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11.06.2026

Rezyklate sind ein strategischer Rohstoff für die europäische Industrie

Die Kunststoffrecyclingbranche in Deutschland und Europa steht an einem Wendepunkt. Während geopolitische Krisen und unterbrochene Lieferketten die Bedeutung von Rezyklaten als strategischen Rohstoff deutlich machen, kämpfen viele Recyclingunternehmen ums wirtschaftliche Überleben.

Diese Botschaft zog sich wie ein roter Faden durch den 28. Internationalen Altkunststofftag des bvse in Bad Neuenahr.

„Die Lage unserer Branche ist anspruchsvoll“, sagte bvse-Vizepräsident Herbert Snell in seiner Eröffnungsrede. Gleichzeitig sei die Situation heute besser als noch vor einem Jahr. Die Bedeutung von Rezyklaten für Versorgungssicherheit, Ressourcenschutz und industrielle Wettbewerbsfähigkeit werde zunehmend erkannt.

Die Kunststoffrecyclingbranche in Deutschland und Europa steht an einem Wendepunkt. Während geopolitische Krisen und unterbrochene Lieferketten die Bedeutung von Rezyklaten als strategischen Rohstoff deutlich machen, kämpfen viele Recyclingunternehmen ums wirtschaftliche Überleben.

Diese Botschaft zog sich wie ein roter Faden durch den 28. Internationalen Altkunststofftag des bvse in Bad Neuenahr.

„Die Lage unserer Branche ist anspruchsvoll“, sagte bvse-Vizepräsident Herbert Snell in seiner Eröffnungsrede. Gleichzeitig sei die Situation heute besser als noch vor einem Jahr. Die Bedeutung von Rezyklaten für Versorgungssicherheit, Ressourcenschutz und industrielle Wettbewerbsfähigkeit werde zunehmend erkannt.

Snell verwies auf die geopolitischen Verwerfungen der vergangenen Jahre. Bereits die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie wichtig funktionierende Kreislaufwirtschaftssysteme für die Versorgungssicherheit seien. Nun führten neue Konflikte und gestörte Handelswege erneut vor Augen, wie abhängig Europa von internationalen Rohstoffströmen sei. „Warum diskutiert Europa strategische Autonomie bei Energie, Halbleitern und kritischen Rohstoffen – aber nicht bei Kunststoffen und Rezyklaten?“, fragte Snell. Rezyklate seien längst kein Nischenprodukt mehr, sondern ein strategischer Rohstoff für die europäische Industrie.

Mehr als eine Million Tonnen Recyclingkapazität verloren
Gleichzeitig warnte der bvse-Vizepräsident vor den dramatischen Folgen der anhaltenden Marktkrise. Europaweit seien seit 2023 mehr als eine Million Tonnen Recyclingkapazität vom Markt verschwunden. Verantwortlich seien vor allem der Preisverfall bei Neuware, die schwache Nachfrage nach Rezyklaten und ein Investitionsumfeld, das den Ausbau der Kreislaufwirtschaft eher erschwere als fördere. Damit steht die Branche vor einem grundlegenden Problem, das längst nicht nur Europa betrifft.

Weltweit zeigt sich, dass Recycling ohne wirksame politische Rahmenbedingungen wirtschaftlich kaum wettbewerbsfähig ist. Virgin Plastic ist häufig günstiger als Rezyklate, während Umwelt- und Klimakosten nach wie vor nicht ausreichend eingepreist werden. Sobald wirtschaftlicher Druck entsteht, geraten Kreislaufwirtschaft und Rezyklateinsatz vielerorts ins Hintertreffen. Für die Kunststoffrecycler ist deshalb klar: Der Markt allein wird die Transformation nicht leisten können.

