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Winter Night Impressions ©INNATEX
Winter Night Impressions
08.01.2026

57. INNATEX: Marken, Formate und Fragestellungen zum nachhaltigen Markt

Während auch nachhaltige Mode wirtschaftlich unter Druck steht, zeigt die INNATEX im Messecenter Hofheim Rhein-Main, dass die Branche weiterhin an tragfähigen Modellen arbeitet. Die ausgebuchte 57. Ausgabe der internationalen Fachmesse für nachhaltige Textilien stellt sich programmatisch dem aktuellen Branchendiskurs: die öffentliche Relevanz sowie der Verkauf von Green Fashion. 

Mit neuen Formaten, der Premiere der Evolution Stage und aktuellen Buzz-Themen, rückt die Orderplattform Herausforderungen und Lösungsansätze in den Vordergrund. Zu den ausstellenden Marken gehören sowohl etablierte Player wie Recolution, Dawn Denim, Vaude, Mela, Rotholz, Two Thirds, Reiff und Moea, als auch erstmals ausstellende Marken. 

„Unsere Flächen sind wieder ausgebucht, viele Marken berichten von gefüllten Terminkalendern – und trotzdem bleibt Unsicherheit“, stellt Alexander Hitzel, Projektleiter der INNATEX, fest. „Niemand weiß, wie sich der Markt entwickelt. Aber wir können zumindest eines beeinflussen, nämlich eine INNATEX, die maximalen Mehrwert bietet: mit Handelsempfehlungen, innovativen Impulsen, Tools und Raum für ehrlichen Austausch.“ 

Während auch nachhaltige Mode wirtschaftlich unter Druck steht, zeigt die INNATEX im Messecenter Hofheim Rhein-Main, dass die Branche weiterhin an tragfähigen Modellen arbeitet. Die ausgebuchte 57. Ausgabe der internationalen Fachmesse für nachhaltige Textilien stellt sich programmatisch dem aktuellen Branchendiskurs: die öffentliche Relevanz sowie der Verkauf von Green Fashion. 

Mit neuen Formaten, der Premiere der Evolution Stage und aktuellen Buzz-Themen, rückt die Orderplattform Herausforderungen und Lösungsansätze in den Vordergrund. Zu den ausstellenden Marken gehören sowohl etablierte Player wie Recolution, Dawn Denim, Vaude, Mela, Rotholz, Two Thirds, Reiff und Moea, als auch erstmals ausstellende Marken. 

„Unsere Flächen sind wieder ausgebucht, viele Marken berichten von gefüllten Terminkalendern – und trotzdem bleibt Unsicherheit“, stellt Alexander Hitzel, Projektleiter der INNATEX, fest. „Niemand weiß, wie sich der Markt entwickelt. Aber wir können zumindest eines beeinflussen, nämlich eine INNATEX, die maximalen Mehrwert bietet: mit Handelsempfehlungen, innovativen Impulsen, Tools und Raum für ehrlichen Austausch.“ 

INNATEX Evolution Stage: Brands stehen fest 
Die ‚Evolution Stage – Shaping Tomorrow’s Fashion‘ versammelt Labels, die Design, Qualität und Zukunftsfähigkeit vereinen und präsentiert sie auf einer Fläche in Form eines Concept Stores. Konzipiert und kuratiert von Designer Jonathan Radetz steht das Format für Wirtschaftlichkeit, die Nutzung von Synergien und eine verkaufsstarke Sortimentsgestaltung am Point of Sale. Ausgewählt für die Premiere wurden die Labels Maatroom, VIDAR Sport, Jungle Folk, ZAMT, Halt.Clothing, DeLin und Makesomebodyhappy. 

Wissen und Handelsempfehlungen für eine Branche im Umbruch 
Das weitere Rahmenprogramm greift ebenfalls Fragestellungen auf, mit denen Marktteilnehmer:innen sich beschäftigen sollten, um fit für die Zukunft zu bleiben: von KI-gestützten Strategien im Modeeinzelhandel über langfristige Entwicklungen in Design und Produktkonzeption bis zur Bedeutung von Langlebigkeit und Markenarbeit für Kaufentscheidungen.

Quelle:

INNATEX 

Autoloop Grafik: Pablo Fehn-Haenisch
Autoloop
06.01.2026

EU-Projekt erforscht Sortier-, Tracing-, und Recyclingtechnologien für Textilabfälle

Eine europäische Forschungsinitiative unter der Leitung von Fraunhofer UMSICHT sucht integrierte Lösungen für das Recycling von Textilabfällen. Das Projekt AUTOLOOP will ein System aufbauen, mit dem bis zum Jahr 2050 jährlich 1,24 Millionen Tonnen Textilabfälle verwertet und potenziell über 130.000 Arbeitsplätze in der gesamten EU geschaffen werden könnten. Dafür werden automatisierte Sortier-, Rückverfolgungs- und Closed-Loop-Recyclingtechnologien für Textilien auf Polyesterbasis entwickelt, getestet und in einem Kreislauf integriert, um die dringende Herausforderung der Textilabfallentsorgung anzugehen.

Der Projekt-Kick-Off mit allen europäischen Partnern fand Ende Oktober '25 bei Fraunhofer UMSICHT in Sulzbach-Rosenberg statt. 

Eine europäische Forschungsinitiative unter der Leitung von Fraunhofer UMSICHT sucht integrierte Lösungen für das Recycling von Textilabfällen. Das Projekt AUTOLOOP will ein System aufbauen, mit dem bis zum Jahr 2050 jährlich 1,24 Millionen Tonnen Textilabfälle verwertet und potenziell über 130.000 Arbeitsplätze in der gesamten EU geschaffen werden könnten. Dafür werden automatisierte Sortier-, Rückverfolgungs- und Closed-Loop-Recyclingtechnologien für Textilien auf Polyesterbasis entwickelt, getestet und in einem Kreislauf integriert, um die dringende Herausforderung der Textilabfallentsorgung anzugehen.

Der Projekt-Kick-Off mit allen europäischen Partnern fand Ende Oktober '25 bei Fraunhofer UMSICHT in Sulzbach-Rosenberg statt. 

Die europäische Textil- und Bekleidungsindustrie beschäftigt 1,3 Millionen Menschen und erwirtschaftet jährlich rund 170 Milliarden Euro. Allerdings fallen dabei jedes Jahr 10,9 Millionen Tonnen Textilabfälle an, von denen derzeit weniger als 1 Prozent durch geschlossene Kreislaufprozesse zu neuen Textilien recycelt werden. „Die Textilindustrie befindet sich an einem kritischen Punkt“, erklärt Dr. Thomas Fehn, Koordinator von AUTOLOOP bei Fraunhofer UMSICHT. „Dieses Projekt steht für einen Paradigmenwechsel von Abfall zu Ressource, indem ausrangierte Kleidung in wertvolle Rohstoffe für neue Kleidungsstücke umgewandelt wird.“

Technologische Ansätze und Arbeitspakete
AUTOLOOP integriert mehrere technologische Innovationen für das vollständige Recycling von Textilien auf Polyesterbasis (PET), die von den Projektpartnern weiterentwickelt und validiert werden:

  • KI-gestützte Sortierung: Das Sortierverfahren von ZORITEX identifiziert mithilfe von hyperspektraler Nahinfrarot-Technologie über 15 verschiedene Fasertypen und deren Mischungen. Dieser automatisierte Ansatz könnte den Sortierdurchsatz verzehnfachen und gleichzeitig die Kosten um 50 bis 75 % senken.
  • Recycling von Zellulosefasern: Das Ioncell®-Verfahren von AALTO nutzt innovative ionische Flüssiglösungsmittel, um Zellulosefasern aus Textilgemischen zu extrahieren, und erreicht dabei Recyclingquoten von über 95 % ohne schädliche Chemikalien.
  • Chemisches Recycling: Die von Fraunhofer UMSICHT und SKZ entwickelte ReSyn-Technologie depolymerisiert synthetische Fasern in hochreine Basischemikalien (rTPA) für die Herstellung neuer Materialien und arbeitet selbst bei kontaminierten Textilien effizient.
  • Intelligente Faserverfolgung: Die IntegriTEX®-Technologie von TLX bettet unsichtbare Identifikatoren in Fasern ein und ermöglicht so eine kontaktlose Erkennung und vollständige Transparenz der Lieferkette.
  • Digitale Integration: Der cloudbasierte Data Hub von TEXROAD standardisiert das Informationsmanagement über den gesamten Lebenszyklus hinweg und gewährleistet die Einhaltung neuer Regularien wie dem Digital Product Passport.

Erwartete Ergebnisse bis 2050
Bei erfolgreicher Skalierung könnte der integrierte Ansatz von AUTOLOOP Folgendes bewirken:

  • Jährlich 1,24 Millionen Tonnen Textilabfälle recyceln.
  • Eine Materialrückgewinnungsquote von 96 % erreichen.
  • Über 130.000 neue grüne Arbeitsplätze in der gesamten EU schaffen.
  • Die Kosten für die kommunale Abfallentsorgung senken (derzeit 60 bis 110 EUR pro Tonne).
  • Die Abhängigkeit der Textilindustrie von fossilen Rohstoffen deutlich verringern.

Europäische Perspektive
Das Projekt vereint 14 Partner aus sieben Ländern und verbindet Forschungseinrichtungen mit Industriepartnern. Zum Konsortium gehören ZORITEX (Großbritannien), die AALTO-Universität (Finnland), Fraunhofer UMSICHT (Deutschland), TLX (Deutschland) und TEXROAD (Niederlande), ELT (Großbritannien), TRASBORG (Dänemark), VTT (Finnland), SKZ (Deutschland), S4L (Großbritannien), LEEDS (Großbritannien), NORION (Dänemark), TEMASOL (Schweiz) und LGI (Frankreich). 

Ausblick
Angesichts der Weiterentwicklung der europäischen Regulatorik zur Abfallwirtschaft und einer steigenden Nachfrage nach nachhaltigen Textilien bietet AUTOLOOP eine technologische Grundlage für geschlossene Kreisläufe in der Textilindustrie. Das Projekt zeigt, wie mittels fortschrittlicher Sortier-, Tracking-, und Recyclingtechnologien der Übergang von linearen zu zirkulären Produktionsmodellen gelingen kann. AUTOLOOP wird im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms „Horizont 2020“ der Europäischen Union unter der Fördervereinbarung Nr. 101181624 gefördert.

Quelle:

Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Multifilamentgarne hergestellt aus recycliertem PET © Fraunhofer IAP
Multifilamentgarne hergestellt aus recycliertem PET
06.01.2026

Kunststoff-Rezyklate & Biopolymere als Rohstoff für Fasern und Folien

Ist es möglich, aus bisher ungenutzten Abfallströmen Kunststoffrezyklate zu gewinnen, um hochwertige Fasern und Folien herzustellen? Wie gelingt es, biobasierte Polymerfasern mit einstellbarer Bioabbaubarkeit herzustellen? Mit diesen Fragen befassen sich Forschende des Fraunhofer Cluster of Excellence Circular Plastics Economy CCPE im Projekt Zirk-Tex. Gemeinsam entwickeln sie ergänzend zu mechanischen Verfahren innovative Recyclingmethoden, um nachhaltige Dachbahnen und Geokunststoffe herzustellen. Dabei untersuchen sie die komplette Wertschöpfungskette im Pilotmaßstab.

Ist es möglich, aus bisher ungenutzten Abfallströmen Kunststoffrezyklate zu gewinnen, um hochwertige Fasern und Folien herzustellen? Wie gelingt es, biobasierte Polymerfasern mit einstellbarer Bioabbaubarkeit herzustellen? Mit diesen Fragen befassen sich Forschende des Fraunhofer Cluster of Excellence Circular Plastics Economy CCPE im Projekt Zirk-Tex. Gemeinsam entwickeln sie ergänzend zu mechanischen Verfahren innovative Recyclingmethoden, um nachhaltige Dachbahnen und Geokunststoffe herzustellen. Dabei untersuchen sie die komplette Wertschöpfungskette im Pilotmaßstab.

Fraunhofer CCPE – auf dem Weg zur zirkulären Kunststoffwirtschaft
Der Umgang mit Kunststoff muss sich grundlegend ändern. Der Weg zu einer zirkulären Kunststoffwirtschaft, in der weniger fossile Ressourcen entnommen und Produkte länger genutzt werden, ist alternativlos. An dieser Stelle setzt das Cluster Fraunhofer CCPE an. Sechs Fraunhofer-Institute erforschen, wie sich Produkte zirkulär gestalten lassen und wie Plastikmüll in wertvolle Ressourcen verwandelt werden kann. Zum Cluster gehören die Fraunhofer-Institute für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT, für Angewandte Polymerforschung IAP, für Chemische Technologie ICT, für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF, für Materialfluss und Logistik IML, für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV.

Der Markt für recycelte Kunststoffe, insbesondere Polypropylen (PP) und Polyethylenterephthalat (PET), hat noch viel Potenzial. Die Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen wächst, doch die Qualität der verfügbaren Rezyklate muss steigen. Viele Recyclingprozesse scheitern an Störstoffen, die die Aufbereitung erschweren. In der Folge können Rezyklate bislang oftmals nicht mit Neuware konkurrieren. Dies wollen die sechs Institute des Cluster Fraunhofer CCPE gemeinsam mit den Fraunhofer-Instituten für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME und für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB widerlegen und ändern. Im Projekt Zirk-Tex (kurz für zirkuläre textile Flächengebilde) beantworten sie die Frage, ob es möglich ist, aus bisher nicht verwendeten Kunststoffabfällen recycelte Kunststoffe für hochwertige Folien, Vliese und Fasern herzustellen, die sich zu Dachbahnen weiterverarbeiten lassen. In Europa werden jährlich mehrere hundert Millionen Quadratmeter Dachunterdeckungen verlegt.

Gleichzeitig haftet Biopolymeren oft noch der Makel an, dass sie für anspruchsvolle technische Anwendungen nicht die notwendigen Eigenschaften besitzen. Im zweiten Use Case des Vorhabens ist es den Projektpartnern gelungen, aus Biopolymeren – konkret aus Polylactid (PLA) und Polybutylensuccinat (PBS) – schadstofffreie Fasern zur Herstellung bioabbaubarer Geotextilien herzustellen, deren Abbau in der Umwelt einstellbar ist. Solche bioabbaubaren Textilstoffe werden beispielsweise zur temporären Stabilisierung von Hängen und Uferböschungen oder für das Anlegen von Baustraßen benötigt.

Dachbahnen aus PP und PET wirtschaftlich herstellen
„Es ist weniger problematisch, aus Kunststoffrezyklaten beispielsweise Spritzgussbauteile zu produzieren. Aber daraus textile Produkte wie Vliese für Dachbahnen zu fertigen, ist wesentlich schwieriger, da Fadenbildungsprozesse sehr hohe Anforderungen an die Rezyklate stellen. Das Ausgangsmaterial muss homogen und komplett frei von Verunreinigungen sein, um gleichmäßig durch feinste Kapillare extrudiert zu werden und nach der Extrusion teilweise sehr hohen Zugkräften standzuhalten“, erläutert Dr. Evgueni Tarkhanov, Wissenschaftler am Fraunhofer IAP, die Herausforderung. „Für die Produktion ist die Verarbeitungsstabilität das A und O.“ Kleinste Schmutzpartikel oder geringfügige Anteile von Fremdpolymeren in extrudierten Filamenten stellen Fehlstellen der Spinnmasse dar und erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Filamentabrissen im Herstellungsprozess. Das erneute Auflegen der Filamentbündel auf die Fadenleitorgane kostet Zeit und kann teilweise die Abschaltung der Produktionsmaschinen zur Folge haben, was mit immensen Kosten einhergeht.

Komplette Wertschöpfungskette neu denken
„Um die Dachbahnen aus Post-Consumer-Abfällen herzustellen, sind wir in der Lage, die gesamte Prozesskette für PP und PET im Pilotmaßstab abzubilden: von der Betrachtung der Sortierung (Fraunhofer IOSB) über innovative Recyclingmethoden (Fraunhofer ICT und Fraunhofer IVV) bis hin zur Anwendung. Durch Recycling geeigneter Altkunststoffe entsteht ein Granulat bzw. Compound, das additiviert (Fraunhofer LBF) und dann per Formgebung durch Verspinnen zu Vliesen, Folien oder Membranen weiterverarbeitet wird“, fasst Dr. Christian Schütz, Projektleiter und Wissenschaftler am Fraunhofer LBF, den Ablauf zusammen. Dabei hat das Forscherteam das Potenzial von zwei Recyclingverfahren bewertet: Die PET-Fraktion wurde einer Glykolyse, einem chemischen Recyclingverfahren mit anschließender Repolymerisation unterzogen, während sowohl PP- als auch PET-Fraktionen mittels eines lösungsmittelbasierten Recyclings zurückgewonnen wurden, bei dem eine Aufreinigung erfolgt. Die Rückstände beider Recyclingverfahren wurden durch Pyrolyse weiterverwertet (Fraunhofer UMSICHT). Begleitet wurden die praktischen Arbeiten durch ein Life Cycle Assessment (Fraunhofer UMSICHT) und eine Stoffstromanalyse verfügbarer Materialströme (Fraunhofer IML).

Innovative Recyclingverfahren für sortenreine Rezyklate
Mit dem lösungsmittelbasierten Recyclingverfahren des Fraunhofer IVV konnte das Forscherteam PP von unerwünschten Polymeren und Additiven trennen, wodurch ein nahezu sortenreines Material entstand. Der Abfallstrom enthielt 33 Prozent PP und 67 Prozent Fremdkunststoffe. Nach dem Prozess war Polyethylen (PE) mit einem Anteil von weniger als 2 Prozent das einzige signifikante unerwünschte Polymer. Die Stabilität des PP-Rezyklats (rPP) gewährleistete das Team auch bei hohen Temperaturen während der Verarbeitung. Das gewonnene rPP wurde anschließend am Fraunhofer IAP zu einem Multifilament-Garn versponnen. „Durch die richtige Additivierungsstrategie ist es uns zudem gelungen, die Verarbeitungsstabilität sowohl von PP- als auch von PET-Rezyklaten deutlich zu verbessern“, so Schütz.

Für die Glykolyse von PET, ausgeführt am Fraunhofer ICT, verwendeten die Forschenden PET-Schalen mit 13 Prozent unerwünschten Fremdstoffen. Die Glykolyse ist eine Form der Solvolyse, bei der Ethylenglykol zur Depolymerisation von PET zu Bis(2-hydroxyethyl)terephthalat (BHET) verwendet wird. „Bei der Solvolyse werden die Kunststoffe durch den Einsatz eines Depolymerisations-Reagenzes gezielt in ihre jeweiligen Monomere gespalten“, sagt Schütz. Das entstandene BHET wurde am Fraunhofer IAP zu rPET repolymerisiert und auf einer Pilot-Schmelzspinnanlage zu einem Multifilamentgarn mit 48 Filamenten verarbeitet. Darüber hinaus konnte die Forscherinnen und Forscher zeigen, dass sich dieselbe PET-Fraktion durch ein lösungsmittelbasiertes Recyclingverfahren recyceln lässt. „Sowohl aus PP als auch aus PET konnten wir Fasern für die Herstellung von Vliesstoffen gewinnen, PP zusätzlich auch für die Membranproduktion“, resümiert Tarkhanov.

In der Pyrolyse von Rückständen aus dem lösemittelbasierten Recyclingprozess der PP-Fraktionen wurden ein hoher Pyrolysegasanteil und geringer Koksanteil erhalten. Aus den Rückständen der Solvolyse von PET-Fraktionen konnte Pyrolyseölfraktionen mit hohen Ölanteilen sowie geringen Koksanteilen gewonnen werden. Die Produkte aus beiden Rohstoffströmen lassen sich vielversprechend weiterverwerten.

Zudem ergaben die begleitenden Arbeiten, dass geeignete und ausreichende Mengen an PP und PET vorhanden sind, aber die Logistik und Sortierung für den Zugriff darauf noch aufgebaut werden muss. Die aggregierten Ergebnisse der LCA zeigten, dass die Wertschöpfungskette des Fraunhofer-CCPE-Verfahrens sowohl für Biopolymere als auch für Rezyklate eine bessere Klimabilanz aufweist als die Verwendung von Neukunststoffen. „Wir konnten erfolgreich zeigen, dass auch bislang ungenutzte Stoffströme zur Herstellung hochqualitativer Werkstoffe auf Rezyklatbasis eine reale Option darstellen“, fasst Schütz diesen Teil des Projekts zusammen.

Bioabbaubare Geotextilien aus PLA und PBS
Ist es möglich, Kunststoffe für den Landschaftsbau aus biobasierten Polymeren (PLA und PBS) herzustellen? Können Produkte ohne Umweltprobleme und mit kontrolliertem Abbau hergestellt werden? Wie kann man sicherstellen, dass PLA und PBS während der Nutzung stabil bleiben und sich danach schnell und vollständig abbauen? Diesen Fragen widmet sich das Fraunhofer CCPE im zweiten Use Case des Projekts, das sich auf Geotextilien konzentriert, die für eine kurzfristige Anwendung von weniger als zehn Jahre konzipiert sind und sich daher schnell abbauen müssen. Im Fokus standen die Abbaubarkeit und Ökotoxizität der Biokunststoffe, wobei die Tests mit PLA- und PBS-Neuware durchgeführt wurden. Um die Abbaubarkeit zu prüfen, lagerten die Projektpartner Fasern zweier PBS- und dreier PLA-Typen 25 Wochen lang am Fraunhofer UMSICHT bei 40 Grad Celsius und 90 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit in feuchter Erde. Durch maßgeschneiderte Additive des Fraunhofer LBF gelang es den Forschenden, Zeitpunkt und Verlauf des Abbaus der PLA- und PBS-Fasern einzustellen, signifikant zu beschleunigen und in Zerfallstests nachzuweisen, andererseits aber die Materialeigenschaften bis zum Einsetzen des Abbaus weitgehend zu erhalten. Schütz: „Sowohl für PLA als auch für PBS konnten wir Fasern mit kontrolliertem und einstellbarem Abbauverhalten herstellen. Die Ökotoxizitätstests durch das Fraunhofer IME haben keine Hinweise auf besorgniserregende Effekte gezeigt. Es ergibt sich durch unsere Ergebnisse eine konkrete Entwicklungsperspektive für Geotextilien für lebensnahe Anwendungen, die wir nun gemeinsam mit Industriepartnern weiterverfolgen möchten.“
 
Aufgaben der Partner im Projekt:

  • Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT: Untersuchung der Abbauprozesse für die Biopoylmere, Pyrolyse der Restfraktionen aus den eingesetzten Recyclingprozessen
  • Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP: Polymerisation von rPET aus BHET, Durchführung von Spinnprozessen
  • Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT: Chemisches Recycling – Depoly-merisation von PET zu BHET aus recycelten Stoffströmen
  • Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF: Projektleitung, Entwicklung von Additivpaketen für Rezyklate und Biopolymere, Compoundierung
  • Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML: Auswahl geeigneter Rohstoffquellen
  • Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV: Entwicklung und Durchführung des lösemittelbasierten Recyclings
  • Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME: Ökotoxikologische Bewertung
  • Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB: auf Maschinellem Lernen basierende Sortierung für PET aus Textilien
30.12.2025

Gutes Gewissen oder günstiger Preis: Wenn nachhaltig, dann online

Vielen Menschen ist es 2025 schwerer denn je gefallen, die Frage zu beantworten, ob sie lieber nachhaltige oder besonders günstige Geschenke kaufen sollen. Das zeigt die Bilanz der diesjährigen repräsentativen Verbraucherumfrage des bevh zum Jahresende. Grundsätzlich gefragt, ob sie zu Weihnachten bewusster nachhaltig eingekauft haben als noch vor drei Jahren, stimmen zwar jeder Vierte Befragte (24,9 %) zu. Fast ebenso viele (22,0 %) geben jedoch an, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten andere Aspekte wichtiger geworden sind. Für die Hälfte der Befragten (50,4 %) hat sich das eigene Konsumverhalten insgesamt allerdings nicht spürbar verändert.

Auffällig ist jedoch die Selbsteinschätzung jüngerer Menschen: Die deutliche Mehrheit der Befragten unter 30 Jahren (67,4 %) empfindet ihr Konsumverhalten heute als weniger nachhaltig als früher. „Die Sorgen vieler Menschen waren dieses Jahr meist größer als ihr Nachhaltigkeitsbewusstsein“, erklärt Daniela Bleimaier, verantwortlich für Nachhaltigkeitsthemen beim bevh. Viele nähmen beim Einkaufen schon seit Jahren zunehmend Kompromisse in Kauf.

Vielen Menschen ist es 2025 schwerer denn je gefallen, die Frage zu beantworten, ob sie lieber nachhaltige oder besonders günstige Geschenke kaufen sollen. Das zeigt die Bilanz der diesjährigen repräsentativen Verbraucherumfrage des bevh zum Jahresende. Grundsätzlich gefragt, ob sie zu Weihnachten bewusster nachhaltig eingekauft haben als noch vor drei Jahren, stimmen zwar jeder Vierte Befragte (24,9 %) zu. Fast ebenso viele (22,0 %) geben jedoch an, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten andere Aspekte wichtiger geworden sind. Für die Hälfte der Befragten (50,4 %) hat sich das eigene Konsumverhalten insgesamt allerdings nicht spürbar verändert.

Auffällig ist jedoch die Selbsteinschätzung jüngerer Menschen: Die deutliche Mehrheit der Befragten unter 30 Jahren (67,4 %) empfindet ihr Konsumverhalten heute als weniger nachhaltig als früher. „Die Sorgen vieler Menschen waren dieses Jahr meist größer als ihr Nachhaltigkeitsbewusstsein“, erklärt Daniela Bleimaier, verantwortlich für Nachhaltigkeitsthemen beim bevh. Viele nähmen beim Einkaufen schon seit Jahren zunehmend Kompromisse in Kauf.

