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Die Lokalstoffmacher: Patrick Herter von der Strickerei Edelweiss Jersey, Sebastian Keller und Christian Weiß von der Textilveredlung Keller und Andreas Merkel von der Spinnerei Gebr. Otto. Foto Gebr. Otto Baumwollfeinzwirnerei GmbH + Co. KG
Die Lokalstoffmacher: Patrick Herter von der Strickerei Edelweiss Jersey, Sebastian Keller und Christian Weiß von der Textilveredlung Keller und Andreas Merkel von der Spinnerei Gebr. Otto.
08.01.2026

Domestic Luxuries: Regionale textile Wertschöpfungsketten in Baden-Württemberg

Regionale Wertschöpfung in der Textilindustrie gilt vielen als Kostenfaktor. Das Projekt „Lokalstoffmacher“ aus Baden-Württemberg stellt diese Annahme infrage, wenn Preis, Wertschöpfung und Rückfluss gemeinsam betrachtet werden. Drei Unternehmen haben erstmals eine vollständig regionale Strickstoff-Lieferkette aufgebaut – von der Baumwollfaser bis zum veredelten Stoff. Ziel ist es, Transparenz, Planungssicherheit und neue Absatzpotenziale für regional produzierte Textilien zu schaffen. Die Transportdistanz: 2.300 Kilometer. Der Fokus liegt dabei nicht auf Symbolik, sondern auf wirtschaftlicher Tragfähigkeit und Transparenz entlang der gesamten Lieferkette.

Gesponnen wird die spanische Faser bei Gebr. Otto in Dietenheim bei Ulm, in Albstadt bei Edelweiss Jersey entsteht der Strickstoff und in Öschingen, ebenfalls im Zollernalbkreis, bei der Textilveredlung Keller, bekommt er sein Finishing.

Regionale Wertschöpfung in der Textilindustrie gilt vielen als Kostenfaktor. Das Projekt „Lokalstoffmacher“ aus Baden-Württemberg stellt diese Annahme infrage, wenn Preis, Wertschöpfung und Rückfluss gemeinsam betrachtet werden. Drei Unternehmen haben erstmals eine vollständig regionale Strickstoff-Lieferkette aufgebaut – von der Baumwollfaser bis zum veredelten Stoff. Ziel ist es, Transparenz, Planungssicherheit und neue Absatzpotenziale für regional produzierte Textilien zu schaffen. Die Transportdistanz: 2.300 Kilometer. Der Fokus liegt dabei nicht auf Symbolik, sondern auf wirtschaftlicher Tragfähigkeit und Transparenz entlang der gesamten Lieferkette.

Gesponnen wird die spanische Faser bei Gebr. Otto in Dietenheim bei Ulm, in Albstadt bei Edelweiss Jersey entsteht der Strickstoff und in Öschingen, ebenfalls im Zollernalbkreis, bei der Textilveredlung Keller, bekommt er sein Finishing.

Initiiert hat das Projekt "Lokalstoffmacher" Patrick Herter, Geschäftsführer von Edelweiss Jersey im Frühjahr 2025. Ihm war es wichtig, eine bewusst aufgebaute, stabile Kooperationskette zu etablieren. Mehr Sichtbarkeit für die einzelnen Unternehmen, unterstreicht Sebastian Keller von dem gleichnamigen Unternehmen für Textilveredlung, habe er sich gewünscht. Schließlich liefert jedes der drei Unternehmen nur Zutaten oder bestenfalls ein Zwischenprodukt. „Am Ende geht es darum, werthaltige Aufträge zu generieren“, fasst Christian Weiss zusammen. Er teilt sich mit Sebastian Keller die Geschäftsführung der Textilveredlung.

„Domestic Luxuries“ als Chance im Bekleidungsbereich
Potential für die Strickstoffe der Lokalstoffmacher ist vorhanden, dessen ist sich Andreas Merkel, Geschäftsführer der Spinnerei Gebr. Otto sicher. Er sitzt mit Patrick Herter, Sebastian Keller und Christian Weiß am Besprechungstisch in Albstadt-Lautlingen. Dank der geografischen Nähe ist ein persönliches Treffen der drei Lokaltstoffmacher spontan möglich. Knapp 100 Kilometer liegen zwischen Spinnerei und Strickerei. Die Öschinger Textilveredler könnten ihre 40 Kilometer bis zur Strickerei sogar mit dem Rad zurücklegen. Die Strecke führt, landschaftlich reizvoll, über die Schwäbische Alb, meist zu Füßen der Zollernburg. 

Otto-Geschäftsführer Merkel nennt den Begriff der „Domestic Luxuries“. Er stammt aus einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey und bezeichnet den Wunsch nach lokal hergestellten Gütern. Insbesondere im gehobenen Bekleidungsbereich wünschten sich – und honorierten – Kunden den regionalen Bezug.

Ob sich die Kooperation aus wirtschaftlicher Sicht gelohnt hat, können die drei Partner noch nicht benennen. „Das ist zu früh“, so Patrick Herter. Die Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette gestärkt hat das Projekt auf jeden Fall. „Mit der Spinnerei hatten wir bisher keinen direkten Kontakt, da war immer ein Glied dazwischen“, so Sebastian Keller. 

Öffentliche Auftraggeber als Zielkunden
Patrick Herter verweist auf ähnliche Projekte in Griechenland, mit dem Ziel, die textile Wertschöpfung im Land zu behalten. „Das ist eine globale Tendenz“, stellt Merkel fest und ergänzt: „Es geht uns hier gewiss nicht um Abschottung oder Lokalpatriotismus, sondern um das Bewusstsein, dass an einem lokal hergestellten Produkt auch Arbeitsplätze hängen.“ 

Er sieht deshalb öffentliche Ausschreibungen als zweiten Zielmarkt für Produkte der Lokalstoffmacher. Bisher werden öffentliche Aufträge aus Preisgründen meist außerhalb Deutschlands vergeben. Allerdings sei die zugrundeliegende Preisbetrachtung unvollständig: Andreas Merkel: „Als Hersteller zahlen wir in Deutschland Steuern sowie vielfältige Abgaben und Umlagen. Diesen Block müsste man in einem realistischen Preisvergleich abziehen.“

In der Konsequenz hieße das: „Würden die öffentlichen Auftraggeber ihre Aufträge in Deutschland platzieren, bekämen sie eine sehr hohe Qualität zu wettbewerbsfähigen Preisen.“

Derzeit sprechen kurzfristige Kostenargumente noch häufig dafür, Produkte zu günstigeren Preisen zu importieren. Mit dem zunehmenden Druck auf dem Arbeitsmarkt und steigenden Sozialkosten müsse der Staat, der als öffentlicher Auftraggeber Geld ausgibt so investieren, dass er den bestmöglichen Pay-Back hat. „Der größte volkswirtschaftliche Rückfluss entsteht dort, wo öffentliche Mittel im eigenen Land in Arbeit, Wertschöpfung und Steuereinnahmen zurückfließen.“

Herausforderungen und Ausblick
„Ein Stoff ist erst mal nur ein Zwischenprodukt“, sagt Christian Weiss. „Nun brauchen wir einen Konfektionär, der aus unserem Gestrick ein fertiges Textilprodukt herstellt.“ Auch für eine Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen braucht es einen Partner, der diesen Prozessschritt abdeckt. Einige Kandidaten hat das Lokalstoffmacher-Trio schon, zum Lokalstoffmacher-Quartett ist es bisher nicht gekommen. 

In Zukunft können sich die drei Lokalstoffmacher vorstellen, andere Fasern einzusetzen. „Baumwolle war ein guter und sinnvoller Anfang, um uns als Kooperationspartner zusammenzubringen“, sagt Patrick Herter. „In dieser Konstellation denken wir weiter.“

Quelle:

Gebr. Otto Baumwollfeinzwirnerei GmbH + Co. KG 

Die neue EvoHeater-Technologie der eFK EvoSmart mit patentiertem Heizerdesign garantiert höchste Garnqualität bei bis zu 45 % Energieeinsparung, was sich direkt auf die Betriebskosten auswirkt. Foto: Oerlikon Barmag
Die neue EvoHeater-Technologie der eFK EvoSmart mit patentiertem Heizerdesign garantiert höchste Garnqualität bei bis zu 45 % Energieeinsparung, was sich direkt auf die Betriebskosten auswirkt.
08.01.2026

Barmags neue Texturiermaschine überzeugt Garnhersteller

Seit ihrer Premiere auf der ITMA Asia + CITME 2025 hat die eFK EvoSmart Texturiermaschine weltweit Garnhersteller überzeugt, die auf energieeffiziente und wirtschaftliche Produktionsprozesse setzen. Bereits 84 Maschinen wurden verkauft – darunter nach Indonesien und China sowie in die Türkei.
 
eFK EvoSmart: Maßstäbe in Effizienz und Produktivität  
„Energieeffizienz und höchste Qualität sind entscheidende Faktoren für die erfolgreiche Garnproduktion“, erklärt Dr. Wolfgang Ernst, Head of Sales bei Barmag. „Mit der eFK EvoSmart setzen wir hier neue Maßstäbe: Intelligente Technologien und ein deutlich reduzierter Wartungsaufwand ermöglichen unseren Kunden eine zukunftssichere Fertigung, die Qualität und Wirtschaftlichkeit auf ein neues Niveau hebt“, erläutert er weiter.