„Wir feiern Quoten und beschädigen gleichzeitig die Qualität“
Besonders deutlich wurde der Vorsitzende des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling, Dirk Textor. Er kritisierte scharf die aktuellen Rahmenbedingungen des Verpackungsrecyclings in Deutschland. „Deutschland gilt gerne als Recyclingweltmeister. Das klingt gut. Die Realität in den Anlagen sieht leider oft anders aus“, sagte Textor.

Aus seiner Sicht setzt das bestehende System die falschen Anreize. Der Fokus auf Mengen und Quoten führe dazu, dass die Qualität der erfassten und sortierten Kunststoffabfälle zunehmend leide. „Wir feiern Quoten, während wir gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit und Qualität des Recyclings beschädigen. Den Letzten beißen die Hunde – und das sind die Kunststoffrecycler.“

Textor fordert deshalb eine grundlegende Neuausrichtung der Berechnungsmethoden. Maßstab müsse künftig der tatsächliche Output des Recyclingprozesses sein und nicht die angelieferte Menge. „Quantität ersetzt keine Qualität“, betonte er. Wenn Kreislaufwirtschaft industriell gedacht werde, müssten auch industrielle Qualitätsstandards gelten.

Design entscheidet über Recyclingfähigkeit
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Produktgestaltung. Nach Ansicht des bvse beginnt Recyclingfähigkeit nicht erst in der Sortieranlage. „Recyclingfähigkeit beginnt nicht in der Sortieranlage. Sie beginnt am Schreibtisch des Verpackungsdesigners“, sagte Textor. Noch immer würden Verpackungen entwickelt, die aus komplexen Materialverbunden bestehen, obwohl recyclingfreundlichere Lösungen verfügbar seien.

Design for Recycling müsse endlich vom Schlagwort zur Selbstverständlichkeit werden. Auch die seit Jahren diskutierte Ökomodulierung komme in Deutschland kaum voran. Während andere europäische Länder längst finanzielle Anreize für recyclinggerechtes Design und den Einsatz von Rezyklaten geschaffen hätten, werde hierzulande weiter diskutiert.

Ein weiteres zentrales Thema des Altkunststofftages war die zukünftige Rolle verschiedener Recyclingtechnologien. Aus Sicht der Branche wäre es ein Fehler, mechanisches und chemisches Recycling gegeneinander auszuspielen. Mechanisches Recycling bleibe überall dort die bevorzugte Lösung, wo hochwertige Stoffkreisläufe technisch möglich seien.

„Chemisches Recycling ist nicht die bessere Alternative zum mechanischen Recycling. Aber es kann die bessere Alternative zu Virgin Plastic sein“, lautet die Einschätzung von Branchenvertretern. Entscheidend sei, das Gesamtsystem zu optimieren. Kunststoffabfälle, die weder mechanisch noch chemisch verwertet werden können, enden ansonsten weiterhin in Verbrennungsanlagen oder auf Deponien.

Europa hat einen Vorsprung – darf ihn aber nicht verspielen
Trotz aller Kritik sehen die Unternehmen Europa im internationalen Vergleich grundsätzlich auf dem richtigen Weg. Rezyklateinsatzquoten, Herstellerverantwortung und Kreislaufwirtschaftspolitik hätten in Europa deutlich stärker Fuß gefasst als in vielen anderen Weltregionen.

Gleichzeitig warnen die Kunststoffrecycler davor, diesen Vorsprung durch übermäßige Bürokratie, hohe Energiekosten und fehlende Investitionssicherheit zu verspielen.

„Was wir jetzt brauchen, sind verlässliche Rahmenbedingungen, faire Wettbewerbsbedingungen und den politischen Willen, Recycling nicht nur als Umweltpolitik zu betrachten, sondern als Industriepolitik“, forderte Herbert Snell. Auch Dirk Textor appellierte an Politik und Wirtschaft, gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln: „Die Kreislaufwirtschaft wird nicht an mangelnder Technik scheitern. Sie wird scheitern, wenn Politik und Wirtschaft nicht bereit sind, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen.“

Source:

bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung