Groz-Beckert reduziert am Stammsitz weitere 120 Stellen
Der Textilmaschinen- und Präzisionswerkzeugspezialist Groz-Beckert plant, am Standort Albstadt bis Ende 2027 insgesamt 120 Stellen abzubauen. Das Unternehmen begründet die Entscheidung mit einer seit mehreren Jahren schwachen Nachfrage im Kerngeschäft Textile Werkzeuge. Die Geschäftsführung informierte die Belegschaft am 15. Oktober im Rahmen einer Betriebsversammlung. Die Umsetzung soll schrittweise im Laufe des Jahres 2027 erfolgen und nach Unternehmensangaben sozialverträglich gestaltet werden.
Betroffen ist ein Geschäftsbereich, dessen Produkte für das Stricken und Wirken, Weben, die Vliesstoffherstellung, das Tuften, Nähen und Spinnen benötigt werden. Damit steht die Anpassung nicht isoliert für die Lage eines einzelnen Zulieferers, sondern berührt mehrere Fertigungsstufen der internationalen Textilindustrie. Groz-Beckert beschreibt den Bedarf an textilen Werkzeugen als dauerhaft unter dem früheren Niveau. Eine kurzfristige Markterholung sei derzeit nicht absehbar.
Als wesentliche Belastungsfaktoren nennt das Unternehmen hohe weltweite Produktionsüberkapazitäten, starken Preis- und Wettbewerbsdruck sowie eine anhaltend niedrige Investitionsbereitschaft. Hinzu kommen geopolitische Spannungen und Unsicherheiten im internationalen Handel. Nach Einschätzung von Groz-Beckert gewinnt China sowohl bei der Herstellung textiler Flächen als auch im Textilmaschinenbau weiter an Gewicht. Produktions- und Investitionsschwerpunkte verschieben sich damit zunehmend in kostengünstigere Regionen.
Die angekündigten Maßnahmen sollen Produktionskapazitäten und technische Organisationsstrukturen am tatsächlichen Bedarf ausrichten. Die Mitteilung beziffert den geplanten Personalabbau, enthält jedoch keine Aufteilung nach Abteilungen oder Berufsgruppen. Auch zu den finanziellen Effekten der Anpassung macht das Unternehmen keine konkreten Angaben. Die 120 Stellen sind daher als angekündigter Abbau bis Ende 2027 zu verstehen, nicht als bereits vollzogene Entlassungen.
Groz-Beckert ist Teil einer Unternehmensgruppe mit den Geschäftsfeldern textile Präzisionswerkzeuge, industrielle Schneidlösungen und textile Bewehrungen. Für 2025 nennt der Konzern einen Umsatz von 799 Millionen Euro und weltweit rund 8.800 Beschäftigte. Für Hersteller textiler Flächen und Maschinenbauer ist die Entwicklung ein weiteres Signal, Investitionsplanungen, regionale Beschaffungsstrukturen und technologische Differenzierung unter veränderten Wettbewerbsbedingungen zu bewerten.
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