Seit ihrer Premiere auf der ITMA Asia + CITME 2025 hat die eFK EvoSmart Texturiermaschine weltweit Garnhersteller überzeugt, die auf energieeffiziente und wirtschaftliche Produktionsprozesse setzen. Bereits 84 Maschinen wurden verkauft – darunter nach Indonesien und China sowie in die Türkei.
 
eFK EvoSmart: Maßstäbe in Effizienz und Produktivität  
„Energieeffizienz und höchste Qualität sind entscheidende Faktoren für die erfolgreiche Garnproduktion“, erklärt Dr. Wolfgang Ernst, Head of Sales bei Barmag. „Mit der eFK EvoSmart setzen wir hier neue Maßstäbe: Intelligente Technologien und ein deutlich reduzierter Wartungsaufwand ermöglichen unseren Kunden eine zukunftssichere Fertigung, die Qualität und Wirtschaftlichkeit auf ein neues Niveau hebt“, erläutert er weiter.

Die Resonanz des Marktes auf die eFK EvoSmart zeigt, wie groß das Interesse der Garnproduzenten an energieoptimierten und wartungsfreundlichen Lösungen ist. Besonders die Kombination aus der innovativen EvoHeater Heiztechnologie und den Einzelumrichter-gesteuerten Smart Godets überzeugt: Sie ermöglicht eine signifikante Reduktion des Energieverbrauchs – mit Einsparpotenzialen von 25% pro Kilogramm Garn.

Mit ihrer EvoHeater Bauweise, die die bislang aufwändige Heizerreinigung vereinfacht und die trotz geschlossenem Heizer das Handling für das Bedienpersonal wesentlich erleichtert sowie die Wartungsintervalle verdoppelt, setzt die eFK EvoSmart neue Maßstäbe. Das Ergebnis ist bis zu 50% weniger Wartungsaufwand, höhere Anlagenverfügbarkeit und gesteigerte Produktivität. Die gleichbleibende Performance der eFK EvoSmart sorgt für reibungslose Abläufe und beste Ergebnisse in der Weiterverarbeitung in Weberei, Strickerei oder Veredelung.

„Mit der eFK EvoSmart bieten wir unseren Kunden eine Lösung, die ihre Betriebskosten nachhaltig senkt und gleichzeitig zukünftige Effizienzanforderungen erfüllt bei gleichbleibend höchster Garnqualität“, fasst Wolfgang Ernst zusammen.

Quelle:

Oerlikon Textile GmbH & Co. KG

Autoloop Grafik: Pablo Fehn-Haenisch
Autoloop
06.01.2026

EU-Projekt erforscht Sortier-, Tracing-, und Recyclingtechnologien für Textilabfälle

Eine europäische Forschungsinitiative unter der Leitung von Fraunhofer UMSICHT sucht integrierte Lösungen für das Recycling von Textilabfällen. Das Projekt AUTOLOOP will ein System aufbauen, mit dem bis zum Jahr 2050 jährlich 1,24 Millionen Tonnen Textilabfälle verwertet und potenziell über 130.000 Arbeitsplätze in der gesamten EU geschaffen werden könnten. Dafür werden automatisierte Sortier-, Rückverfolgungs- und Closed-Loop-Recyclingtechnologien für Textilien auf Polyesterbasis entwickelt, getestet und in einem Kreislauf integriert, um die dringende Herausforderung der Textilabfallentsorgung anzugehen.

Der Projekt-Kick-Off mit allen europäischen Partnern fand Ende Oktober '25 bei Fraunhofer UMSICHT in Sulzbach-Rosenberg statt. 

Eine europäische Forschungsinitiative unter der Leitung von Fraunhofer UMSICHT sucht integrierte Lösungen für das Recycling von Textilabfällen. Das Projekt AUTOLOOP will ein System aufbauen, mit dem bis zum Jahr 2050 jährlich 1,24 Millionen Tonnen Textilabfälle verwertet und potenziell über 130.000 Arbeitsplätze in der gesamten EU geschaffen werden könnten. Dafür werden automatisierte Sortier-, Rückverfolgungs- und Closed-Loop-Recyclingtechnologien für Textilien auf Polyesterbasis entwickelt, getestet und in einem Kreislauf integriert, um die dringende Herausforderung der Textilabfallentsorgung anzugehen.

Der Projekt-Kick-Off mit allen europäischen Partnern fand Ende Oktober '25 bei Fraunhofer UMSICHT in Sulzbach-Rosenberg statt. 

Die europäische Textil- und Bekleidungsindustrie beschäftigt 1,3 Millionen Menschen und erwirtschaftet jährlich rund 170 Milliarden Euro. Allerdings fallen dabei jedes Jahr 10,9 Millionen Tonnen Textilabfälle an, von denen derzeit weniger als 1 Prozent durch geschlossene Kreislaufprozesse zu neuen Textilien recycelt werden. „Die Textilindustrie befindet sich an einem kritischen Punkt“, erklärt Dr. Thomas Fehn, Koordinator von AUTOLOOP bei Fraunhofer UMSICHT. „Dieses Projekt steht für einen Paradigmenwechsel von Abfall zu Ressource, indem ausrangierte Kleidung in wertvolle Rohstoffe für neue Kleidungsstücke umgewandelt wird.“

Technologische Ansätze und Arbeitspakete
AUTOLOOP integriert mehrere technologische Innovationen für das vollständige Recycling von Textilien auf Polyesterbasis (PET), die von den Projektpartnern weiterentwickelt und validiert werden:

  • KI-gestützte Sortierung: Das Sortierverfahren von ZORITEX identifiziert mithilfe von hyperspektraler Nahinfrarot-Technologie über 15 verschiedene Fasertypen und deren Mischungen. Dieser automatisierte Ansatz könnte den Sortierdurchsatz verzehnfachen und gleichzeitig die Kosten um 50 bis 75 % senken.
  • Recycling von Zellulosefasern: Das Ioncell®-Verfahren von AALTO nutzt innovative ionische Flüssiglösungsmittel, um Zellulosefasern aus Textilgemischen zu extrahieren, und erreicht dabei Recyclingquoten von über 95 % ohne schädliche Chemikalien.
  • Chemisches Recycling: Die von Fraunhofer UMSICHT und SKZ entwickelte ReSyn-Technologie depolymerisiert synthetische Fasern in hochreine Basischemikalien (rTPA) für die Herstellung neuer Materialien und arbeitet selbst bei kontaminierten Textilien effizient.
  • Intelligente Faserverfolgung: Die IntegriTEX®-Technologie von TLX bettet unsichtbare Identifikatoren in Fasern ein und ermöglicht so eine kontaktlose Erkennung und vollständige Transparenz der Lieferkette.
  • Digitale Integration: Der cloudbasierte Data Hub von TEXROAD standardisiert das Informationsmanagement über den gesamten Lebenszyklus hinweg und gewährleistet die Einhaltung neuer Regularien wie dem Digital Product Passport.

Erwartete Ergebnisse bis 2050
Bei erfolgreicher Skalierung könnte der integrierte Ansatz von AUTOLOOP Folgendes bewirken:

  • Jährlich 1,24 Millionen Tonnen Textilabfälle recyceln.
  • Eine Materialrückgewinnungsquote von 96 % erreichen.
  • Über 130.000 neue grüne Arbeitsplätze in der gesamten EU schaffen.
  • Die Kosten für die kommunale Abfallentsorgung senken (derzeit 60 bis 110 EUR pro Tonne).
  • Die Abhängigkeit der Textilindustrie von fossilen Rohstoffen deutlich verringern.

Europäische Perspektive
Das Projekt vereint 14 Partner aus sieben Ländern und verbindet Forschungseinrichtungen mit Industriepartnern. Zum Konsortium gehören ZORITEX (Großbritannien), die AALTO-Universität (Finnland), Fraunhofer UMSICHT (Deutschland), TLX (Deutschland) und TEXROAD (Niederlande), ELT (Großbritannien), TRASBORG (Dänemark), VTT (Finnland), SKZ (Deutschland), S4L (Großbritannien), LEEDS (Großbritannien), NORION (Dänemark), TEMASOL (Schweiz) und LGI (Frankreich). 

Ausblick
Angesichts der Weiterentwicklung der europäischen Regulatorik zur Abfallwirtschaft und einer steigenden Nachfrage nach nachhaltigen Textilien bietet AUTOLOOP eine technologische Grundlage für geschlossene Kreisläufe in der Textilindustrie. Das Projekt zeigt, wie mittels fortschrittlicher Sortier-, Tracking-, und Recyclingtechnologien der Übergang von linearen zu zirkulären Produktionsmodellen gelingen kann. AUTOLOOP wird im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms „Horizont 2020“ der Europäischen Union unter der Fördervereinbarung Nr. 101181624 gefördert.

Quelle:

Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Multifilamentgarne hergestellt aus recycliertem PET © Fraunhofer IAP
Multifilamentgarne hergestellt aus recycliertem PET
06.01.2026

Kunststoff-Rezyklate & Biopolymere als Rohstoff für Fasern und Folien

Ist es möglich, aus bisher ungenutzten Abfallströmen Kunststoffrezyklate zu gewinnen, um hochwertige Fasern und Folien herzustellen? Wie gelingt es, biobasierte Polymerfasern mit einstellbarer Bioabbaubarkeit herzustellen? Mit diesen Fragen befassen sich Forschende des Fraunhofer Cluster of Excellence Circular Plastics Economy CCPE im Projekt Zirk-Tex. Gemeinsam entwickeln sie ergänzend zu mechanischen Verfahren innovative Recyclingmethoden, um nachhaltige Dachbahnen und Geokunststoffe herzustellen. Dabei untersuchen sie die komplette Wertschöpfungskette im Pilotmaßstab.

