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Südwesttextil fordert Umdenken bei Vergaberecht José Alfredo Velázquez, Pixabay
27.03.2026

Südwesttextil fordert Umdenken bei Vergaberecht

Für die Zukunft europäischer Hochleistungstextilien fordert Südwesttextil, dass Merkmale wie die Langlebigkeit oder der Produktionsstandort bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen berücksichtigt werden. 

In öffentlichen Ausschreibungsverfahren wird z. B. hochfunktionale Berufsbekleidung für Polizei, Bundeswehr, Feuerwehr oder Krankenhäuser beschafft. Das Ergebnis der bisherigen überwiegend kostenbezogenen Ausschreibungspraxis führt zu einem weiteren industriepolitisch bedenklichen Abbau von Produktionskapazitäten in Europa, verbunden mit globalen Abhängigkeiten, insbesondere von asiatischen Ländern. 

Für die Zukunft europäischer Hochleistungstextilien fordert Südwesttextil, dass Merkmale wie die Langlebigkeit oder der Produktionsstandort bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen berücksichtigt werden. 

In öffentlichen Ausschreibungsverfahren wird z. B. hochfunktionale Berufsbekleidung für Polizei, Bundeswehr, Feuerwehr oder Krankenhäuser beschafft. Das Ergebnis der bisherigen überwiegend kostenbezogenen Ausschreibungspraxis führt zu einem weiteren industriepolitisch bedenklichen Abbau von Produktionskapazitäten in Europa, verbunden mit globalen Abhängigkeiten, insbesondere von asiatischen Ländern. 

Geht Vergaberechtsreform in die falsche Richtung?
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, fordert Südwesttextil mit seinen Mitgliedsunternehmen ein Umdenken bei der Vergaberechtsreform. Präsident Bodo Th. Bölzle: „Wir begrüßen grundsätzlich die Vereinfachung und Beschleunigung von Prozessen, allerdings darf dies nicht zu Lasten der Überprüfung von Standards und Siegeln führen. Im Gegenteil: Wir fordern insbesondere im Hinblick auf die hohen Investitionssummen in Infrastruktur und Verteidigung, dass die vergaberechtlichen Grundsätze weiterentwickelt werden.“ Dazu zählt aus Perspektive des Verbands, dass europäische Produktion gefördert wird, damit im Fall von globalen Krisen die Versorgung gewährleistet ist. 

Mehr als die Hälfte des Verkaufspreises verbleibt beim Staat 
Dem stehen aktuell standortfeindliche Bedingungen gegenüber. Andreas Merkel, Südwesttextil-Vizepräsident und Geschäftsführer in vierter Generation der Gebr. Otto Baumwollfeinzwirnerei als eine der letzten Spinnereien Europas: „Wir blenden oft aus, dass im Preis eines textilen Produkts neben Material- und Herstellungskosten jede Menge Steuern, Lohn- und Lohnnebenkosten, Sozialabgaben, Netzentgelte für Energie und viele andere Abgaben stecken. Gerade der Staat als Auftraggeber sollte diese Gesamtbetrachtung aber anstellen, wenn er Aufträge vergibt – im Sinne des größten volkswirtschaftlichen Rückflusses.“ 

An einem beispielhaften Textilprodukt illustriert das Positionspapier der Industrie, dass der an den Staat abzuführende Anteil den Betrag übersteigt, der für Material, Herstellung, Transport, Löhne, Handel und Gewinnspanne zur Verfügung steht. In der Konsequenz heißt dies: je mehr Fertigungsstufen in Deutschland vorgenommen werden, desto höher ist die Abgabenlast. In der Folge werden Produktionsschritte vermehrt ins Ausland verlagert. 

Standortnachteil „Made in Germany“?
Gewinner von öffentlichen Ausschreibungen sind mittlerweile regelmäßig Firmen ohne Standort in Deutschland oder Baden-Württemberg. Dies trägt zu einer sehr bedenklichen Entwicklung bei. Rüdiger Reuter, Geschäftsführer der Fuchshuber Techno-Tex GmbH, Hersteller von Hochleistungsgestricken für Schutztextilien in Deutschland,: „Unser Bekenntnis zum Standort, zu regionalen Partnern und zu kompetenten, gut ausgebildeten Fachkräften bringt uns bei textiler Beschaffung im Bereich der Berufsbekleidung für Feuerwehr, Polizei und Bundeswehr massiv ins Hintertreffen. Das ist eine absurde Situation. Es kann nicht zielführend sein, hochwertige, inländische Wertschöpfung zu benachteiligen – schon allein, weil wir damit unsere eigene Versorgungssicherheit und auch unsere Sicherheitsinteressen untergraben.“

Qualitätssicherung und Langlebigkeit bei Vergabeverfahren in den Fokus stellen
Um Kapazitäten nicht nur zu erhalten, sondern zur Reduktion globaler Abhängigkeiten sogar aufzubauen, fordert Südwesttextil insbesondere im Rüstungsbereich Produktionsstandorte in Europa bzw. einem NATO-Staat vorzugeben. Für einen fairen Wettbewerb ist insbesondere die Gesamtbetrachtung der Lebenszykluskosten und Produktmerkmale erforderlich. Dafür gilt es, die Qualitätssicherung durch den technischen Kriterienkatalog zu erweitern, Qualitäts- und Nachhaltigkeitssiegel zu kontrollieren und die Leitfäden von Bund und Ländern um qualitative Anforderungen für die Langlebigkeit zu ergänzen. Denn nur ein hochwertig verarbeitetes Produkt mit belastbaren Materialien behält dauerhaft seine notwendigen Funktionen, bspw. die Waschechtheit einer Warnfarbe. Damit sich auch für kleine und mittelständische Unternehmen der Entwicklungsaufwand lohnt und sie sich auf entsprechende Aufträge einstellen können, fordert Südwesttextil eine Verlängerung der Ausschreibungszyklen.

Quelle:

Verband der Südwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie