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Unternehmen und Märkte
Fraunhofer IAP macht PET-Alttextilien zum Rohstoff für neue Biopolymere
Das Fraunhofer IAP zeigt zur Fakuma 2026 verschiedene Wege, Kunststoff- und Textilströme stärker zirkulär zu nutzen.
Ein textilnaher Ansatz setzt bei PET-haltigen Alttextilien an: Sie dienen als Ausgangsmaterial für die Herstellung des Biopolymers Polyhydroxybutyrat (PHB).
Damit wird ein schwer verwertbarer Abfallstrom in eine neue Rohstoffbasis überführt.
Parallel arbeitet das Institut an der Rückgewinnung von Terephthalsäure aus PET, aus der erneut Polymere für Flaschen, Fasern und Folien entstehen können. Neue Typen des Biokunststoffs Polybutylensuccinat (PBS) wurden gemeinsam mit Industriepartnern im Pilotmaßstab entwickelt.
Sie lassen sich unter anderem extrudieren und verspinnen und kommen damit auch für textile Anwendungen infrage.
Ein weiteres Thema ist recyclinggerechte Materialgestaltung.
Beim selbstverstärkten sc-PLA bestehen Matrix und Verstärkung aus demselben Polymer, wodurch spätere Trennschritte entfallen.
Ergänzend zeigt das IAP biobasierte Carbonfasern aus erneuerbaren Rohstoffen wie Cellulose oder Lignin für Leichtbau-, Energie- und weitere technische Anwendungen.
ITVP: 25 Jahre Transfer von textiler Medizintechnik in die Produktion
Die ITV Denkendorf Produktservice GmbH (ITVP) blickt auf 25 Jahre industrielle Medizintechnik zurück. Die Tochtergesellschaft der Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung Denkendorf wurde am 1. Oktober 2001 gegründet, nachdem Entwicklungs- und Produktionsaufträge aus der damaligen DITF-Abteilung Biomedizintechnik den Rahmen eines Forschungsinstituts zunehmend überschritten hatten.
Heute beschäftigt die ITVP 40 Mitarbeitende und produziert auf rund 1.200 Quadratmetern Reinraumfläche. Das Spektrum reicht von resorbierbaren Polymeren über mono- und multifile Garne bis zu textilen Implantatstrukturen. Dazu zählen Herniennetze, resorbierbare chirurgische Netze und Bänder sowie gewirkte und gewebte Gefäßprothesen.
Bemerkenswert ist die vertikale Tiefe der Entwicklung: Nach Angaben der DITF reichen die Arbeiten von der molekularen Ebene bis zu nahezu fertigen Medizinprodukten, die vom Kunden nach Verpackung, Sterilisation und Zulassung in Verkehr gebracht werden können. Die ITVP fertigt dabei überwiegend für Medizinproduktehersteller, unter deren Namen die Produkte zugelassen werden.
EmpCo: Last-Minute-Nachbesserung schafft keine echte Übergangsfrist
Südwesttextil kritisiert die kurzfristige Änderung des UWG unmittelbar vor Anwendungsbeginn der neuen Vorgaben für Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen. Die beschlossene Verhältnismäßigkeitsprüfung für bereits in Verkehr gebrachte Waren ist ein wichtiges Signal, ersetzt jedoch keine verlässliche Übergangsregelung.
Nur zwei Tage vor dem verbindlichen Anwendungsbeginn der neuen Vorgaben zur Umsetzung der „Empowering Consumers for the Green Transition“-Richtlinie (EmpCo) hatte der Deutsche Bundestag eine ergänzende Regelung für bereits in Verkehr gebrachte Waren beschlossen. Südwesttextil begrüßt, dass die besonderen Herausforderungen bei Altbeständen damit grundsätzlich anerkannt werden. Für die Unternehmen kommt die Nachbesserung jedoch zu spät und schafft keine tatsächliche Übergangsfrist.
Seit dem 27. September 2026 gelten deutlich strengere Anforderungen an Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen. Unternehmen der Textil- und Bekleidungsindustrie müssen unter anderem Claims auf Produkten, Verpackungen und Hangtags sowie in Online-Shops und weiteren Marketingmaterialien an die neuen Vorgaben anpassen.