Ist es möglich, aus bisher ungenutzten Abfallströmen Kunststoffrezyklate zu gewinnen, um hochwertige Fasern und Folien herzustellen? Wie gelingt es, biobasierte Polymerfasern mit einstellbarer Bioabbaubarkeit herzustellen? Mit diesen Fragen befassen sich Forschende des Fraunhofer Cluster of Excellence Circular Plastics Economy CCPE im Projekt Zirk-Tex. Gemeinsam entwickeln sie ergänzend zu mechanischen Verfahren innovative Recyclingmethoden, um nachhaltige Dachbahnen und Geokunststoffe herzustellen. Dabei untersuchen sie die komplette Wertschöpfungskette im Pilotmaßstab.

Fraunhofer CCPE – auf dem Weg zur zirkulären Kunststoffwirtschaft
Der Umgang mit Kunststoff muss sich grundlegend ändern. Der Weg zu einer zirkulären Kunststoffwirtschaft, in der weniger fossile Ressourcen entnommen und Produkte länger genutzt werden, ist alternativlos. An dieser Stelle setzt das Cluster Fraunhofer CCPE an. Sechs Fraunhofer-Institute erforschen, wie sich Produkte zirkulär gestalten lassen und wie Plastikmüll in wertvolle Ressourcen verwandelt werden kann. Zum Cluster gehören die Fraunhofer-Institute für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT, für Angewandte Polymerforschung IAP, für Chemische Technologie ICT, für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF, für Materialfluss und Logistik IML, für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV.

Der Markt für recycelte Kunststoffe, insbesondere Polypropylen (PP) und Polyethylenterephthalat (PET), hat noch viel Potenzial. Die Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen wächst, doch die Qualität der verfügbaren Rezyklate muss steigen. Viele Recyclingprozesse scheitern an Störstoffen, die die Aufbereitung erschweren. In der Folge können Rezyklate bislang oftmals nicht mit Neuware konkurrieren. Dies wollen die sechs Institute des Cluster Fraunhofer CCPE gemeinsam mit den Fraunhofer-Instituten für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME und für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB widerlegen und ändern. Im Projekt Zirk-Tex (kurz für zirkuläre textile Flächengebilde) beantworten sie die Frage, ob es möglich ist, aus bisher nicht verwendeten Kunststoffabfällen recycelte Kunststoffe für hochwertige Folien, Vliese und Fasern herzustellen, die sich zu Dachbahnen weiterverarbeiten lassen. In Europa werden jährlich mehrere hundert Millionen Quadratmeter Dachunterdeckungen verlegt.

Gleichzeitig haftet Biopolymeren oft noch der Makel an, dass sie für anspruchsvolle technische Anwendungen nicht die notwendigen Eigenschaften besitzen. Im zweiten Use Case des Vorhabens ist es den Projektpartnern gelungen, aus Biopolymeren – konkret aus Polylactid (PLA) und Polybutylensuccinat (PBS) – schadstofffreie Fasern zur Herstellung bioabbaubarer Geotextilien herzustellen, deren Abbau in der Umwelt einstellbar ist. Solche bioabbaubaren Textilstoffe werden beispielsweise zur temporären Stabilisierung von Hängen und Uferböschungen oder für das Anlegen von Baustraßen benötigt.

Dachbahnen aus PP und PET wirtschaftlich herstellen
„Es ist weniger problematisch, aus Kunststoffrezyklaten beispielsweise Spritzgussbauteile zu produzieren. Aber daraus textile Produkte wie Vliese für Dachbahnen zu fertigen, ist wesentlich schwieriger, da Fadenbildungsprozesse sehr hohe Anforderungen an die Rezyklate stellen. Das Ausgangsmaterial muss homogen und komplett frei von Verunreinigungen sein, um gleichmäßig durch feinste Kapillare extrudiert zu werden und nach der Extrusion teilweise sehr hohen Zugkräften standzuhalten“, erläutert Dr. Evgueni Tarkhanov, Wissenschaftler am Fraunhofer IAP, die Herausforderung. „Für die Produktion ist die Verarbeitungsstabilität das A und O.“ Kleinste Schmutzpartikel oder geringfügige Anteile von Fremdpolymeren in extrudierten Filamenten stellen Fehlstellen der Spinnmasse dar und erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Filamentabrissen im Herstellungsprozess. Das erneute Auflegen der Filamentbündel auf die Fadenleitorgane kostet Zeit und kann teilweise die Abschaltung der Produktionsmaschinen zur Folge haben, was mit immensen Kosten einhergeht.

Komplette Wertschöpfungskette neu denken
„Um die Dachbahnen aus Post-Consumer-Abfällen herzustellen, sind wir in der Lage, die gesamte Prozesskette für PP und PET im Pilotmaßstab abzubilden: von der Betrachtung der Sortierung (Fraunhofer IOSB) über innovative Recyclingmethoden (Fraunhofer ICT und Fraunhofer IVV) bis hin zur Anwendung. Durch Recycling geeigneter Altkunststoffe entsteht ein Granulat bzw. Compound, das additiviert (Fraunhofer LBF) und dann per Formgebung durch Verspinnen zu Vliesen, Folien oder Membranen weiterverarbeitet wird“, fasst Dr. Christian Schütz, Projektleiter und Wissenschaftler am Fraunhofer LBF, den Ablauf zusammen. Dabei hat das Forscherteam das Potenzial von zwei Recyclingverfahren bewertet: Die PET-Fraktion wurde einer Glykolyse, einem chemischen Recyclingverfahren mit anschließender Repolymerisation unterzogen, während sowohl PP- als auch PET-Fraktionen mittels eines lösungsmittelbasierten Recyclings zurückgewonnen wurden, bei dem eine Aufreinigung erfolgt. Die Rückstände beider Recyclingverfahren wurden durch Pyrolyse weiterverwertet (Fraunhofer UMSICHT). Begleitet wurden die praktischen Arbeiten durch ein Life Cycle Assessment (Fraunhofer UMSICHT) und eine Stoffstromanalyse verfügbarer Materialströme (Fraunhofer IML).

Innovative Recyclingverfahren für sortenreine Rezyklate
Mit dem lösungsmittelbasierten Recyclingverfahren des Fraunhofer IVV konnte das Forscherteam PP von unerwünschten Polymeren und Additiven trennen, wodurch ein nahezu sortenreines Material entstand. Der Abfallstrom enthielt 33 Prozent PP und 67 Prozent Fremdkunststoffe. Nach dem Prozess war Polyethylen (PE) mit einem Anteil von weniger als 2 Prozent das einzige signifikante unerwünschte Polymer. Die Stabilität des PP-Rezyklats (rPP) gewährleistete das Team auch bei hohen Temperaturen während der Verarbeitung. Das gewonnene rPP wurde anschließend am Fraunhofer IAP zu einem Multifilament-Garn versponnen. „Durch die richtige Additivierungsstrategie ist es uns zudem gelungen, die Verarbeitungsstabilität sowohl von PP- als auch von PET-Rezyklaten deutlich zu verbessern“, so Schütz.

Für die Glykolyse von PET, ausgeführt am Fraunhofer ICT, verwendeten die Forschenden PET-Schalen mit 13 Prozent unerwünschten Fremdstoffen. Die Glykolyse ist eine Form der Solvolyse, bei der Ethylenglykol zur Depolymerisation von PET zu Bis(2-hydroxyethyl)terephthalat (BHET) verwendet wird. „Bei der Solvolyse werden die Kunststoffe durch den Einsatz eines Depolymerisations-Reagenzes gezielt in ihre jeweiligen Monomere gespalten“, sagt Schütz. Das entstandene BHET wurde am Fraunhofer IAP zu rPET repolymerisiert und auf einer Pilot-Schmelzspinnanlage zu einem Multifilamentgarn mit 48 Filamenten verarbeitet. Darüber hinaus konnte die Forscherinnen und Forscher zeigen, dass sich dieselbe PET-Fraktion durch ein lösungsmittelbasiertes Recyclingverfahren recyceln lässt. „Sowohl aus PP als auch aus PET konnten wir Fasern für die Herstellung von Vliesstoffen gewinnen, PP zusätzlich auch für die Membranproduktion“, resümiert Tarkhanov.

In der Pyrolyse von Rückständen aus dem lösemittelbasierten Recyclingprozess der PP-Fraktionen wurden ein hoher Pyrolysegasanteil und geringer Koksanteil erhalten. Aus den Rückständen der Solvolyse von PET-Fraktionen konnte Pyrolyseölfraktionen mit hohen Ölanteilen sowie geringen Koksanteilen gewonnen werden. Die Produkte aus beiden Rohstoffströmen lassen sich vielversprechend weiterverwerten.

Zudem ergaben die begleitenden Arbeiten, dass geeignete und ausreichende Mengen an PP und PET vorhanden sind, aber die Logistik und Sortierung für den Zugriff darauf noch aufgebaut werden muss. Die aggregierten Ergebnisse der LCA zeigten, dass die Wertschöpfungskette des Fraunhofer-CCPE-Verfahrens sowohl für Biopolymere als auch für Rezyklate eine bessere Klimabilanz aufweist als die Verwendung von Neukunststoffen. „Wir konnten erfolgreich zeigen, dass auch bislang ungenutzte Stoffströme zur Herstellung hochqualitativer Werkstoffe auf Rezyklatbasis eine reale Option darstellen“, fasst Schütz diesen Teil des Projekts zusammen.