Wenn nachhaltig, dann online
So ausgeprägt die Sparneigung auch ist: Bessere Möglichkeiten für einen bewussteren Konsum als im Onlinehandel bieten sich Verbraucherinnen und Verbrauchern derzeit kaum, betont Daniela Bleimaier. Fast-Fashion-Filialisten und Discount-Ketten prägten vielerorts das Bild der Innenstädte, nachhaltige Marken und Verkaufskonzepte seien dort immer schwerer zu finden, so der Verband. Das bestätigt auch die Befragung: 36,2 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher gaben an, online mehr Angebote für nachhaltige Produkte gefunden zu haben. Nur 27,6 Prozent bewerteten das stationäre Angebot als besser. „Gerade für kleinere Unternehmen mit nachhaltigen Produkten ist es am wichtigsten, größtmögliche Sichtbarkeit zu bekommen und wachsen zu können. Innovative Anbieter findet man daher vor allem im Onlinehandel und in den sozialen Medien, wo sie Kundengruppen weit über die Einkaufsstraße hinaus erreichen“, so Bleimaier.

Über die Umfrage
Für die Civey-Umfrage wurden 1.000 Käuferinnen und Käufer in Deutschland befragt, die vor Weihnachten im Internet eingekauft haben. Der Befragungszeitraum lag zwischen dem 12.12. und 15.12.2025. Die Umfrage ist repräsentativ.

Quelle:

Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V.

UMSICHT-Wissenschaftspreis 2026: Start der Bewerbungsphase © Shutterstock/Composing Fraunhofer UMSICHT
22.12.2025

Bewerbungsphase für den UMSICHT-Wissenschaftspreis 2026 gestartet

Der UMSICHT-Wissenschaftspreis geht in die nächste Runde: Ab sofort können wissenschaftliche Publikationen und journalistische Arbeiten eingereicht werden, die den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft fördern. Bewerbungsschluss ist der 1. März 2026.

Der UMSICHT-Wissenschaftspreis geht in die nächste Runde: Ab sofort können wissenschaftliche Publikationen und journalistische Arbeiten eingereicht werden, die den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft fördern. Bewerbungsschluss ist der 1. März 2026.

Der Weg in eine klimafreundliche Zukunft wird maßgeblich von wissenschaftlicher Expertise und politischer Gestaltung getragen – begleitet von verantwortungsvoller Berichterstattung. Denn nur, wenn die Gesellschaft informiert und beteiligt wird, hat sie Vertrauen in notwendige neue und innovative Technologien. Der UMSICHT-Förderverein prämiert seit 2010 Menschen mit dem UMSICHT-Wissenschaftspreis, die Forschungsergebnisse zu den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit herausragend publizieren oder verständlich und ausgewogen kommunizieren. Die Preisträgerinnen und Preisträger schlagen eine Brücke zwischen Wissenschaft und Gesellschaft und unterstützen öffentliche Debatten konstruktiv. Die Bewerbungsphase für den kommenden UMSICHT-Wissenschaftspreis 2026 ist gestartet. Ab sofort können potenzielle Preisträgerinnen und Preisträger ihre Arbeiten in den Kategorien Journalismus Print/Online, Journalismus Audio/Video und Wissenschaft einreichen.

Die Kategorien: Wissenschaft und Journalismus
Für die Kategorie »Wissenschaft« werden wissenschaftliche Publikationen angenommen, die innerhalb der letzten zwei Jahre in einschlägigen Journals veröffentlicht worden sind. Reine Dissertationen und Abschlussarbeiten werden nicht berücksichtigt. Die Jury legt besonderes Augenmerk auf das fachwissenschaftliche Niveau, den nachhaltigen Nutzen der Arbeit und die Qualität der Publikation. Hinzu kommen Innovationsgrad, Markt- und Anwendungsnähe sowie eine gut verständliche und überzeugende Präsentation.

Gleich zwei Preise sind im Bereich »Journalismus« zu vergeben: Kategorie Print/Online und Kategorie Audio/Video. Bewertet werden die anschauliche Vermittlung eines gesellschaftlich und wissenschaftlich relevanten Themas aus der Umwelt-, Verfahrenstechnik oder Energietechnik sowie die eigenständige Stellungnahme der Autorinnen und Autoren. Die journalistischen Arbeiten dürfen nicht älter als ein Jahr sein, reine Konzepte, Fotoarbeiten und Bücher sind ausgeschlossen.

Für alle Kategorien gilt: Bewertet werden sowohl Einzel- als auch Gemeinschaftsarbeiten auf Deutsch oder Englisch. Bei Gemeinschaftsarbeiten muss der Eigenanteil kenntlich gemacht werden, und der bzw. die Hauptanteilnehmende muss einreichen.

Preisverleihung am 8. Juli 2026
Die Gewinnerinnen und Gewinner des UMSICHT-Wissenschaftspreises 2026 erhalten neben der Skulptur »Innovation« ein Preisgeld von jeweils 2500 Euro für ihre ausgezeichnete Arbeit und Zugang zum Netzwerk einer renommierten Forschungseinrichtung mit Kontakten in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Die Preisverleihung findet am 8. Juli 2026 bei Fraunhofer UMSICHT in Oberhausen statt.

Quelle:

Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Mitglieder des Smart Green Curaçao von links nach rechts: Prof. Dr. Holger Hesse (HS Kempten), Jan Geier (iwb), Daniel Maitz (TH Augsburg), Antonio Koch (HS Kempten), Marcus Rehm (TH Augsburg), Dr. Rainer Stetter (ITQ), Markus Weber (IGCV), Prof. Dr. Christine Schwägerl, TH Augsburg (nicht auf Bild). © Fraunhofer IGCV
Mitglieder des Smart Green Curaçao von links nach rechts: Prof. Dr. Holger Hesse (HS Kempten), Jan Geier (iwb), Daniel Maitz (TH Augsburg), Antonio Koch (HS Kempten), Marcus Rehm (TH Augsburg), Dr. Rainer Stetter (ITQ), Markus Weber (IGCV), Prof. Dr. Christine Schwägerl, TH Augsburg (nicht auf Bild).
22.12.2025

Sonne, Strand und Green Curaçao: Ansätze zur klimafreundlichen Energieversorgung

Klein aber oho: Curaçaos Fläche ist vergleichbar groß wie Köln, die Insel hat jedoch nur etwa ein Sechstel so viele Einwohner. Doch so überschaubar die Karibikinsel ist, in Sachen Energieversorgung will das Eiland eine 180 Grad Wende schaffen. Bis 2040 soll die Insel klimaneutral sein, obwohl zum jetzigen Zeitpunkt ein Großteil der Energie aus Öl gewonnen wird. Zu diesem Zweck rief die Greening the Island Foundation zu einer Inselchallenge auf der Solarwirtschaft-Fachmesse Intersolar 2025 auf. Markus Weber, Experte für nachhaltige Produktionssysteme am Fraunhofer Institut für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik IGCV, war Teil des interdisziplinären Teams »Smart Green Curaçao«. In einem dreitägigen Workshop im Rahmen der Fachmesse erarbeitete er gemeinsam mit Expert:innen und Studierenden der TH Augsburg, HS Kempten und des Instituts für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften iwb der TUM eine Lösung für die Inselchallenge. Diese soll bei der Ausarbeitung einer Transformationsstrategie des Energiesystems der Karibikinsel berücksichtigt werden und könnte als Vorbild für andere Regionen dienen.

Klein aber oho: Curaçaos Fläche ist vergleichbar groß wie Köln, die Insel hat jedoch nur etwa ein Sechstel so viele Einwohner. Doch so überschaubar die Karibikinsel ist, in Sachen Energieversorgung will das Eiland eine 180 Grad Wende schaffen. Bis 2040 soll die Insel klimaneutral sein, obwohl zum jetzigen Zeitpunkt ein Großteil der Energie aus Öl gewonnen wird. Zu diesem Zweck rief die Greening the Island Foundation zu einer Inselchallenge auf der Solarwirtschaft-Fachmesse Intersolar 2025 auf. Markus Weber, Experte für nachhaltige Produktionssysteme am Fraunhofer Institut für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik IGCV, war Teil des interdisziplinären Teams »Smart Green Curaçao«. In einem dreitägigen Workshop im Rahmen der Fachmesse erarbeitete er gemeinsam mit Expert:innen und Studierenden der TH Augsburg, HS Kempten und des Instituts für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften iwb der TUM eine Lösung für die Inselchallenge. Diese soll bei der Ausarbeitung einer Transformationsstrategie des Energiesystems der Karibikinsel berücksichtigt werden und könnte als Vorbild für andere Regionen dienen.