Patricia Urquiola im Trend Space: Neue Design-Elemente für die Heimtextil 2027
Die Heimtextil Trends 27/28, kuratiert von Alcova, können im Trend Space auf der Heimtextil erlebt werden. In diesem Rahmen geht die Zusammenarbeit der Heimtextil mit Patricia Urquiola 2027 ins dritte Jahr. Im Trend Space präsentiert die Architektin und Designerin drei Skulpturen: Neben dem bekannten Element „Bambi“ entwickelt Urquiola zwei neue Stücke speziell für die Heimtextil. Damit präsentiert sie ihre eigene Interpretation des Trendthemas „The Performance of Everyday Living“.
2027 kommen zwei langjährige Designpartnerschaften der Heimtextil zusammen: Alcova kuratiert die Heimtextil Trends 27/28 „Home-Maxxing – The Performance of Everyday Living“. Zugleich baut Patricia Urquiola ihr Konzept der Skulptur „Bambi“ im Rahmen des Trend Spaces aus. Damit bringt sie ihre eigene Material- und Designsprache ein. Seit drei Jahren entwickeln sich beide Partnerschaften mit jeder Ausgabe der Heimtextil weiter. 2027 kommen sie erstmals direkt im Trend Space zusammen.
Heimtextil: Therapeutische Muster und Mythologie als Designquelle
Noch mehr junges Design und kreative Ideen: Zur kommenden Heimtextil geht die New Talent Area gestärkt in ihre zweite Auflage. Vom 12. bis 15. Januar 2027 begrüßt das kuratierte Areal mehr als 30 Teilnehmer*innen, von denen sich viele erstmals auf internationaler Bühne präsentieren. In Frankfurt zeigen sie aufregende textile Designs, überraschende Materialien und marktreife Produkte.
Hexcel beschleunigt Composite-Fertigung
Hexcel bringt zur CAMX 2026 mehrere Entwicklungen zusammen, die weniger auf spektakuläre Einzelbauteile als auf schnellere Industrialisierung von Composite-Strukturen zielen. Dazu gehört die NCAMP-Qualifizierung des HexWeb HRH-10 Aerospace-Wabenkerns. Nach Unternehmensangaben entsteht damit die erste öffentlich verfügbare NCAMP-Datenbasis für Wabenkernmaterialien in der Luftfahrt.
Solche qualifizierten Datensätze können Entwicklungs- und Freigabeaufwand reduzieren, weil Konstrukteure auf standardisierte Materialkennwerte zurückgreifen können. HRH-10 dient als Basismaterial für den Aufbau eines gemeinsamen Qualifizierungsrahmens.
Parallel erweitert Hexcel die US-Produktion des schnellhärtenden Prepreg-Systems HexPly M901. Genannt werden Aushärtezyklen von vier bis fünf Minuten und Anwendungen von unbemannten Systemen über Automotive und Medizintechnik bis zu industriellen Composites.
Eine weitere Neuheit ist ein weiterentwickelter HexWeb Vented Flex-Core Aluminiumwabenkern für stark konturierte Strukturen. Hohe Formbarkeit und integrierte Entlüftung sollen insbesondere Fertigungsprozesse für anspruchsvolle Aerospace-Geometrien vereinfachen.
Smart Textiles lernen den Tastsinn
Am Wearable Intelligence Lab der University of Washington werden textile Strukturen zu taktilen Sensorsystemen für Medizin, Robotik und Mensch-Maschine-Interaktion weiterentwickelt. Im Mittelpunkt der aktuellen Universitätsmeldung steht die Arbeit von Yiyue Luo, die digitale Fertigung, leitfähige Garne, Sensorik und KI verbindet.
Ein Beispiel ist MultiSensKnit, ein mit Sensoren ausgestatteter gestrickter Ärmel zur Rehabilitationsbewertung. Weitere Projekte reichen von smarten Handschuhen für taktile Erfassung und robotisches Lernen bis zu maschinengestrickten magnetoaktiven Textilien mit Sensor- und Haptikfunktion.
Der textile Formfaktor ist dabei funktional und nicht dekorativ: Gestricke können großflächig körpernah getragen werden, sich an Bewegungen anpassen und Informationen dort erfassen, wo Kameras oder klassische starre Elektronik an Grenzen stoßen. Luo nutzt digitale Strickmaschinen, um leitfähige Garne und funktionale Strukturen reproduzierbar in Textilien zu integrieren.