Bioabbaubare Geotextilien aus PLA und PBS
Ist es möglich, Kunststoffe für den Landschaftsbau aus biobasierten Polymeren (PLA und PBS) herzustellen? Können Produkte ohne Umweltprobleme und mit kontrolliertem Abbau hergestellt werden? Wie kann man sicherstellen, dass PLA und PBS während der Nutzung stabil bleiben und sich danach schnell und vollständig abbauen? Diesen Fragen widmet sich das Fraunhofer CCPE im zweiten Use Case des Projekts, das sich auf Geotextilien konzentriert, die für eine kurzfristige Anwendung von weniger als zehn Jahre konzipiert sind und sich daher schnell abbauen müssen. Im Fokus standen die Abbaubarkeit und Ökotoxizität der Biokunststoffe, wobei die Tests mit PLA- und PBS-Neuware durchgeführt wurden. Um die Abbaubarkeit zu prüfen, lagerten die Projektpartner Fasern zweier PBS- und dreier PLA-Typen 25 Wochen lang am Fraunhofer UMSICHT bei 40 Grad Celsius und 90 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit in feuchter Erde. Durch maßgeschneiderte Additive des Fraunhofer LBF gelang es den Forschenden, Zeitpunkt und Verlauf des Abbaus der PLA- und PBS-Fasern einzustellen, signifikant zu beschleunigen und in Zerfallstests nachzuweisen, andererseits aber die Materialeigenschaften bis zum Einsetzen des Abbaus weitgehend zu erhalten. Schütz: „Sowohl für PLA als auch für PBS konnten wir Fasern mit kontrolliertem und einstellbarem Abbauverhalten herstellen. Die Ökotoxizitätstests durch das Fraunhofer IME haben keine Hinweise auf besorgniserregende Effekte gezeigt. Es ergibt sich durch unsere Ergebnisse eine konkrete Entwicklungsperspektive für Geotextilien für lebensnahe Anwendungen, die wir nun gemeinsam mit Industriepartnern weiterverfolgen möchten.“
 
Aufgaben der Partner im Projekt:

  • Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT: Untersuchung der Abbauprozesse für die Biopoylmere, Pyrolyse der Restfraktionen aus den eingesetzten Recyclingprozessen
  • Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP: Polymerisation von rPET aus BHET, Durchführung von Spinnprozessen
  • Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT: Chemisches Recycling – Depoly-merisation von PET zu BHET aus recycelten Stoffströmen
  • Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF: Projektleitung, Entwicklung von Additivpaketen für Rezyklate und Biopolymere, Compoundierung
  • Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML: Auswahl geeigneter Rohstoffquellen
  • Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV: Entwicklung und Durchführung des lösemittelbasierten Recyclings
  • Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME: Ökotoxikologische Bewertung
  • Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB: auf Maschinellem Lernen basierende Sortierung für PET aus Textilien
© Alcova/Messe Frankfurt
05.01.2026

Heimtextil 2026: Künstliche Intelligenz im Fokus

Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Textilindustrie rasant – von Kreation und Produktion bis zu Pricing, Vertrieb und Kommunikation. Wie wird KI erfolgreich eingesetzt und wo stiftet sie Mehrwert? Diese Fragen greift die Heimtextil vom 13. bis 16. Januar 2026 auf: Das Programm rund um das Zukunftsfeld KI soll die globale Branche stärken und neue Business-Chancen sowie konkrete Anwendungen für Design, Handel, Industrie, (Innen-)Architektur, Raum- und Objektausstattung bieten. Zu den Highlights zählen die Heimtextil Trends 26/27 von Alcova, die Design-Installation von Patricia Urquiola sowie der Live-Talk mit KI-Pionier Tim Fu.

KI beschleunigt kreative Prozesse und verändert Arbeitsweisen entlang der gesamten textilen Wertschöpfung – vom Designentwurf, der Materialvisualisierungen, über Datenmigration und tägliche Workflows bis zur Umsetzung neuer Produkte und Konzepte. Die Heimtextil 2026 macht diese Entwicklungen sichtbar und bringt Expert*innen zusammen, die zeigen, wie KI konkret eingesetzt wird und welche Potenziale sie der Branche eröffnet. 

Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Textilindustrie rasant – von Kreation und Produktion bis zu Pricing, Vertrieb und Kommunikation. Wie wird KI erfolgreich eingesetzt und wo stiftet sie Mehrwert? Diese Fragen greift die Heimtextil vom 13. bis 16. Januar 2026 auf: Das Programm rund um das Zukunftsfeld KI soll die globale Branche stärken und neue Business-Chancen sowie konkrete Anwendungen für Design, Handel, Industrie, (Innen-)Architektur, Raum- und Objektausstattung bieten. Zu den Highlights zählen die Heimtextil Trends 26/27 von Alcova, die Design-Installation von Patricia Urquiola sowie der Live-Talk mit KI-Pionier Tim Fu.

KI beschleunigt kreative Prozesse und verändert Arbeitsweisen entlang der gesamten textilen Wertschöpfung – vom Designentwurf, der Materialvisualisierungen, über Datenmigration und tägliche Workflows bis zur Umsetzung neuer Produkte und Konzepte. Die Heimtextil 2026 macht diese Entwicklungen sichtbar und bringt Expert*innen zusammen, die zeigen, wie KI konkret eingesetzt wird und welche Potenziale sie der Branche eröffnet. 

KI von der Bühne in die Praxis
Zentraler Wissens-Hub ist die Texpertise Stage in Halle 6.0. Hier bündelt die Heimtextil ein Content-Programm und übersetzt technologische Innovation in konkrete Praxisimpulse. Zu den Highlights zählt der Live-Talk mit Tim Fu: Der Londoner Architekt und KI-Pionier diskutiert mit Simon Keane-Cowell, Chefredakteur Architonic, über Raumgestaltung im Zeitalter der KI. Am ersten Messetag spricht Anja Bisgaard Gaede (Gründerin Spott trends & business aps) über Workflows, Datenintegration und die textile Zukunft mit KI. Elisabeth Ramm (Atelier Brückner) gibt Einblicke zu KI und Materialien im Ausstellungsdesign. Martin Auerbach (Verband Deutscher Heimtextilien) erklärt anhand von Beispielen, wie KI im Arbeitsalltag zum Einsatz kommt und wie Unternehmen sie gewinnbringend in tägliche Workflows integrieren können. Schlafexperte Markus Kamps moderiert zum Megatrend Schlaf und Technologie eigene Themenblöcke mit zahlreichen Gästen. Im Talk Spot der Halle 12.0 spricht Architonic mit dem Aussteller Oriental Weavers zu Teppichen zwischen Handwerk und globaler Produktion.

Heimtextil Trends 26/27: KI-Impulse für Design, Handel und Industrie
Wie lassen sich KI-gestützte Designprozesse und traditionelles Textilhandwerk verbinden? Die Heimtextil Trends 26/27 liefern unter dem Leitmotiv „Craft is a verb“ Antworten und geben Orientierung für die kommende Saison. In der Trend Arena in Halle 6.1 zeigt die Designplattform Alcova in sechs Stilrichtungen, wie Hightech und Handwerk zusammenwirken. Sichtbar wird das Zusammenspiel in einer vibrierenden Farbpalette, in der „Glitches“, unerwartete digitale Störungen und radikale, synthetische Akzente die natürliche Farbwelt gezielt durchbrechen. Tägliche Talks und Tours mit den Expert*innen übersetzen die Trendthemen in konkrete Business-Impulse.
 
„among-all“: KI-generiertes Designerlebnis von Patricia Urquiola 
Was passiert, wenn wir selbst Teil KI-basierter Kreation werden? Dieser Frage geht Patricia Urquiola in ihrer Installation „among-all“ (Halle 3.0) nach. Die Designerin verbindet dabei futuristische textile Elemente, nachhaltige Materialien sowie neue KI-Technologien. „among-all“ zeigt, wie Textilien als transformative und intelligente Materialien fungieren und bindet die Besucher*innen aktiv in die räumliche Inszenierung ein. Im Live-Talk spricht die Designikone am 14.01.2026 auf der Texpertise Stage über ihren visionären Ansatz. Tägliche Führungen machen das Interior Design von morgen erlebbar.

KI als Kreativpartner für das Objektgeschäft 
Mit Interior.Architecture.Hospitality bietet die Heimtextil Entscheider*innen aus (Innen-) Architektur, Hospitality und Objektgeschäft ein maßgeschneidertes Programm. Im fachspezifischen Talk Spot der Halle 3.1 spricht Mauro Brigham (Gründer ncbham) darüber, warum Design niemals stillsteht. Helen Häkli (freie Architektin bdia) zeigt, wie KI als Kreativpartner in der Innenarchitektur zum Einsatz kommt. Weitere spezialisierte Vorträge, unter anderem von Corinna Kretschmar-Joehnk (JOI-Design) und Robin Hepp (Kids Studio), ergänzen das umfangreiche Hospitality-Programm.

