt werden. Dadurch können textile Systeme weich und körpernah bleiben.
Ravel holt 8,2 Millionen Dollar für Mischgewebe-Recycling
Das US-Unternehmen Ravel hat eine überzeichnete Seed-Finanzierungsrunde über 8,2 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von One Small Planet; beteiligt sind unter anderem AP Ventures, Overlay Capital, Lichen Ventures sowie bestehende Investoren. Das Kapital soll den Übergang von der Pilotanlage in Seattle in Richtung kommerzieller Produktionsreife beschleunigen.
Im Zentrum steht Ravels „Purification Recycling“-Verfahren für textile Mischungen. Elastan ist in Sportbekleidung, Denim, Unterwäsche und zahlreichen Stretchartikeln weit verbreitet, erschwert jedoch etablierte Recyclingrouten bereits bei vergleichsweise kleinen Anteilen. Ravel setzt deshalb nicht auf eine vollständige Auflösung des Textils, sondern auf eine gezielte Trennung und Aufbereitung problematischer Komponenten.
Business
Normen & Standards
Fraunhofer: Positionspapier Normen & Standards
Studie - Lieferkettengesetz
HypoVereinsbank: Wettbewerbsnachteile durch Lieferkettengesetz
Fast drei Viertel der Befragten (70%) befürchtet, dass die Überwachung der gesamten Lieferkette den Mittelstand – insbesondere kleine Unternehmen – überfordern könnte.
Infos zum Download der Studie in unserem Newsbereich.
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