Wind- und Sonnenenergie optimal nutzen
Mithilfe von Simulationen und Tools wie TOP-Energy, HOMER Energy und Python-Skripten untersuchte das Projektteam zu Beginn der Challenge, wie Photovoltaik in Kombination mit den bereits bestehenden Windkraftanlagen optimal eingesetzt werden kann. »Ziel der Berechnungen war es, die verfügbaren Flächen auf der Insel effizient zu nutzen und einen maximalen Sonnen-Ertrag herauszuholen. Unsere Ergebnisse zeigten, dass die Anlagen dafür in folgender Priorisierung verteilt werden sollten: bevorzugt auf industriellen und privaten Dächern, danach auf Freiflächen in Form von Solarparks und zuletzt schwimmend auf Gewässern.« Auf diese Weise werden die bislang ungenutzten Flächen optimal genutzt, was zu einer höheren Gesamtstromproduktion führt. Gleichzeitig wird das Stromnetz entlastet, da die Energieerzeugung besser verteilt ist. Die flexible Installation auf bereits bestehenden Strukturen wie Dächern spart Kosten und beansprucht zusätzlich weniger landwirtschaftliche Flächen.

Nachhaltiges und stabiles Stromnetz
Eine wesentliche Herausforderung bei der angestrebten klimafreundlichen Stromversorgung ist die Netzstabilität. Entscheidend ist dabei die geografische Nähe der Energiequellen, denn so können Netzverluste minimiert werden. »Wir haben uns in diesem Kontext auch mit innovativen Speichermethoden beschäftigt. Diese tragen zur Energieversorgung in Zeiten ohne Wind bei«, erklärt Weber. Denn insbesondere eine »Windflaute«, bei der die Stromerzeugung aus Windkraft signifikant sinkt, kann bei einer Insel wie Curaçao schnell zu einem Blackout führen. Neben zusätzlicher Resilienz gegenüber Windflauten durch PV-Installation sei die Integration von Batteriespeichern daher laut Weber essenziell. Überschüssiger Strom kann damit gespeichert und bei Bedarf wieder ins Netz eingespeist werden. »Für 2040 erwarten wir, dass rund zwei Drittel unseres Stroms aus Wind-, Solar- und Speicheranlagen stammen, wobei die Batterien weniger als ein Prozent liefern und ein Drittel weiter von Dieselgeneratoren kommt. Um einen Anteil von 90 Prozent Ökostrom zu erreichen, ist eine Verdreifachung der Solarkapazitäten sowie eine Vervierzehnfachung der Speicherkapazitäten erforderlich. Dadurch ließe sich der Dieselanteil auf ca. zehn Prozent reduzieren. Allerdings würde auch deutlich mehr überschüssiger Strom anfallen, den wir ungenutzt abschalten müssten.«

Stromdiebstahl erschwert Netzplanung
Die Möglichkeit, Strom zu speichern, ist notwendig, weil Wind und Sonne nicht jederzeit zur Verfügung stehen. Genauso entscheidend ist es, wann der Strom von den Menschen benötigt wird. Auf der Insel ist das primär in den Abendstunden. Neben der Industrie hängt der Stromverbrauch besonders stark von privaten Haushalten und dem Tourismussektor ab. »Für mich überraschend war zudem der hohe Anteil des Stromdiebstahls, der als eigener Sektor im Gesamtstrombedarf des Netzbetreibers Aquaelectra aufgeführt wird«, hebt der Wissenschaftler hervor. Dabei werden Stromzähler manipuliert oder der Strom wird direkt von Leitungen abgezapft. Diese Tatsache sei laut Weber eine Herausforderung, wenn es um die Planung von Stromnetzen geht. Denn die illegalen, nicht eingeplanten Entnahmen führen zu Überlastungen, die das Netz destabilisieren und Ausfälle verursachen. »Das zeigt, wie wichtig es ist, auch gesellschaftliche Aspekte in die Planung einzubeziehen«, schlussfolgert der Experte.

Die Ergebnisse der Inselchallenge wurden den Vertretern Curaçaos präsentiert und sollen in künftige Planungen miteinfließen. »Wir haben ein vielversprechendes Konzept entwickelt, das nicht nur die technische Machbarkeit, sondern auch wirtschaftliche Anreize wie passende Geschäftsmodelle berücksichtigt«, so der Wissenschaftler. Die nächsten Schritte beinhalten die konkrete Ausarbeitung und Überprüfung der vorgeschlagenen Maßnahmen für eine klimaneutrale Stromversorgung. Auch mögliche Anschlussbetrachtungen wie Potenzialanalysen von Wasserstoff oder Biomasse sind in das inselweite Energiekonzept zu integrieren. »Das Thema ist extrem spannend, da es eine direkte Verbindung zu den globalen Bemühungen um Klimaneutralität herstellt«, erklärt Weber. »Natürlich kann man die Erkenntnisse nicht eins zu eins auf Orte in der ganzen Welt übertragen, aber durch die Inselchallenge konnten wir, wenn auch in sehr kleinem Maßstab, die Übertragbarkeit von industriellen Energiekonzepten und deren Skalierbarkeit vortesten.«

Weitere Informationen:
Fraunhofer IGCV Energieversorgung
Quelle:

Fraunhofer IGCV

CHT Gruppe von adidas als Champion ausgezeichnet Grafik CHT Gruppe
18.12.2025

CHT Gruppe von adidas als Champion ausgezeichnet

Zum dritten Mal in Folge wurde die CHT Gruppe beim adiFORMULATOR AWARD von adidas als Champion ausgezeichnet. 

Dr. Annegret Vester, Chief Sustainability Officer, sagt dazu: „Wir freuen uns sehr, dass die CHT Gruppe als führendes Unternehmen von adidas ausgezeichnet wurde. Mit unserer Partnerschaft mit adidas unterstreichen wir unser proaktives und langfristiges Engagement für kontinuierliche Verbesserungen bei Produkten und Prozessen. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil der CHT Nachhaltigkeitsstrategie, die sich an den Zielen für nachhaltige Entwicklung der UN (SDGs) orientiert.“

Nittima Kulmanoros, Brand & Retail Management, fügt hinzu: „Wir sind überzeugt, dass unsere Erfolgsgeschichte Kunden, Markenhersteller und alle Partner der Textilindustrie dazu inspirieren wird, neue Maßstäbe zu setzen. Unsere B&R sowie die regionalen CHT Teams stehen bereit, ihr Know-how und ihre Unterstützung weltweit einzubringen. Gemeinsam mit Ihnen freuen wir uns auf eine spannende Reise in die Zukunft.“

Zum dritten Mal in Folge wurde die CHT Gruppe beim adiFORMULATOR AWARD von adidas als Champion ausgezeichnet. 

Dr. Annegret Vester, Chief Sustainability Officer, sagt dazu: „Wir freuen uns sehr, dass die CHT Gruppe als führendes Unternehmen von adidas ausgezeichnet wurde. Mit unserer Partnerschaft mit adidas unterstreichen wir unser proaktives und langfristiges Engagement für kontinuierliche Verbesserungen bei Produkten und Prozessen. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil der CHT Nachhaltigkeitsstrategie, die sich an den Zielen für nachhaltige Entwicklung der UN (SDGs) orientiert.“

Nittima Kulmanoros, Brand & Retail Management, fügt hinzu: „Wir sind überzeugt, dass unsere Erfolgsgeschichte Kunden, Markenhersteller und alle Partner der Textilindustrie dazu inspirieren wird, neue Maßstäbe zu setzen. Unsere B&R sowie die regionalen CHT Teams stehen bereit, ihr Know-how und ihre Unterstützung weltweit einzubringen. Gemeinsam mit Ihnen freuen wir uns auf eine spannende Reise in die Zukunft.“

Nachhaltigkeit durch Innovation
Mit innovativen Verfahren wie PIGMENTURA by CHT und dem „Best Solution“-Konzept BeSo® EFFECTIVE will CHT Textilhersteller dabei unterstützen, Kosten und Ressourcen zu reduzieren und gleichzeitig einen positiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Der verstärkte Einsatz nachwachsender und recycelter Materialien – beispielsweise in Produkten wie ARRISTAN rAIR – fördert aktiv die Kreislaufwirtschaft.

CHT Gruppe bekräftigt Verantwortung für nachhaltige chemische Lösungen und Product Stewardship
Die CHT Gruppe setzt ein klares Zeichen für Nachhaltigkeit und Verantwortung in der Textilindustrie. Mit einem umfassenden Ansatz zur Product Stewardship übernimmt sie Verantwortung für ihre Produkte und deren Inhaltsstoffe über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Ziel sei es, die Sicherheit von Menschen zu gewährleisten und Umweltrisiken zu minimieren. 

Eine umfassende Product Stewardship ist die Grundlage für erfolgreiche Nachhaltigkeitszertifizierungen: 

  • ZDHC-Zertifizierung: Über 2.200 Produkte auf Level 3 zertifiziert.
  • Chem-MAP®: ZDHC Approved V3.1 Certifier (Level 1, 2 & 3).
  • bluesign® technologies ag: CHT ist Globaler Systempartner.
  • SCTI-Mitgliedschaft: Als Gründungsmitglied von Sustainable Chemistry for the Textile Industry unterstützt CHT seit 2020 die transformativen Veränderungen in der textilen Wertschöpfungskette.
Quelle:

CHT Group

17.12.2025

NGO-Studie: Grüne Strategie der Modebranche soll Mikroplastikverschmutzung verschärfen

Eine neue Laboruntersuchung, die von der gemeinnützigen Umweltschutzorganisation Changing Markets Foundation veröffentlicht wurde, legt dar, dass recyceltes Polyester beim Waschen im Durchschnitt 55 % mehr Mikroplastikpartikel freisetzt als neu hergestelltes Polyester, das weniger spröde ist. Zudem waren die Partikel fast 20 % kleiner, sodass sie sich leichter in der Umwelt ausbreiten und Schaden anrichten können.