Neue Möglichkeiten für Handwerk und Raumausstattung 
Was KI konkret für die Inneneinrichtung und das Handwerk leisten kann, zeigt KI-Profi Alexander Ligowski auf der Bühne des DecoTeams (Halle 3.0). Anhand ausgewählter Beispiele liefert er praxisnahe Einblicke in KI-gestützte Innenraumgestaltung – von Raum- und Farbkonzepten, über Verkaufsunterstützung, Textgenerierung für Social Media bis hin zur Angebotsoptimierung.

New Talents Area: Perspektiven der nächsten Designgeneration 
Wie geht die nächste Designgeneration mit KI-Technologie um? Einen aktuellen Einblick bietet 2026 das Debüt der „New Talent Area“ in Halle 6.1. Die kuratierte Ausstellung präsentiert junge Design-Talente aus aller Welt und ermöglicht den direkten Austausch mit internationalen Newcomern. 

Quelle:

Messe Frankfurt

21.12.2025

Verbandmittel-Erstattung: „Sonstige Produkte zur Wundbehandlung“ bis Ende 2026 uneingeschränkt erstattungsfähig

Die „sonstigen Produkte zur Wundbehandlung“ sind bis Ende 2026 weiterhin uneingeschränkt in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erstattungsfähig. Eine entsprechende Fristverlängerung hat nach dem Bundestag heute auch der Bundesrat mit einem Änderungsantrag zum nun verabschiedeten Pflegebefugnis-Erweiterungsgesetz (BEEP) zugestimmt. Darüber informiert der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed).

„Um im Markt bestehende Unsicherheiten bei der Verordnung der sogenannten sonstigen Produkte zur Wundbehandlung zu beseitigen, weisen wir darauf hin, dass diese Produkte bis Ende 2026 wie bisher erstattungsfähig sind. Durch die gesetzlich verlängerte Übergangsfrist ändert sich bis dahin nichts in der Verordnungspraxis“, so BVMed-Wundexpertin Juliane Pohl. Über die aktuell geltenden Regelungen zur Verordnung und Erstattung von Verbandmitteln informiert der BVMed in einem Infoblatt unter www.bvmed.de/factsheet-wundversorgung. 

Die „sonstigen Produkte zur Wundbehandlung“ sind bis Ende 2026 weiterhin uneingeschränkt in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erstattungsfähig. Eine entsprechende Fristverlängerung hat nach dem Bundestag heute auch der Bundesrat mit einem Änderungsantrag zum nun verabschiedeten Pflegebefugnis-Erweiterungsgesetz (BEEP) zugestimmt. Darüber informiert der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed).

„Um im Markt bestehende Unsicherheiten bei der Verordnung der sogenannten sonstigen Produkte zur Wundbehandlung zu beseitigen, weisen wir darauf hin, dass diese Produkte bis Ende 2026 wie bisher erstattungsfähig sind. Durch die gesetzlich verlängerte Übergangsfrist ändert sich bis dahin nichts in der Verordnungspraxis“, so BVMed-Wundexpertin Juliane Pohl. Über die aktuell geltenden Regelungen zur Verordnung und Erstattung von Verbandmitteln informiert der BVMed in einem Infoblatt unter www.bvmed.de/factsheet-wundversorgung. 

Der Änderungsantrag zum BEEP-Gesetz sieht neben der Verlängerung der Übergangsfrist zur Verbandmitteldefinition bis zum 31. Dezember 2026 in der Begründung zudem ein weiteres Gesetzgebungsverfahren vor. Dabei soll der Begriff Verbandmittel so definiert werden, „dass langfristig eine Versorgung mit notwendigen Verbandmitteln und Wundbehandlungsprodukten sichergestellt ist“, heißt es in der Begründung zum nunmehr beschlossenen Änderungsantrag. 

Produktkategorien der Wundversorgung
Der Gesetzgeber und die Abgrenzungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) teilt mit der Einführung der neuen Verbandmitteldefinition Wundversorgungsprodukte in drei Kategorien ein:

  • Teil 1: Eineindeutige Verbandmittel, also klassische Verbandmittel, die bedecken, aufsaugen, stabilisieren oder komprimieren. Darunter fallen sterile und unsterile Verbandstoffe, Kompressionsbinden und Saugkompressen.
  • Teil 2: Verbandmittel mit ergänzenden Eigenschaften. Sie zeichnen sich durch eine über die Verbandmittel-Eigenschaft hinausgehende Wirkung aus, indem sie die Wunde feucht halten, Wundexsudat, Gerüche oder Keime binden, antiadhäsiv bzw. atraumatisch wechselbar sind, reinigen, antimikrobiell oder bakterienbindend sind.
  • Teil 3: Sonstige Produkte zur Wundbehandlung (sPzW). Sie können eine ergänzende therapeutische Wirkung entfalten, etwa durch pharmakologische, immunologische oder metabolische Wirkungen. sPzW gehen damit über die Verbandmitteleigenschaft in Teil (1) und (2) hinaus.

Diese Regelung gilt seit einer Gesetzesänderung aus dem Jahr 2019 sowie einer Änderung der Arzneimittel-Richtlinie durch den G-BA Ende 2020. 

Verbandmittel sowie sonstige Produkte zur Wundbehandlung werden über das Muster 16-Formular verordnet. Sie unterliegen nicht der Substitution (aut-idem-Regelung) und auch nicht der Importquote. 

BVMed-Wundexpertin Juliane Pohl: „Mit der gesetzlichen Fristverlängerung haben verordnende Ärzt:innen, Apotheken und Krankenkassen endlich wieder Klarheit beim Thema Wundversorgung. Damit ist die Versorgungslücke bei Menschen mit chronischen Wunden geschlossen und die ärztliche Therapiefreiheit gesichert.“

Quelle:

Bundesverband Medizintechnologie BVMed

Messe Frankfurt: Künstliche Intelligenz künftig im Fokus der internationalen Textil- und Bekleidungsmessen Mohammad Usman, Pixabay
18.12.2025

Messe Frankfurt: Künstliche Intelligenz künftig im Fokus der internationalen Textil- und Bekleidungsmessen

Unter dem Motto „Texpertise Focus AI“ stellt die Messe Frankfurt ab 2026 auf ihren internationalen Messen für die Textil- und Bekleidungsindustrie den verantwortungsvolle Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) entlang der gesamten textilen Wertschöpfungskette in den Mittelpunkt: von der Faser bis zum Point of Sale. Start ist die Heimtextil in Frankfurt im Januar 2026.

Unter dem Motto „Texpertise Focus AI“ stellt die Messe Frankfurt ab 2026 auf ihren internationalen Messen für die Textil- und Bekleidungsindustrie den verantwortungsvolle Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) entlang der gesamten textilen Wertschöpfungskette in den Mittelpunkt: von der Faser bis zum Point of Sale. Start ist die Heimtextil in Frankfurt im Januar 2026.

Die Textil- und Bekleidungsindustrie befindet sich im Umbruch: Künstliche Intelligenz verändert Arbeitsprozesse, ermöglicht neue Geschäftsmodelle und eröffnet Lösungen für Nachhaltigkeit, effiziente Wertschöpfungsketten und den Fachkräftemangel der Branche. Kommerzielle Marktanalysen schätzen den weltweiten Markt für KI in der Textilindustrie bis 2033 auf rund 21 Milliarden US-Dollar, rund zehnmal mehr als im Jahr 2023. Laut Eurostat nutzten 2024 bereits 13,5 Prozent der europäischen Industrieunternehmen KI, darunter auch zahlreiche Unternehmen der Textilindustrie. Unter der kommunikativen Klammer „Texpertise Focus AI“ bündelt die Messe Frankfurt auf ihren internationalen Messen für die Textil- und Bekleidungsindustrie ab 2026 Anwendungen ihrer Aussteller und Contentformate zum Thema Künstliche Intelligenz. 
 
Künstliche Intelligenz als Fokusthema 
„Texpertise Focus AI“ macht ab 2026 KI-Themen auf den Textilmessen der Messe Frankfurt stärker sichtbar und erlebbar. Dazu gehören beispielsweise kuratierte Contentformate wie Paneldiskussionen, geführte Touren und Live-Demonstrationen mit internationalen Expert*innen der Branche. Darüber hinaus präsentieren viele ausstellende Unternehmen Lösungen rund im KI. 
 
Das Thema KI findet auf der Heimtextil vom 13. bis 16. Januar 2026 in Frankfurt am Main in zahlreichen Beiträgen des Rahmenprogramms statt, online filterbar unter „Texpertise Focus AI“. Am 14. Januar um 15 Uhr ist unter anderem der international bekannte Vordenker für KI im Design Tim Fu im Architonic Livetalk zu Gast. Unter dem Titel „Woven intelligence: designing spaces in the era of AI“ spricht Fu darüber, wie künstliche Intelligenz für eine sinnvolle Zusammenarbeit zwischen Architektur und Innenarchitektur genutzt werden kann, um Räume zu gestalten, die Handwerkskunst mit Computertechnik verbinden. 
 
Potenzial für die Wertschöpfungskette, Nachhaltigkeit und Fachkräftegewinnung 
KI transformiert die textile Wertschöpfungskette von der Faser bis zum Point of Sale und bietet Potenzial für mehr Effizienz, höhere Qualität und Resilienz. Bereits in der Rohstoffgewinnung unterstützen KI-Systeme beim Anbau, bei der Ernte und beim Recycling durch intelligente Analysen und Sortiertechnologien. In Design und Entwicklung beschleunigen KI-Tools kreative Prozesse und simulieren Materialeigenschaften, sichtbar etwa in der immersiven Installation „among all“ von Patricia Urquiola auf der Heimtextil 2026. Auch Produktions- und Logistikprozesse werden optimiert, Ausschuss reduziert und Lieferketten transparenter.
 