Blade2Poly recycelt Rotorblätter für Spritzguss
Die HTWK Leipzig entwickelt im Projekt Blade2Poly gemeinsam mit KomRec-ReCond und Schmaus Kunststoffaufbereitung eine Prozesskette für ausgediente Windkraft-Rotorblätter. Ziel ist, glasfaserverstärkte Kunststoffe energieeffizient aufzubereiten und als hochwertige Sekundärrohstoffe für neue Spritzgussanwendungen nutzbar zu machen.
Der Ansatz beginnt bei Materialcharakterisierung und Kategorisierung. Darauf folgen mechanische Aufbereitung, intelligente Stoffstromsteuerung und die Weiterverarbeitung der zurückgewonnenen Glasfasern mit Recyclingkunststoffen zu Post-Consumer-Rezyklaten.
Gerade Rotorblätter sind für die Kreislaufwirtschaft anspruchsvoll, weil große, langlebige Verbundbauteile nach Ende ihrer Nutzungsdauer in heterogene Materialströme überführt werden müssen. Blade2Poly adressiert deshalb nicht nur die Zerkleinerung, sondern die Qualität des zurückgewonnenen Materials und dessen Anschlussfähigkeit an einen neuen industriellen Prozess.
Das ZIM-geförderte Verbundprojekt läuft von Juni 2026 bis Januar 2029
Lignin senkt PAN-Anteil in Carbonfasern
Forschende der Washington University in St. Louis haben einen Ansatz entwickelt, bei dem Lignin einen erheblichen Teil des üblicherweise eingesetzten Polyacrylnitrils (PAN) in Carbonfasern ersetzt. Lignin fällt in großen Mengen als Nebenprodukt der Zellstoff- und Bioraffinerieindustrie an. Nach Angaben der Universität lässt sich der PAN-Anteil damit halbieren; zugleich werden geringere Produktionskosten und Emissionen erwartet.
Die eigentliche technische Hürde liegt in der mechanischen Leistungsfähigkeit. Das Team funktionalisiert einwandige Kohlenstoffnanoröhren und bringt sie in die Lignin-PAN-Matrix ein. Die Nanoröhren wirken als nanoskalige Verstärkung und unterstützen eine stärkere kristalline Orientierung während Spinnen und Wärmebehandlung.
Die Vorläuferlösung wird nassgesponnen, anschließend unter Zug wärmebehandelt und carbonisiert. Die Forschenden berichten, dass die so erzeugte erneuerbare Carbonfaser Qualitätsanforderungen für Automobilanwendungen erreichen kann. Als weitere Einsatzfelder werden Luftfahrt, Energieinfrastruktur, Sportgeräte und Windkraft genannt.
Betriebliche Mitbestimmung modernisieren: Klare Regeln für schnellere Entscheidungen
In der aktuellen Debatte um eine Reform des Betriebsverfassungsgesetzes bekräftigt Südwesttextil seine Forderungen nach einer Modernisierung der betrieblichen Mitbestimmung. Verfahren müssen beschleunigt und die Handlungsfähigkeit von Unternehmen sichergestellt werden.
Die betriebliche Mitbestimmung muss mit den Veränderungen von Arbeitswelt und Technologie Schritt halten. Den notwendigen Reformbedarf hat auch der Koalitionsausschuss von Union und SPD erkannt: In seinem „Programm für Aufschwung und Beschäftigung“ vom 2. Juli 2026 kündigt er an, die Einführung von Software, Updates und technischen Einrichtungen im Zusammenhang mit der Implementierung von KI zu vereinfachen und zu beschleunigen. Die Sozialpartner sollen Vorschläge erarbeiten, wie die Zusammenarbeit dafür auch durch Regelungen im Betriebsverfassungsrecht erleichtert werden kann.
Business
Normen & Standards
Fraunhofer: Positionspapier Normen & Standards
Studie - Lieferkettengesetz
HypoVereinsbank: Wettbewerbsnachteile durch Lieferkettengesetz
Fast drei Viertel der Befragten (70%) befürchtet, dass die Überwachung der gesamten Lieferkette den Mittelstand – insbesondere kleine Unternehmen – überfordern könnte.
Infos zum Download der Studie in unserem Newsbereich.
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