Ein einzelner Waschgang kann bis zu 900.000 Mikroplastikfasern freisetzen. Mikroplastik ist inzwischen so weit verbreitet, dass es selbst an den extremsten Orten der Erde vorkommt und in allen Lebensräumen zirkuliert: in Böden, Luft, Wasser – und in lebenden Organismen. Es wurde in zahlreichen menschlichen Organen nachgewiesen und wird mit einer wachsenden Zahl von Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht.

Eine neue Laboruntersuchung, die von der gemeinnützigen Umweltschutzorganisation Changing Markets Foundation veröffentlicht wurde, legt dar, dass recyceltes Polyester beim Waschen im Durchschnitt 55 % mehr Mikroplastikpartikel freisetzt als neu hergestelltes Polyester, das weniger spröde ist. Zudem waren die Partikel fast 20 % kleiner, sodass sie sich leichter in der Umwelt ausbreiten und Schaden anrichten können.

Ein einzelner Waschgang kann bis zu 900.000 Mikroplastikfasern freisetzen. Mikroplastik ist inzwischen so weit verbreitet, dass es selbst an den extremsten Orten der Erde vorkommt und in allen Lebensräumen zirkuliert: in Böden, Luft, Wasser – und in lebenden Organismen. Es wurde in zahlreichen menschlichen Organen nachgewiesen und wird mit einer wachsenden Zahl von Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht.

Die Studie konzentrierte sich auf eine relativ kleine Zahl von Kleidungsstücken von fünf großen Marken und die Ergebnisse liefern nur einen Hinweis auf die wahrscheinliche Höhe der Verschmutzung. Getestet wurden T-Shirts, Tops, Kleider und Shorts von Adidas, H&M, Nike, Shein und Zara. Nach Einschätzung von Changing Markets ist dies die erste Studie, die Marken im Hinblick auf Mikroplastikverschmutzung vergleicht. Die Marken gehören laut einer aktuellen Erhebung von Changing Markets zu den weltweit größten Produzenten und Verwendern synthetischer Stoffe.

Polyester-Bekleidung von Nike habe sich sowohl bei neu hergestelltem als auch bei recyceltem Polyester als am stärksten verschmutzend erwiesen: Recyceltes Polyester von Nike verlor im Durchschnitt über 30.000 Fasern pro Gramm der untersuchten Kleidung – fast viermal so viel wie der Durchschnittswert von H&M und mehr als siebenmal so viel wie der von Zara.

Bekleidung von Shein fiel zudem dadurch auf, dass ihre recycelten Polyesterstoffe in etwa demselben Umfang Mikroplastik freisetzten wie die aus neu hergestelltem Polyester. Changing Markets vermutet, dass einige der getesteten Kleidungsstücke, die als aus recyceltem Polyester hergestellt gekennzeichnet waren, tatsächlich aus neu hergestelltem Polyester bestanden.

Urska Trunk, Kampagnenleiterin der Changing Markets Foundation, sagte: “Die Modebranche verkauft recyceltes Polyester als grüne Lösung, doch unsere Ergebnisse zeigen, dass es das Problem der Mikroplastikverschmutzung verschärft. Sie entlarven recyceltes Polyester als das, was es ist: ein Feigenblatt der Nachhaltigkeit, das die zunehmende Abhängigkeit der Modebranche von synthetischen Materialien – Plastik – verdeckt. Ein paar intelligente Designoptimierungen und End-of-Pipe-Lösungen werden nur an der Oberfläche kratzen. Echte Lösungen bedeuten, die Produktion synthetischer Fasern schrittweise einzustellen und den Umweg von gebrauchten Plastikflaschen in kurzlebige Mode zu beenden.

Quelle:

Changing Markets Foundation

Push für chemisches Recycling: Borealis kooperiert mit BlueAlp Foto Borealis Group
16.12.2025

Push für chemisches Recycling: Borealis kooperiert mit BlueAlp

  • Borealis ist eine strategische Partnerschaft mit BlueAlp eingegangen, einem führenden Unternehmen im Bereich chemischer Recyclingtechnologie mit Sitz in Eindhoven, Niederlande.
  • Im Rahmen der Vereinbarung wird Borealis seine Mehrheitsbeteiligung an Renasci an BlueAlp übertragen und eine direkte Beteiligung von 10 % an BlueAlp erwerben, um dessen zukünftiges Wachstum und Expansion zu unterstützen.
  • Dieser strategische Schritt spiegelt das wachsende Engagement von Borealis in der Wertschöpfungskette des chemischen Recyclings wider
  • Der Betrieb von Anlagen für chemisches Recycling ist für BlueAlp ein logischer nächster Schritt, der die technologische Innovation beschleunigt und das Lizenzangebot stärkt 

Borealis gab am 16. Dezember 2025 eine strategische Partnerschaft mit BlueAlp bekannt, einem führenden Unternehmen für chemische Recyclingtechnologie mit Sitz in Eindhoven, Niederlande.

  • Borealis ist eine strategische Partnerschaft mit BlueAlp eingegangen, einem führenden Unternehmen im Bereich chemischer Recyclingtechnologie mit Sitz in Eindhoven, Niederlande.
  • Im Rahmen der Vereinbarung wird Borealis seine Mehrheitsbeteiligung an Renasci an BlueAlp übertragen und eine direkte Beteiligung von 10 % an BlueAlp erwerben, um dessen zukünftiges Wachstum und Expansion zu unterstützen.
  • Dieser strategische Schritt spiegelt das wachsende Engagement von Borealis in der Wertschöpfungskette des chemischen Recyclings wider
  • Der Betrieb von Anlagen für chemisches Recycling ist für BlueAlp ein logischer nächster Schritt, der die technologische Innovation beschleunigt und das Lizenzangebot stärkt 

Borealis gab am 16. Dezember 2025 eine strategische Partnerschaft mit BlueAlp bekannt, einem führenden Unternehmen für chemische Recyclingtechnologie mit Sitz in Eindhoven, Niederlande. Im Rahmen der Partnerschaft wird Borealis seine Mehrheitsbeteiligung an Renasci, einem chemischen Recyclingunternehmen mit Sitz in Ostende, Belgien, an BlueAlp übertragen und gleichzeitig einen Anteil von 10 % an BlueAlp erwerben, um dessen zukünftiges Wachstum und Expansion zu unterstützen.
 
Renasci hat die Technologie von BlueAlp lizenziert, um eine 20-kt-p.a.-Anlage zu errichten. Diese wurde in den letzten Jahren von BlueAlp entwickelt, gebaut und während des gesamten Betriebs unterstützt. Der Übergang von der Unterstützung des Betriebs zum direkten Betrieb der Anlage ist ein logischer nächster Schritt in der Entwicklung von BlueAlp. Dies wird die technologische Innovation beschleunigen, eine robuste Plattform für die Produktion hochwertiger kreislauffähiger Rohstoffe schaffen und das Lizenzangebot von BlueAlp weiter stärken.
 
Seit dem Einstieg bei Renasci hat Borealis die Entwicklung des Unternehmens zu einer der wenigen in Betrieb befindlichen chemischen Recyclinganlagen in Europa vorangetrieben. Im Rahmen der Vereinbarung wird BlueAlp die nächste Phase der Entwicklung und Weiterentwicklung von Renasci leiten, während Borealis weiterhin Kundenlösungen auf der Basis chemisch recycelter Rohstoffe entwickelt.
 
„Die direkte Unterstützung von Borealis kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt für die chemische Recyclingindustrie, in der eine rasche Kapazitätserweiterung erforderlich ist, um die Ziele für den Recyclinganteil zu erreichen. Ihre Markterfahrung und Materialkompetenz werden unser Wachstum unterstützen und uns gut positionieren, um mehr Kunststoffabfälle in hochwertige Kreislauf-Rohstoffe umzuwandeln“, sagt Valentijn de Neve, CEO von BlueAlp.
 
Diese Zusammenarbeit hilft den Kund:innen und Partner:innen von Borealis und BlueAlp entlang der gesamten Wertschöpfungskette, sich auf die bevorstehende EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) im Jahr 2030 vorzubereiten. Diese wird voraussichtlich die Nachfrage nach recycelten Materialien für kontaktempfindliche Anwendungen wie Lebensmittel- und Kosmetikverpackungen, beispielsweise auf Basis chemisch recycelter Rohstoffe, erhöhen.
 