Künstliche Intelligenz treibt zudem die „Twin Transformation“, die Verbindung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit, voran. Weltweit werden jährlich rund 116 Millionen Tonnen Textilfasern produziert; doch nur ein Prozent der Post-Consumer-Textilabfälle wird recycelt. Mittels KI können Unternehmen Ressourcen schonen und Abfälle reduzieren. KI-gestützte Design- und Prognosemodelle verhindern Überproduktion, während Life Cycle-Analysen eine umweltbewusste Beschaffung ermöglichen. Bilderkennungssysteme sortieren Alttextilien und schaffen die Grundlage für eine echte Kreislaufwirtschaft. Das gesamte Angebot textiler Verarbeitungstechnologien zeigt die Texprocess vom 21. bis 24. April 2026 in Frankfurt am Main.
 
In der Arbeitswelt bringt KI neue Berufsbilder hervor und verändert bestehende, etwa in Datenanalyse, digitalem Design und Prozesssteuerung. Sie kann dem Fachkräftemangel entgegenwirken: Bis zu 70 Prozent der standardisierten Tätigkeiten in der Produktion könnten laut dem Institut für Textiltechnik (ITA) der RWTH Aachen automatisiert werden. Auch im Recruiting unterstützt KI die gezielte Suche und Auswahl geeigneter Fachkräfte.

Quelle:

Messe Frankfurt Exhibition GmbH

Push für chemisches Recycling: Borealis kooperiert mit BlueAlp Foto Borealis Group
16.12.2025

Push für chemisches Recycling: Borealis kooperiert mit BlueAlp

  • Borealis ist eine strategische Partnerschaft mit BlueAlp eingegangen, einem führenden Unternehmen im Bereich chemischer Recyclingtechnologie mit Sitz in Eindhoven, Niederlande.
  • Im Rahmen der Vereinbarung wird Borealis seine Mehrheitsbeteiligung an Renasci an BlueAlp übertragen und eine direkte Beteiligung von 10 % an BlueAlp erwerben, um dessen zukünftiges Wachstum und Expansion zu unterstützen.
  • Dieser strategische Schritt spiegelt das wachsende Engagement von Borealis in der Wertschöpfungskette des chemischen Recyclings wider
  • Der Betrieb von Anlagen für chemisches Recycling ist für BlueAlp ein logischer nächster Schritt, der die technologische Innovation beschleunigt und das Lizenzangebot stärkt 

Borealis gab am 16. Dezember 2025 eine strategische Partnerschaft mit BlueAlp bekannt, einem führenden Unternehmen für chemische Recyclingtechnologie mit Sitz in Eindhoven, Niederlande.

  • Borealis ist eine strategische Partnerschaft mit BlueAlp eingegangen, einem führenden Unternehmen im Bereich chemischer Recyclingtechnologie mit Sitz in Eindhoven, Niederlande.
  • Im Rahmen der Vereinbarung wird Borealis seine Mehrheitsbeteiligung an Renasci an BlueAlp übertragen und eine direkte Beteiligung von 10 % an BlueAlp erwerben, um dessen zukünftiges Wachstum und Expansion zu unterstützen.
  • Dieser strategische Schritt spiegelt das wachsende Engagement von Borealis in der Wertschöpfungskette des chemischen Recyclings wider
  • Der Betrieb von Anlagen für chemisches Recycling ist für BlueAlp ein logischer nächster Schritt, der die technologische Innovation beschleunigt und das Lizenzangebot stärkt 

Borealis gab am 16. Dezember 2025 eine strategische Partnerschaft mit BlueAlp bekannt, einem führenden Unternehmen für chemische Recyclingtechnologie mit Sitz in Eindhoven, Niederlande. Im Rahmen der Partnerschaft wird Borealis seine Mehrheitsbeteiligung an Renasci, einem chemischen Recyclingunternehmen mit Sitz in Ostende, Belgien, an BlueAlp übertragen und gleichzeitig einen Anteil von 10 % an BlueAlp erwerben, um dessen zukünftiges Wachstum und Expansion zu unterstützen.
 
Renasci hat die Technologie von BlueAlp lizenziert, um eine 20-kt-p.a.-Anlage zu errichten. Diese wurde in den letzten Jahren von BlueAlp entwickelt, gebaut und während des gesamten Betriebs unterstützt. Der Übergang von der Unterstützung des Betriebs zum direkten Betrieb der Anlage ist ein logischer nächster Schritt in der Entwicklung von BlueAlp. Dies wird die technologische Innovation beschleunigen, eine robuste Plattform für die Produktion hochwertiger kreislauffähiger Rohstoffe schaffen und das Lizenzangebot von BlueAlp weiter stärken.
 
Seit dem Einstieg bei Renasci hat Borealis die Entwicklung des Unternehmens zu einer der wenigen in Betrieb befindlichen chemischen Recyclinganlagen in Europa vorangetrieben. Im Rahmen der Vereinbarung wird BlueAlp die nächste Phase der Entwicklung und Weiterentwicklung von Renasci leiten, während Borealis weiterhin Kundenlösungen auf der Basis chemisch recycelter Rohstoffe entwickelt.
 
„Die direkte Unterstützung von Borealis kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt für die chemische Recyclingindustrie, in der eine rasche Kapazitätserweiterung erforderlich ist, um die Ziele für den Recyclinganteil zu erreichen. Ihre Markterfahrung und Materialkompetenz werden unser Wachstum unterstützen und uns gut positionieren, um mehr Kunststoffabfälle in hochwertige Kreislauf-Rohstoffe umzuwandeln“, sagt Valentijn de Neve, CEO von BlueAlp.
 
Diese Zusammenarbeit hilft den Kund:innen und Partner:innen von Borealis und BlueAlp entlang der gesamten Wertschöpfungskette, sich auf die bevorstehende EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) im Jahr 2030 vorzubereiten. Diese wird voraussichtlich die Nachfrage nach recycelten Materialien für kontaktempfindliche Anwendungen wie Lebensmittel- und Kosmetikverpackungen, beispielsweise auf Basis chemisch recycelter Rohstoffe, erhöhen.
 
„Die Vertiefung der Partnerschaft mit BlueAlp kombiniert Vermögenswerte und Technologien und wird den Fortschritt im chemischen Recycling für die Industrie beschleunigen“, sagt Borealis CEO Stefan Doboczky, „Dadurch kann Borealis seinen Kund:innenstamm mit einer immer breiteren Palette an Polymeren auf Basis chemisch recycelter Rohstoffe versorgen. Diese Transaktion steht in vollem Einklang mit der We4Customers-Strategie von Borealis, die Kund:innen dabei unterstützt, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, und gleichzeitig die Innovationskraft und den operativen Fokus der Gruppe stärkt.“
 
Die finanziellen Details der Transaktion werden nicht bekannt gegeben.

Quelle:

Borealis Group

16.12.2025

Recycling: Faserqualität präzise messen

Die 38. International Cotton Conference Bremen, die vom 25. bis 27. März 2026 im Bremer Parlament am Marktplatz der Hansestadt stattfindet, setzt wieder ein Signal für fachliche Exzellenz und internationalen Dialog. Im Zentrum stehen die neuesten Markttrends und technischen Innovationen entlang der Wertschöpfungskette von der Landwirtschaft über Qualitätssicherung und Verarbeitung bis hin zur Kreislaufwirtschaft. 

Mit der Session „Recycelte Fasern und ihre Qualitätsbewertung“ wird eine Thematik beleuchtet, in der es um die Faserqualität recycelter Fasern und ihre Auswirkungen auf die Garnqualität geht. 

Recyclingfasern sind ein Schlüssel für den Weg in eine wirklich zirkuläre Textilwirtschaft. Doch ihre Verarbeitung wirft entscheidende Qualitätsfragen auf: Wie schneiden sie gegenüber Neuware ab – und wie lässt sich das zuverlässig messen? Wie wirkt sich die Faserqualität auf die Garnqualität aus? Spezifische, auf Recyclingmaterial zugeschnittene Prüfmethoden sind unerlässlich, um die Leistungsfähigkeit recycelter Fasern realistisch zu bewerten. Vier Expertinnen und Experten nehmen diese Herausforderungen an und liefern Antworten aus Forschung und Praxis. 

Die 38. International Cotton Conference Bremen, die vom 25. bis 27. März 2026 im Bremer Parlament am Marktplatz der Hansestadt stattfindet, setzt wieder ein Signal für fachliche Exzellenz und internationalen Dialog. Im Zentrum stehen die neuesten Markttrends und technischen Innovationen entlang der Wertschöpfungskette von der Landwirtschaft über Qualitätssicherung und Verarbeitung bis hin zur Kreislaufwirtschaft. 

Mit der Session „Recycelte Fasern und ihre Qualitätsbewertung“ wird eine Thematik beleuchtet, in der es um die Faserqualität recycelter Fasern und ihre Auswirkungen auf die Garnqualität geht. 

