IVGT beteiligt sich an EU-Projekt Skills4Circularity
Neue Kompetenzen für Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung
Recycling, Rückverfolgbarkeit, Ökodesign und Digitalisierung zählen zu den zentralen Zukunftsthemen der europäischen Textilindustrie. Welche Kompetenzen dafür benötigt werden, untersucht das Erasmus+-Projekt Skills4Circularity mit 21 Partnern aus zwölf Ländern.
Skills4Circularity ist ein Erasmus+-Projekt mit 21 Partnern aus zwölf Ländern. Ziel ist es, die europäische Textilindustrie durch neue Qualifizierungsangebote auf die Herausforderungen von Kreislaufwirtschaft, Recycling, Rückverfolgbarkeit und Digitalisierung vorzubereiten. Der IVGT beteiligt sich als deutscher Branchenpartner. Das Projekt läuft von November 2025 bis Oktober 2029 und entwickelt unter anderem Trainingsmodule, MOOCs, Masterclasses sowie ein europäisches Textile Skills Observatory.
Ziel des Projekts ist es, Kompetenzlücken zu identifizieren und darauf aufbauend passgenaue Weiterbildungsangebote für die textile Kreislaufwirtschaft zu entwickeln.Grundlage bilden eine europaweite Unternehmensbefragung mit 183 Teilnehmenden aus zwölf Ländern, 22 Experteninterviews sowie die KI-gestützte Analyse von 313 Stellenanzeigen in elf Ländern. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die größten Herausforderungen der Branche liegen weniger in fehlenden Technologien als vielmehr in fehlenden Kompetenzen. Besonders gefragt sind Kenntnisse zu regulatorischen Anforderungen, Kreislaufwirtschaft, Lebenszyklusanalysen (LCA), Datenmanagement und Prozessintegration. Auch Rückverfolgbarkeit, Materialsortierung und nachhaltige Produktionsverfahren zählen zu den wichtigsten Kompetenzfeldern der Branche.
Nachhaltigkeit braucht systemisches Denken
Die Analyse verdeutlicht zudem, dass Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und technologische Innovation zwar unabhängig von der Unternehmensgröße als strategische Ziele anerkannt werden, ihre Umsetzung jedoch häufig schrittweise und isoliert erfolgt. Maßnahmen werden vielfach noch nicht als Teil einer ganzheitlichen Transformationsstrategie betrachtet.
Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Unternehmensgrößen. Große Unternehmen verfügen über umfangreiche technologische und organisatorische Ressourcen, stehen jedoch unter hohem Regulierungs- und Transformationsdruck. Mittelständische Unternehmen treiben vielfach die funktionale und nachhaltige Weiterentwicklung von Textilien voran, werden jedoch häufig durch wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Kundenanforderungen begrenzt. Kleine Unternehmen punkten zwar mit hoher Flexibilität, verfügen jedoch nur über geringere technologische Kapazitäten. Kleinstunternehmen agieren oft als innovative Nischenanbieter, sind dabei aber besonders stark von Kooperationen und stabilen Marktbedingungen abhängig.
Als zentrales Ergebnis der Untersuchungen wurde deutlich, dass die größten Hindernisse für die Umsetzung von Kreislaufwirtschaftskonzepten nicht in einem mangelnden Problembewusstsein liegen. Vielmehr sind Qualifikationsdefizite, eine unzureichende Verknüpfung von Prozessen über den gesamten Produktlebenszyklus, fehlende Datenstandards sowie eine oftmals unzureichende Koordination entlang der Wertschöpfungskette ausschlaggebend. Besonders ausgeprägt ist der Bedarf an Fachwissen, um die zunehmenden EU-Vorgaben und Nachhaltigkeitsanforderungen in die betriebliche Praxis zu übertragen.
Die Untersuchung zeigt zudem, dass Recycling, Ökodesign und nachhaltige Produktion in vielen Unternehmen noch nicht ausreichend miteinander verzahnt sind. Zudem werden Recyclingprozesse häufig extern organisiert und erst am Ende des Produktlebenszyklus berücksichtigt. Ökodesign wird zwar zunehmend in der Produktentwicklung aufgegriffen, ist jedoch selten fest in standardisierte Entwicklungsprozesse integriert. Nachhaltige Produktionsmaßnahmen konzentrieren sich vielfach auf Ressourceneffizienz und Prozessoptimierung, ohne systematisch mit Kreislaufstrategien verknüpft zu sein. Dadurch bleiben Potenziale für eine lebenszyklusorientierte Optimierung von Materialien, Produkten und Prozessen vielfach ungenutzt.
Drei Trainingsmodule für die textile Transformation
Auf Basis der Analyseergebnisse entwickelt Skills4Circularity nun drei praxisorientierte Trainingsmodule zu den Themen Recyclingtechnologien, Ökodesign für die Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Produktion.
Das Modul „Recyclingtechnologien“ vermittelt Kenntnisse zu gesetzlichen Anforderungen, Materialsortierung und der Aufbereitung von Textilabfällen. Ziel ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, Recyclingprozesse besser zu strukturieren und die Zusammenarbeit entlang der Recycling-Wertschöpfungskette zu verbessern.
Im Modul „Ökodesign für die Kreislaufwirtschaft“ stehen regulatorische Anforderungen, Ökobilanzierung sowie Rückverfolgbarkeitssysteme im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden sollen befähigt werden, Circular-Design-Prinzipien systematisch in die Produktentwicklung zu integrieren und die Voraussetzungen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft bereits in frühen Entwicklungsphasen zu schaffen.
Das dritte Modul widmet sich der nachhaltigen Produktion. Schwerpunkte sind ressourceneffiziente und abfallarme Produktionsprozesse sowie die organisatorische Verankerung von Nachhaltigkeitszielen im Unternehmen. Dabei geht es insbesondere darum, Produktionsprozesse stärker mit Kreislaufstrategien und Recyclingansätzen zu verknüpfen.
Mit diesen Qualifizierungsangeboten will Skills4Circularity die europäische Textilindustrie dabei unterstützen, Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung und Nachhaltigkeit stärker in die betriebliche Praxis zu integrieren. Weiterbildung wird damit zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für die Transformation der Branche.
IVGT