„Die Vertiefung der Partnerschaft mit BlueAlp kombiniert Vermögenswerte und Technologien und wird den Fortschritt im chemischen Recycling für die Industrie beschleunigen“, sagt Borealis CEO Stefan Doboczky, „Dadurch kann Borealis seinen Kund:innenstamm mit einer immer breiteren Palette an Polymeren auf Basis chemisch recycelter Rohstoffe versorgen. Diese Transaktion steht in vollem Einklang mit der We4Customers-Strategie von Borealis, die Kund:innen dabei unterstützt, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, und gleichzeitig die Innovationskraft und den operativen Fokus der Gruppe stärkt.“
 
Die finanziellen Details der Transaktion werden nicht bekannt gegeben.

Quelle:

Borealis Group

16.12.2025

Recycling: Faserqualität präzise messen

Die 38. International Cotton Conference Bremen, die vom 25. bis 27. März 2026 im Bremer Parlament am Marktplatz der Hansestadt stattfindet, setzt wieder ein Signal für fachliche Exzellenz und internationalen Dialog. Im Zentrum stehen die neuesten Markttrends und technischen Innovationen entlang der Wertschöpfungskette von der Landwirtschaft über Qualitätssicherung und Verarbeitung bis hin zur Kreislaufwirtschaft. 

Mit der Session „Recycelte Fasern und ihre Qualitätsbewertung“ wird eine Thematik beleuchtet, in der es um die Faserqualität recycelter Fasern und ihre Auswirkungen auf die Garnqualität geht. 

Recyclingfasern sind ein Schlüssel für den Weg in eine wirklich zirkuläre Textilwirtschaft. Doch ihre Verarbeitung wirft entscheidende Qualitätsfragen auf: Wie schneiden sie gegenüber Neuware ab – und wie lässt sich das zuverlässig messen? Wie wirkt sich die Faserqualität auf die Garnqualität aus? Spezifische, auf Recyclingmaterial zugeschnittene Prüfmethoden sind unerlässlich, um die Leistungsfähigkeit recycelter Fasern realistisch zu bewerten. Vier Expertinnen und Experten nehmen diese Herausforderungen an und liefern Antworten aus Forschung und Praxis. 

Die 38. International Cotton Conference Bremen, die vom 25. bis 27. März 2026 im Bremer Parlament am Marktplatz der Hansestadt stattfindet, setzt wieder ein Signal für fachliche Exzellenz und internationalen Dialog. Im Zentrum stehen die neuesten Markttrends und technischen Innovationen entlang der Wertschöpfungskette von der Landwirtschaft über Qualitätssicherung und Verarbeitung bis hin zur Kreislaufwirtschaft. 

Mit der Session „Recycelte Fasern und ihre Qualitätsbewertung“ wird eine Thematik beleuchtet, in der es um die Faserqualität recycelter Fasern und ihre Auswirkungen auf die Garnqualität geht. 

Recyclingfasern sind ein Schlüssel für den Weg in eine wirklich zirkuläre Textilwirtschaft. Doch ihre Verarbeitung wirft entscheidende Qualitätsfragen auf: Wie schneiden sie gegenüber Neuware ab – und wie lässt sich das zuverlässig messen? Wie wirkt sich die Faserqualität auf die Garnqualität aus? Spezifische, auf Recyclingmaterial zugeschnittene Prüfmethoden sind unerlässlich, um die Leistungsfähigkeit recycelter Fasern realistisch zu bewerten. Vier Expertinnen und Experten nehmen diese Herausforderungen an und liefern Antworten aus Forschung und Praxis. 

Stefan Fliescher, Textechno in Mönchengladbach, spricht über „Fortschritte in der Prüftechnik für mechanisch recycelte Fasern“. Während sich die Spinneignung neuer Baumwolle vor allem über Faserlängenverteilung und Nissengehalt bestimmen lässt, sind diese Merkmale bei Recyclingfasern nur begrenzt messbar. Ihr beschädigtes, heterogenes Strukturprofil erfordert angepasste Prüfverfahren. Zudem gewinnen Parameter wie der Anteil ungeöffneter Garnreste an Bedeutung. Optimierte Messtechniken sind daher zentral, um die Qualitätssicherung im mechanischen Recycling zu verbessern und stabile Garnqualitäten zu ermöglichen.

Adele Abdoos, Mesdan, Italien, untersucht den Einsatz von Laborgeräten wie Schredder, Kardiermaschine und Garnseparator, um die Faserrückgewinnung aus verschiedenen Textilabfällen realitätsnah zu simulieren und zu optimieren. In ihrem Vortrag zeigt sie, dass gewebte Stoffe beim Zerkleinern widerstandsfähiger sind und längere Fasern behalten, während gestrickte Materialien stärker beschädigt werden und mehr Kurzfasern erzeugen. Besonders vorteilhaft erwies sich die Anpassung der Maschinenparameter, etwa durch höhere Drehzahlen der Haupttrommel und niedrigere der Arbeitswalze. Die in Bremen präsentierte Studie betont die Bedeutung von Laborversuchen, da Tests im kleinen Maßstab industrielle Ergebnisse zuverlässig vorhersagen und gleichzeitig Materialverluste reduzieren.

Christine Wörner von Uster Technologies untersucht in ihrem Vortrag die Qualitätsparameter von mechanisch recyceltem und neuem Baumwollgarn. Sie zeigt, dass die Qualität recycelter Baumwolle von Herkunft und Fasereigenschaften des Textilabfalls abhängt. Ein Analysevergleich mit Neuware zeigte deutliche Unterschiede. Mithilfe einer Matrix wurden die Fasereigenschaften verschiedener Abfallarten erfasst und untersucht. Dabei zeigte sich, wie Produktionsparameter angepasst werden müssen, um die gewünschte Garnqualität zu erreichen und welche Auswirkungen dies auf Effizienz und Garneigenschaften hat. Die Ergebnisse liefern Hinweise zur Optimierung der Recyclinggarnproduktion und betonen die Notwendigkeit differenzierter Qualitätsbewertung im mechanischen Baumwollrecycling.

Pierre Lanfer, RWTH Aachen, untersucht in seinem Vortrag zwei mechanische Recyclingzyklen. Ausgangspunkt ist ein Gewebe aus 100 % neuer versponnener bzw. verstrickter Baumwolle, das im ersten Zyklus zu Fasern zerrissen wird. Diese werden im zweiten Zyklus erneut verarbeitet. Erste Ergebnisse zeigen eine deutliche Faserverkürzung im ersten Zyklus, während der Verlust im zweiten geringer ausfällt. Die Daten deuten darauf hin, dass Einbußen bei Garn- und Gewebeeigenschaften in späteren Zyklen abnehmen könnten. Die Befunde werden anhand einer Charakterisierung des Originalgewebes sowie der Fasern, Garne und Gewebe beider Recyclingstufen präsentiert.

(v.l.n.r.): Landtagsmitglied Andreas Bühl, Landtagsmitglied Maik Kowalleck, Landrat Marko Wolfram, Wirtschaftsstaatssekretär Mario Suckert, Bundestagsmitglied Diana Herbstreuth, Ministerpräsident Mario Voigt, TITK-Direktor Benjamin Redlingshöfer, Zuse-Präsident Martin Bastian, Bürgermeister Jörg Reichl sowie TITK-Abteilungsleiterin Ute Schubert. Bildrechte: TITK / Steffen Beikirch
15.12.2025

Innovationszentrum für textile Kreislaufwirtschaft in Thüringen eingeweiht

Gut acht Monate nach der Grundsteinlegung ist am TITK Rudolstadt das neue Innovationszentrum für textile Kreislaufwirtschaft eingeweiht worden. Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt, TITK-Direktor Benjamin Redlingshöfer und weitere Ehrengäste durchschnitten gemeinsam das Band zu dem modernen Gebäudekomplex und sahen sich die bezugsfertigen Räumlichkeiten an. Beim „DICE – Demonstration and Innovation Center for Textile Circular Economy“ handelt es sich um die bisher größte Einzelinvestition des TITK. Die Gesamtkosten von 11,5 Mio. Euro hat der Freistaat Thüringen mit 8 Mio. Euro aus GRW- und FTI-Fördermitteln unterstützt. 

Der rasante Baufortschritt auf dem Institutsgelände ließ auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TITK-Gruppe seit dem Frühjahr immer wieder staunen. „Zeitlich und budgetseitig waren wir stets im Plan“, sagt TITK-Direktor Benjamin Redlingshöfer nun. Seine Ankündigung kurz nach der Grundsteinlegung vom 31. März, man werde noch in diesem Jahr zur Einweihung einladen, hatte manchem anfangs eher ein skeptisches Lächeln entlockt. Doch das Versprechen wurde gehalten. 