Recyclingfasern sind ein Schlüssel für den Weg in eine wirklich zirkuläre Textilwirtschaft. Doch ihre Verarbeitung wirft entscheidende Qualitätsfragen auf: Wie schneiden sie gegenüber Neuware ab – und wie lässt sich das zuverlässig messen? Wie wirkt sich die Faserqualität auf die Garnqualität aus? Spezifische, auf Recyclingmaterial zugeschnittene Prüfmethoden sind unerlässlich, um die Leistungsfähigkeit recycelter Fasern realistisch zu bewerten. Vier Expertinnen und Experten nehmen diese Herausforderungen an und liefern Antworten aus Forschung und Praxis. 

Stefan Fliescher, Textechno in Mönchengladbach, spricht über „Fortschritte in der Prüftechnik für mechanisch recycelte Fasern“. Während sich die Spinneignung neuer Baumwolle vor allem über Faserlängenverteilung und Nissengehalt bestimmen lässt, sind diese Merkmale bei Recyclingfasern nur begrenzt messbar. Ihr beschädigtes, heterogenes Strukturprofil erfordert angepasste Prüfverfahren. Zudem gewinnen Parameter wie der Anteil ungeöffneter Garnreste an Bedeutung. Optimierte Messtechniken sind daher zentral, um die Qualitätssicherung im mechanischen Recycling zu verbessern und stabile Garnqualitäten zu ermöglichen.

Adele Abdoos, Mesdan, Italien, untersucht den Einsatz von Laborgeräten wie Schredder, Kardiermaschine und Garnseparator, um die Faserrückgewinnung aus verschiedenen Textilabfällen realitätsnah zu simulieren und zu optimieren. In ihrem Vortrag zeigt sie, dass gewebte Stoffe beim Zerkleinern widerstandsfähiger sind und längere Fasern behalten, während gestrickte Materialien stärker beschädigt werden und mehr Kurzfasern erzeugen. Besonders vorteilhaft erwies sich die Anpassung der Maschinenparameter, etwa durch höhere Drehzahlen der Haupttrommel und niedrigere der Arbeitswalze. Die in Bremen präsentierte Studie betont die Bedeutung von Laborversuchen, da Tests im kleinen Maßstab industrielle Ergebnisse zuverlässig vorhersagen und gleichzeitig Materialverluste reduzieren.

Christine Wörner von Uster Technologies untersucht in ihrem Vortrag die Qualitätsparameter von mechanisch recyceltem und neuem Baumwollgarn. Sie zeigt, dass die Qualität recycelter Baumwolle von Herkunft und Fasereigenschaften des Textilabfalls abhängt. Ein Analysevergleich mit Neuware zeigte deutliche Unterschiede. Mithilfe einer Matrix wurden die Fasereigenschaften verschiedener Abfallarten erfasst und untersucht. Dabei zeigte sich, wie Produktionsparameter angepasst werden müssen, um die gewünschte Garnqualität zu erreichen und welche Auswirkungen dies auf Effizienz und Garneigenschaften hat. Die Ergebnisse liefern Hinweise zur Optimierung der Recyclinggarnproduktion und betonen die Notwendigkeit differenzierter Qualitätsbewertung im mechanischen Baumwollrecycling.

Pierre Lanfer, RWTH Aachen, untersucht in seinem Vortrag zwei mechanische Recyclingzyklen. Ausgangspunkt ist ein Gewebe aus 100 % neuer versponnener bzw. verstrickter Baumwolle, das im ersten Zyklus zu Fasern zerrissen wird. Diese werden im zweiten Zyklus erneut verarbeitet. Erste Ergebnisse zeigen eine deutliche Faserverkürzung im ersten Zyklus, während der Verlust im zweiten geringer ausfällt. Die Daten deuten darauf hin, dass Einbußen bei Garn- und Gewebeeigenschaften in späteren Zyklen abnehmen könnten. Die Befunde werden anhand einer Charakterisierung des Originalgewebes sowie der Fasern, Garne und Gewebe beider Recyclingstufen präsentiert.

Outlast® gewinnt WTiN Innovate Textile Award für Aersulate® Grafik Outlast Technologies GmbH
16.12.2025

Outlast® gewinnt WTiN Innovate Textile Award für Aersulate®

Die Outlast Technologies GmbH gewinnt den WTiN Innovate Textile Award in der Kategorie Material Innovation. Ausgezeichnet wurde die aerogelbasierte Isolierungstechnologie Aersulate®. Der Preis würdigt herausragende Leistungen bei der Entwicklung zukunftsweisender Materialien und textilen Innovationen.

Aersulate® erweitert die Leistungsfähigkeit textiler Isolierungssysteme deutlich. Durch den hohen Aerogelanteil nutzt die Technologie dessen hochporöse Struktur zur effizienten Lufteinschließung und erreicht so eine hervorragende thermische Performance bei minimaler Materialdicke bzw. geringem Gewicht. In Aersulate® Watten liegt der Aerogelanteil bei 50 % des Gesamtvolumens – ein echtes Novum.

Der geringe Platzbedarf der Materialien erschließt neue Anwendungsfelder und macht Lösungen möglich, die bisher am begrenzt verfügbaren Platz scheiterten. Gleichzeitig behalten Aersulate® Materialien und Watten ihre Leistungsfähigkeit auch unter Druck und bei Feuchtigkeit nahezu vollständig bei. Im Gegensatz zu herkömmlichen Materialien gewährleisten sie eine zuverlässige Isolierung und damit hohen Tragekomfort selbst unter anspruchsvollen Bedingungen. 

Die Outlast Technologies GmbH gewinnt den WTiN Innovate Textile Award in der Kategorie Material Innovation. Ausgezeichnet wurde die aerogelbasierte Isolierungstechnologie Aersulate®. Der Preis würdigt herausragende Leistungen bei der Entwicklung zukunftsweisender Materialien und textilen Innovationen.

Aersulate® erweitert die Leistungsfähigkeit textiler Isolierungssysteme deutlich. Durch den hohen Aerogelanteil nutzt die Technologie dessen hochporöse Struktur zur effizienten Lufteinschließung und erreicht so eine hervorragende thermische Performance bei minimaler Materialdicke bzw. geringem Gewicht. In Aersulate® Watten liegt der Aerogelanteil bei 50 % des Gesamtvolumens – ein echtes Novum.

Der geringe Platzbedarf der Materialien erschließt neue Anwendungsfelder und macht Lösungen möglich, die bisher am begrenzt verfügbaren Platz scheiterten. Gleichzeitig behalten Aersulate® Materialien und Watten ihre Leistungsfähigkeit auch unter Druck und bei Feuchtigkeit nahezu vollständig bei. Im Gegensatz zu herkömmlichen Materialien gewährleisten sie eine zuverlässige Isolierung und damit hohen Tragekomfort selbst unter anspruchsvollen Bedingungen. 

Die Innovation besitzt auch eine strategische Bedeutung: Für eine breite Markteinführung positioniert Outlast die Aersulate® Produkte gezielt in zahlreichen unterschiedlichen Industrien. „Wir werden unsere Aersulate® Materialien und Watten in mehreren anspruchsvollen Produktsegmenten einsetzen – darunter Bettwaren, Sicherheitsausrüstung, Schuhe und Bekleidung. Unser Ziel ist klar: Aersulate® als skalierbare Performance-Lösung mit breiter Marktanwendbarkeit zu etablieren – überall dort, wo Wärmemanagement, Komfort und dünne Isolierung den entscheidenden Unterschied machen“, sagte Martin Bentz, CEO der Outlast Technologies GmbH.

Mit Blick auf die Auszeichnung betonte Bentz, dass die Arbeit mit Aerogel eine große Herausforderung war. Extrem leicht, aber zugleich hochgradig fragil, ist Aerogel enorm schwer zu verarbeiten, in Textilstrukturen zu integrieren und dauerhaft zu stabilisieren. Die Transformation dieses außergewöhnlichen, aber komplexen Materials in skalierbare, langlebige Materialien und Watten erforderte tiefgehende Materialkompetenz, präzise Ingenieursarbeit und kontinuierliche Forschungsanstrengungen.

„Der Gewinn dieses Preises macht uns sehr stolz. Er ist eine große Anerkennung unserer Arbeit und eine klare Bestätigung dafür, dass wir mit unserer innovativen Aersulate® Isolierlösungen auf dem richtigen Weg sind – Lösungen, die den Anforderungen des Marktes entsprechen und neue Leistungsmaßstäbe setzen“, ergänzte Bentz.

Quelle:

Outlast Technologies GmbH

(v.l.n.r.): Landtagsmitglied Andreas Bühl, Landtagsmitglied Maik Kowalleck, Landrat Marko Wolfram, Wirtschaftsstaatssekretär Mario Suckert, Bundestagsmitglied Diana Herbstreuth, Ministerpräsident Mario Voigt, TITK-Direktor Benjamin Redlingshöfer, Zuse-Präsident Martin Bastian, Bürgermeister Jörg Reichl sowie TITK-Abteilungsleiterin Ute Schubert. Bildrechte: TITK / Steffen Beikirch
15.12.2025

Innovationszentrum für textile Kreislaufwirtschaft in Thüringen eingeweiht

Gut acht Monate nach der Grundsteinlegung ist am TITK Rudolstadt das neue Innovationszentrum für textile Kreislaufwirtschaft eingeweiht worden. Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt, TITK-Direktor Benjamin Redlingshöfer und weitere Ehrengäste durchschnitten gemeinsam das Band zu dem modernen Gebäudekomplex und sahen sich die bezugsfertigen Räumlichkeiten an. Beim „DICE – Demonstration and Innovation Center for Textile Circular Economy“ handelt es sich um die bisher größte Einzelinvestition des TITK. Die Gesamtkosten von 11,5 Mio. Euro hat der Freistaat Thüringen mit 8 Mio. Euro aus GRW- und FTI-Fördermitteln unterstützt. 