Gut acht Monate nach der Grundsteinlegung ist am TITK Rudolstadt das neue Innovationszentrum für textile Kreislaufwirtschaft eingeweiht worden. Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt, TITK-Direktor Benjamin Redlingshöfer und weitere Ehrengäste durchschnitten gemeinsam das Band zu dem modernen Gebäudekomplex und sahen sich die bezugsfertigen Räumlichkeiten an. Beim „DICE – Demonstration and Innovation Center for Textile Circular Economy“ handelt es sich um die bisher größte Einzelinvestition des TITK. Die Gesamtkosten von 11,5 Mio. Euro hat der Freistaat Thüringen mit 8 Mio. Euro aus GRW- und FTI-Fördermitteln unterstützt. 

Der rasante Baufortschritt auf dem Institutsgelände ließ auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TITK-Gruppe seit dem Frühjahr immer wieder staunen. „Zeitlich und budgetseitig waren wir stets im Plan“, sagt TITK-Direktor Benjamin Redlingshöfer nun. Seine Ankündigung kurz nach der Grundsteinlegung vom 31. März, man werde noch in diesem Jahr zur Einweihung einladen, hatte manchem anfangs eher ein skeptisches Lächeln entlockt. Doch das Versprechen wurde gehalten. 

Ministerpräsident Mario Voigt: „Das DICE ist ein starkes Signal für Thüringens Innovationskraft: Forschung wird hier zu Anwendung, Ideen werden zu industriellen Lösungen. In nur acht Monaten ist aus Visionen ein Zentrum für Visionen entstanden. Die schnelle Umsetzung zeigt, dass wir in Thüringen nicht nur Engagement und Expertise haben, sondern auch mit Tempo und Effizienz der Zukunft eine klare Richtung geben. Innovativ, nachhaltig und wettbewerbsfähig. Ganz bewusst hat der Freistaat Thüringen dieses zukunftsweisende Projekt maßgeblich unterstützt, denn wir wollen Thüringen als Standort für Forschung und Entwicklung weiter stärken. Mein ausdrücklicher Dank gilt allen Akteuren – den Bauleuten, den Planern, den Verantwortlichen im TITK und allen Förder- und Projektpartnern –, die diesen Erfolg möglich gemacht haben. Sie alle haben sich auf den Weg gemacht, das Grüne Herz Deutschlands weiter voranzubringen, es für die Bürgerinnen und Bürger in unserem Land zukunftsfest zu machen.“ 

Entstanden sind ein viergeschossiges Labor- und Bürogebäude sowie eine Versuchshalle mit jeweils rund 1.000 Quadratmetern Grundfläche. Im barrierefreien Neubau werden unter anderem ein Biologielabor und ein Zellstofflabor Platz finden. Die Halle wird sich auf zwei Hauptlinien konzentrieren: Polyesterrecycling und Baumwollrecycling. Daneben stehen auch die Erforschung und Erprobung alternativer Zellstofflieferanten im Fokus. Dank DICE wird die TITK-Gruppe künftig über ein eigenes Zellstoffkochersystem verfügen. Diese Anlage wird derzeit noch in Sachsen konstruiert und soll 2026 in Betrieb genommen werden.

Seit mehr als 30 Jahren widmet sich das TITK nachhaltigen Textilfasern auf Cellulose-Basis. Diese Lyocellfasern wurden bereits entscheidend weiterentwickelt: Längst nutzen sie nicht mehr nur Zellstoff aus Holz, sondern zum Beispiel auch aus schnellwachsendem und nur wenige Ressourcen verbrauchenden Hanf. Just in diesem Jahr ist man hier bei innovativen Lösungen für ein praxistaugliches und ganzheitliches Textilrecycling einen großen Schritt vorangekommen: Auf der Weltausstellung Expo in Osaka (Japan) konnte Redlingshöfer persönlich das weltweit erste Poloshirt aus einer dreifach recycelten Hanflyocell-Faser (Lyohemp®) präsentieren. 

Das Rudolstädter Institut will einen wichtigen Beitrag zur Transformation der textilen Wertschöpfungskette leisten. Insbesondere das Recycling von Mischtextilien ist eine zentrale Herausforderung, der sich das neue Innovationszentrum DICE widmen wird. „Geschlossene regionale Stoffkreisläufe sind unser Anspruch“, sagt Redlingshöfer. „Aber sie müssen ökologisch und ökonomisch sinnvoll sein, um einen Markterfolg garantieren.“ Die Ausrichtung des Innovationszentrums ende nicht bei nachhaltigen Fasern für Bekleidungstextilien, sondern schließe ausdrücklich auch technische Textilien für Hochleistungsanwendungen aus der Automobilbranche, der Luft- und Raumfahrt oder etwa dem Verteidigungssektor mit ein. „Hier stellt die Regionalität auch einen Resilienzfaktor dar“, sagt der Institutsleiter. 

63 Partner haben dem DICE bislang eine Kooperation zugesagt – darunter Unternehmen wie Adidas, Vaude, Continental und Head, aber auch weitere Forschungseinrichtungen, Verbände und Netzwerke.

Quelle:

TITK - Thüringisches Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung Rudolstadt e.V.:

Deutscher Nachhaltigkeitspreis für Färbeverfahren PIGMENTURA Foto CHT Gruppe
Deutscher Nachhaltigkeitspreis für Färbeverfahren PIGMENTURA
15.12.2025

Deutscher Nachhaltigkeitspreis für Färbeverfahren PIGMENTURA

Am Donnerstag, den 4.12.2025, wurde in Düsseldorf der Deutsche Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Produkte verliehen. Der Preis wird seit 2008 für vorbildliche Nachhaltigkeitsleistungen in Wirtschaft, Kommunen und Forschung vergeben. Mit fünf Wettbewerben, über 800 Bewerbern und ca. 2.000 Gästen zur Abschlussveranstaltung ist er die größte Auszeichnung ihrer Art in Europa.

Am Donnerstag, den 4.12.2025, wurde in Düsseldorf der Deutsche Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Produkte verliehen. Der Preis wird seit 2008 für vorbildliche Nachhaltigkeitsleistungen in Wirtschaft, Kommunen und Forschung vergeben. Mit fünf Wettbewerben, über 800 Bewerbern und ca. 2.000 Gästen zur Abschlussveranstaltung ist er die größte Auszeichnung ihrer Art in Europa.

Die Fachjury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises in der Kategorie Produkte prämierte dieses Jahr jene Produkte, die in einem der fünf Transformationsfelder (Klima, Ressourcen, Natur, Gesellschaft und Wertschöpfungskette) besonders wirksame Beiträge zur nachhaltigen Transformation leisten. Im Fokus standen nicht allein technologische Innovationen, sondern vor allem die nachweisbare Wirkung eines Produkts: In welchem Maße trug es dazu bei, Ressourcen zu schonen, Emissionen zu reduzieren, Kreisläufe zu schließen, soziale Verantwortung zu stärken oder nachhaltige Konsum- und Produktionsweisen zu etablieren? Ergänzend berücksichtigte die Jury Aspekte wie Innovationskraft, Skalierbarkeit, Vorbildfunktion und langfristige Wirkung über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts hinweg. In einem zweistufigen Verfahren identifizierte sie so jene Lösungen, die über ihre eigentliche Funktion hinaus Strahlkraft für Wirtschaft und Gesellschaft entfalten und neue Maßstäbe für nachhaltige Produkte setzen.

Das nachhaltige Färbeverfahren PIGMENTURA der CHT Gruppe wurde in der Kategorie Produkte ausgezeichnet. Unsere COO Dr. Lorenza Sartorelli nahm den Nachhaltigkeitspreis für PIGMENTURA in Düsseldorf von Gregor Steinbrenner, dem Moderator der Preisverleihung am 4.12., entgegen. 

Mit PIGMENTURA hat die CHT Gruppe ein Färbeverfahren entwickelt, mit dem die Ressourceneffizienz in der textilen Wertschöpfungskette deutlich verbessert wird. Durch die Anwendung des Pad-Dry-Verfahrens wird gegenüber konventionellen Färbeverfahren eine Effizienzsteigerung erzielt. Gleichzeitig sinken Energieeinsatz, CO₂-Emissionen, Salzbedarf sowie der Einsatz an Spülwasser, und die Reinigung von Abwasser wird deutlich reduziert. Dies führt zu Einsparungen von sauberem Trinkwasser und leistet einen wichtigen Beitrag zur Transformation einer der ressourcenintensivsten Branchen. 

Die Jury würdigte insbesondere die Effizienzsteigerungen und die damit verbundenen Einsparpotenziale, die nicht nur einzelnen Betrieben zugutekommen, sondern auch in großem Maßstab entlang internationaler Lieferketten wirken können. Solche Fortschritte sind für die Textil- und die Modeindustrie von hoher Relevanz. Mit der Auszeichnung hob die Jury eine Innovation hervor, die eindrucksvoll zeigt, wie durch die Weiterentwicklung bewährter Verfahren substanzielle Fortschritte bei Ressourcenschonung und Umweltschutz in der Textilproduktion möglich sind.

Quelle:

CHT Group