Der rasante Baufortschritt auf dem Institutsgelände ließ auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TITK-Gruppe seit dem Frühjahr immer wieder staunen. „Zeitlich und budgetseitig waren wir stets im Plan“, sagt TITK-Direktor Benjamin Redlingshöfer nun. Seine Ankündigung kurz nach der Grundsteinlegung vom 31. März, man werde noch in diesem Jahr zur Einweihung einladen, hatte manchem anfangs eher ein skeptisches Lächeln entlockt. Doch das Versprechen wurde gehalten. 

Gut acht Monate nach der Grundsteinlegung ist am TITK Rudolstadt das neue Innovationszentrum für textile Kreislaufwirtschaft eingeweiht worden. Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt, TITK-Direktor Benjamin Redlingshöfer und weitere Ehrengäste durchschnitten gemeinsam das Band zu dem modernen Gebäudekomplex und sahen sich die bezugsfertigen Räumlichkeiten an. Beim „DICE – Demonstration and Innovation Center for Textile Circular Economy“ handelt es sich um die bisher größte Einzelinvestition des TITK. Die Gesamtkosten von 11,5 Mio. Euro hat der Freistaat Thüringen mit 8 Mio. Euro aus GRW- und FTI-Fördermitteln unterstützt. 

Der rasante Baufortschritt auf dem Institutsgelände ließ auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TITK-Gruppe seit dem Frühjahr immer wieder staunen. „Zeitlich und budgetseitig waren wir stets im Plan“, sagt TITK-Direktor Benjamin Redlingshöfer nun. Seine Ankündigung kurz nach der Grundsteinlegung vom 31. März, man werde noch in diesem Jahr zur Einweihung einladen, hatte manchem anfangs eher ein skeptisches Lächeln entlockt. Doch das Versprechen wurde gehalten. 

Ministerpräsident Mario Voigt: „Das DICE ist ein starkes Signal für Thüringens Innovationskraft: Forschung wird hier zu Anwendung, Ideen werden zu industriellen Lösungen. In nur acht Monaten ist aus Visionen ein Zentrum für Visionen entstanden. Die schnelle Umsetzung zeigt, dass wir in Thüringen nicht nur Engagement und Expertise haben, sondern auch mit Tempo und Effizienz der Zukunft eine klare Richtung geben. Innovativ, nachhaltig und wettbewerbsfähig. Ganz bewusst hat der Freistaat Thüringen dieses zukunftsweisende Projekt maßgeblich unterstützt, denn wir wollen Thüringen als Standort für Forschung und Entwicklung weiter stärken. Mein ausdrücklicher Dank gilt allen Akteuren – den Bauleuten, den Planern, den Verantwortlichen im TITK und allen Förder- und Projektpartnern –, die diesen Erfolg möglich gemacht haben. Sie alle haben sich auf den Weg gemacht, das Grüne Herz Deutschlands weiter voranzubringen, es für die Bürgerinnen und Bürger in unserem Land zukunftsfest zu machen.“ 

Entstanden sind ein viergeschossiges Labor- und Bürogebäude sowie eine Versuchshalle mit jeweils rund 1.000 Quadratmetern Grundfläche. Im barrierefreien Neubau werden unter anderem ein Biologielabor und ein Zellstofflabor Platz finden. Die Halle wird sich auf zwei Hauptlinien konzentrieren: Polyesterrecycling und Baumwollrecycling. Daneben stehen auch die Erforschung und Erprobung alternativer Zellstofflieferanten im Fokus. Dank DICE wird die TITK-Gruppe künftig über ein eigenes Zellstoffkochersystem verfügen. Diese Anlage wird derzeit noch in Sachsen konstruiert und soll 2026 in Betrieb genommen werden.

Seit mehr als 30 Jahren widmet sich das TITK nachhaltigen Textilfasern auf Cellulose-Basis. Diese Lyocellfasern wurden bereits entscheidend weiterentwickelt: Längst nutzen sie nicht mehr nur Zellstoff aus Holz, sondern zum Beispiel auch aus schnellwachsendem und nur wenige Ressourcen verbrauchenden Hanf. Just in diesem Jahr ist man hier bei innovativen Lösungen für ein praxistaugliches und ganzheitliches Textilrecycling einen großen Schritt vorangekommen: Auf der Weltausstellung Expo in Osaka (Japan) konnte Redlingshöfer persönlich das weltweit erste Poloshirt aus einer dreifach recycelten Hanflyocell-Faser (Lyohemp®) präsentieren. 

Das Rudolstädter Institut will einen wichtigen Beitrag zur Transformation der textilen Wertschöpfungskette leisten. Insbesondere das Recycling von Mischtextilien ist eine zentrale Herausforderung, der sich das neue Innovationszentrum DICE widmen wird. „Geschlossene regionale Stoffkreisläufe sind unser Anspruch“, sagt Redlingshöfer. „Aber sie müssen ökologisch und ökonomisch sinnvoll sein, um einen Markterfolg garantieren.“ Die Ausrichtung des Innovationszentrums ende nicht bei nachhaltigen Fasern für Bekleidungstextilien, sondern schließe ausdrücklich auch technische Textilien für Hochleistungsanwendungen aus der Automobilbranche, der Luft- und Raumfahrt oder etwa dem Verteidigungssektor mit ein. „Hier stellt die Regionalität auch einen Resilienzfaktor dar“, sagt der Institutsleiter. 

63 Partner haben dem DICE bislang eine Kooperation zugesagt – darunter Unternehmen wie Adidas, Vaude, Continental und Head, aber auch weitere Forschungseinrichtungen, Verbände und Netzwerke.

Quelle:

TITK - Thüringisches Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung Rudolstadt e.V.:

Musterwebmaschine, auf der die Gewebe produziert wurden. Foto: DITF
15.12.2025

Auxetische Gewebe: Mehr Sicherheit und Komfort für Schutzkleidung

Zieht man an im Alltag üblichen Materialien, so dehnen oder strecken sich diese in Zugrichtung und werden im Querschnitt schmaler. Diese Eigenschaft sind auch bei flächigen Textilien beobachten. Auxetische Strukturen verhalten sich anders: Sie haben die Eigenschaft, sich unter Zugbelastung nicht zu verändern oder sogar ihre Breite oder Dicke zu vergrößern. Diese Eigenschaften sind beispielsweise bei Schutztextilien oder textilen Filtermedien von Vorteil. Die DITF erforschen auxetische Gewebe für verschiedene Anwendungen.

Zieht man an im Alltag üblichen Materialien, so dehnen oder strecken sich diese in Zugrichtung und werden im Querschnitt schmaler. Diese Eigenschaft sind auch bei flächigen Textilien beobachten. Auxetische Strukturen verhalten sich anders: Sie haben die Eigenschaft, sich unter Zugbelastung nicht zu verändern oder sogar ihre Breite oder Dicke zu vergrößern. Diese Eigenschaften sind beispielsweise bei Schutztextilien oder textilen Filtermedien von Vorteil. Die DITF erforschen auxetische Gewebe für verschiedene Anwendungen.

Die bisherige Forschung im Bereich der auxetischen Gewebe konzentrierte sich auf Faserverbunde. Diese Strukturen weisen naturgemäß eine hohe Steifigkeit auf. Dadurch sind sie für Anwendungen geeignet, bei denen sich das Material nur einmalig verformen muss. Andere Forschungsansätze haben auf Garnebene auxetische Eigenschaften erzielt, die nach Zug wieder ihre ursprüngliche Form erreichen. Diese negative Querkontraktion kann mit der Poissonzahl quantifiziert werden; sie nimmt für Auxetikstrukturen Werte von ±0 aber auch deutlich negative Werte an. Der Effekt wird in der textilen Fläche jedoch durch andere Struktureinflüsse überlagert und dadurch eingeschränkt. Aus diesem Grund erforschen die DITF eine textile, biegeschlaffe Struktur direkt auf Gewebebasis, die über reversible, auxetische Eigenschaften verfügt.

Um diese Eigenschaften zu erreichen, wurden spezielle Mehrlagengewebe entwickelt, die im Dickenaufbau der geometrischen Struktur einer Sanduhr sowohl in Schuss- als auch in Kettrichtung ähnelt. Diese Geometrie führt zu einer Verdichtung des Gewebes unter Druckbelastung, was etwa bei Schutzbekleidung vorteilhaft ist. Einwirkende Kräfte wie Stöße werden deutlich abgemildert. Gleichzeitig erlaubt die Struktur eine sehr gute Anpassung an unterschiedliche Körperformen. Umgekehrt wird das Gewebe unter Zugbelastung breiter oder dicker. Dies kann zu einer größeren Fläche oder einem größeren Volumen führen, wie es bei Filtrationsaufgaben gewünscht ist.

Die im Rahmen des Forschungsprojektes „Auxetische Webstrukturen“ (1IF22730N) an den DITF entwickelten Gewebestrukturen verfügen somit über eine einstellbare Poissonzahl mit negativen Werten bis zu −2. Der auxetische Effekt ist dabei nicht nur einmalig, sondern zuverlässig unter wiederkehrender Belastung nachweisbar.